
Schneider Electric und PTC haben inzwischen eine verbindliche Übernahmevereinbarung bekanntgegeben. Vorgesehen sind 205 US-Dollar in bar je PTC-Aktie. Die Aktien werden damit insgesamt mit 22,6 Milliarden US-Dollar bewertet; einschließlich Nettoschulden beträgt der Unternehmenswert 23,7 Milliarden US-Dollar.
Laut Schneider Electric entspricht das Angebot einer Prämie von 42,3 Prozent auf den letzten Schlusskurs. Das beschreibt den Aufschlag des vereinbarten Kaufpreises und keinen gemeldeten Kursanstieg. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2027 erwartet. Er steht unter anderem unter dem Vorbehalt der Zustimmung der PTC-Aktionäre und der zuständigen Behörden.
Quelle: Unternehmensmitteilung von Schneider Electric vom 5. Oktober 2026, 7 Uhr.
Der folgende Bericht dokumentiert den Stand vor der offiziellen Bekanntgabe. Angaben zu offenen Verhandlungen und noch unbekannten Konditionen sind durch die Aktualisierung oben überholt.
Der französische Elektrotechnik- und Automatisierungskonzern Schneider Electric steht offenbar vor einer seiner größten Übernahmen. Das Unternehmen verhandelt über den Kauf des US Softwarekonzerns PTC für rund 20 Milliarden Dollar. Eine Vereinbarung könnte bereits am Montag bekanntgegeben werden. Die Gespräche waren am frühen Montagmorgen jedoch noch nicht abgeschlossen, ein Scheitern war weiterhin möglich. Schneider Electric und PTC hatten die mögliche Transaktion zunächst nicht offiziell bestätigt.
Sollte der Schneider Electric PTC Deal zustande kommen, würde der französische Konzern seine Stellung im Geschäft mit Industriesoftware erheblich ausbauen. PTC entwickelt Programme, mit denen Unternehmen Produkte konstruieren, technische Daten verwalten und Entwicklungsprozesse über den gesamten Produktlebenszyklus organisieren können. Zu den bekanntesten Angeboten gehören die Konstruktionssoftware Creo sowie Windchill für das sogenannte Product Lifecycle Management.
Nach Informationen der Financial Times bewegt sich der mögliche Kaufpreis in einer Größenordnung von etwa 20 Milliarden Dollar. Reuters bestätigte die laufenden Verhandlungen anschließend unter Berufung auf eine eigene, mit dem Vorgang vertraute Person. Eine Bekanntgabe könne demnach bereits am Montag erfolgen. Die Gespräche liefen allerdings weiter und hätten zu diesem Zeitpunkt noch nicht zwingend zu einem Vertrag geführt.
PTC kam zuletzt auf einen Börsenwert von etwa 15,63 Milliarden Dollar. Die genannte Transaktionssumme läge damit deutlich über der zuletzt ausgewiesenen Marktkapitalisierung. Welche genaue Bewertung einer möglichen Vereinbarung zugrunde liegt, ob Schulden einbezogen würden und welche Konditionen für die Aktionäre vorgesehen wären, war zunächst nicht offiziell bekannt. Auch Angaben zur Finanzierung lagen zunächst nicht vor.
Eine offizielle PTC Übernahme durch Schneider Electric war zunächst nicht veröffentlicht worden. In der Übersicht der regulierten Mitteilungen von Schneider Electric war bis zum frühen Montagmorgen keine entsprechende Transaktion aufgeführt. Auch PTC hatte auf seiner Investorenseite keine Vereinbarung mit Schneider Electric bekanntgegeben.
PTC mit Sitz in Boston konzentriert sich auf Software für die Entwicklung, Fertigung und Wartung komplexer Produkte. Creo wird unter anderem für dreidimensionale Konstruktion, Simulation und computergestützte Fertigung eingesetzt. Windchill dient Unternehmen zur Verwaltung von Produktdaten, Stücklisten, Änderungsprozessen und Entwicklungsinformationen. Hinzu kommen Angebote wie die cloudbasierte CAD Plattform Onshape sowie Lösungen für Softwareentwicklung und technischen Service.
Das Unternehmen hatte sein Portfolio 2026 zugleich verkleinert. Im März schloss PTC den Verkauf seiner Geschäftsbereiche Kepware und ThingWorx an den Finanzinvestor TPG ab. PTC erhielt nach eigenen Angaben beim Abschluss rund 523 Millionen Dollar in bar. Das Unternehmen begründete den Schritt mit einer stärkeren Konzentration auf seine Strategie rund um den digitalen Produktlebenszyklus.
Finanziell zeigte sich PTC zuletzt robust. Im dritten Geschäftsquartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 600 Millionen Dollar. Für das gesamte Geschäftsjahr hob PTC Ende Juli seine Umsatzprognose auf 2,69 bis 2,75 Milliarden Dollar an. Gleichzeitig verwies Vorstandschef Neil Barua auf eine steigende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz für Kunden und Produktentwicklung.
Für Schneider Electric würde PTC zu einer bereits seit Jahren verfolgten Expansion im Softwaregeschäft passen. Der französische Konzern ist zwar weiterhin stark mit Energieverteilung, Automatisierung, Stromversorgung und technischer Infrastruktur verbunden, hat sein Geschäft mit digitalen Lösungen aber deutlich ausgebaut.
Ein wichtiger Schritt war die vollständige Übernahme des britischen Industriesoftwareunternehmens AVEVA, die Schneider Electric im Januar 2023 abschloss. AVEVA entwickelt unter anderem Software für industrielle Anlagen, Produktion und technische Prozesse.
Ende Juni 2026 vereinbarte Schneider Electric zudem die Übernahme des norwegischen Industriesoftwareanbieters Cognite. Nach Angaben aus dem Umfeld der Transaktion liegt der Kaufpreis bei rund 3,1 Milliarden Dollar. Cognite entwickelt Software, mit der industrielle Daten zusammengeführt und unter anderem für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz nutzbar gemacht werden können. Schneider Electric bezeichnet die Stärkung seiner digitalen und KI gestützten Fähigkeiten als einen Schwerpunkt seiner Strategie.
Schneider Electric profitiert zugleich von der hohen Nachfrage nach Infrastruktur für Rechenzentren. Das Unternehmen liefert unter anderem Stromverteilung, Kühlung und weitere technische Systeme für große Rechenzentren. Der Ausbau von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz hat diesen Markt zusätzlich beschleunigt.
Im ersten Halbjahr 2026 erzielte Schneider Electric nach eigenen Angaben einen Rekordumsatz von 21,2 Milliarden Euro. Organisch stieg der Umsatz um 14 Prozent. Besonders stark entwickelte sich Nordamerika mit einem organischen Plus von 23 Prozent. Der Konzern verwies auf eine hohe Nachfrage aus dem Rechenzentrumsbereich sowie auf Wachstum bei Energiemanagement und Industrieautomation.
Eine Übernahme von PTC würde Schneider Electric stärker in den frühen Bereich industrieller Wertschöpfung führen. Während viele Schneider Produkte und Softwarelösungen bei Energieversorgung, Anlagenbetrieb und Automatisierung ansetzen, werden PTC Programme bereits bei Konstruktion, Produktentwicklung und Verwaltung technischer Produktdaten eingesetzt.
Mit einem Volumen von rund 20 Milliarden Dollar wäre die mögliche Transaktion deutlich größer als viele bisherige Softwarekäufe von Schneider Electric. Der Konzern würde damit seine Position gegenüber großen Anbietern industrieller Software wie Siemens, Dassault Systèmes und Autodesk ausbauen.
Für PTC wäre ein Zusammenschluss zugleich ein grundlegender Eigentümerwechsel. Das Unternehmen ist an der Nasdaq notiert und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 7.500 Mitarbeiter. Seine Lösungen werden unter anderem in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Medizintechnik, in der Elektronik sowie in Luftfahrt und Verteidigung eingesetzt.
Ob die Gespräche tatsächlich in eine verbindliche Vereinbarung münden, war am Montagmorgen noch offen. Auch mögliche kartellrechtliche Prüfungen, der genaue Kaufpreis, die Finanzierung und ein möglicher Zeitplan für den Abschluss waren zunächst nicht bekannt.
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