
Tesla rückt vor der Veröffentlichung der Q2-Auslieferungen wieder stärker in den Fokus der Anleger. Die Aktie notierte zuletzt bei 420,60 US-Dollar und lag damit rund 2,1 Prozent über dem vorherigen Schlusskurs. Der Börsenwert wird aktuell mit knapp 1,49 Billionen US-Dollar angegeben. Die Bewegung fällt in eine Phase, in der Investoren auf zwei Themen schauen: die Erholung der Fahrzeugverkäufe und den Ausbau des Robotaxi-Geschäfts. Eine Bewertung der Aktie als Kauf oder Verkauf ist damit nicht verbunden.
Tesla hat für das zweite Quartal noch keine endgültigen Auslieferungszahlen veröffentlicht. Das Unternehmen verweist bislang auf einen selbst zusammengestellten Analystenkonsens. Dieser liegt bei 406.024 Fahrzeugen, der Median bei 408.609 Fahrzeugen. Für Model 3 und Model Y werden im Konsens 392.625 Auslieferungen erwartet. Für die Sammelkategorie der übrigen Modelle, darunter Model S, Model X und Cybertruck, werden 12.978 Fahrzeuge genannt. Tesla betont, dass es die Analystenschätzungen nicht als eigene Prognose bestätigt. Die Tesla Q2 Auslieferungen bleiben damit die zentrale Kennzahl der Woche.
Reuters berichtet unter Berufung auf Visible Alpha, dass Analysten für das zweite Quartal 402.780 Tesla-Auslieferungen erwarten. Das wäre ein Plus von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Zuwachs von 12,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Als wichtiger Treiber gilt Europa. Deutsche-Bank-Analysten erwarten laut Reuters dort ein regionales Wachstum von fast 40 Prozent. Für China wird ein moderates Plus von 3 Prozent erwartet, für Nordamerika dagegen ein Rückgang um 21 Prozent.
Der europäische Markt liefert Tesla derzeit bessere Signale als im Vorjahr. Nach ACEA-Daten stiegen die EU-Neuzulassungen insgesamt in den ersten fünf Monaten um 4 Prozent. Batterieelektrische Autos erreichten dabei einen Marktanteil von 20 Prozent. Im Mai wurden in der EU 203.417 reine Elektroautos neu zugelassen, ein Plus von 42,9 Prozent. Reuters meldete für Tesla in Europa, einschließlich EU, Großbritannien und EFTA, im Mai 28.610 Registrierungen. Das entsprach einem Anstieg um 107,9 Prozent.
Das Model Y bleibt für Tesla der wichtigste Volumenträger. Tesla hatte die überarbeitete Version des SUV bereits 2025 in den USA, Kanada und Europa eingeführt. Im laufenden Jahr versucht das Unternehmen zusätzlich, mit günstigeren Varianten von Model Y und Model 3 preissensiblere Käufer zu erreichen. In Deutschland will Tesla die Produktion im Werk Grünheide ab Oktober um 20 Prozent auf 7.500 Fahrzeuge pro Woche erhöhen. Das Unternehmen begründet den Schritt mit höherer Nachfrage nach dem Model Y.
Für den Cybertruck veröffentlicht Tesla weiterhin keine getrennten Auslieferungszahlen. Das Modell wird zusammen mit Model S und Model X in der Kategorie Other Models geführt. Im ersten Quartal lieferte Tesla in dieser Kategorie 16.130 Fahrzeuge aus. Für das zweite Quartal liegt der von Tesla veröffentlichte Analystenkonsens bei 12.978 Fahrzeugen. Daraus lässt sich keine belastbare Cybertruck-Einzelzahl ableiten. Aussagen über einen konkreten Cybertruck-Absatz im zweiten Quartal wären deshalb derzeit nicht tragfähig.
Tesla hat Anfang Juni nach eigenen Angaben den unbeaufsichtigten Robotaxi-Dienst im Großraum Austin ausgeweitet. Reuters berichtete, dass Tesla dort rund 50 Fahrzeuge betreibt. Zum Vergleich: Waymo von Alphabet betreibt demnach mehr als 250 Fahrzeuge in Austin. Für Tesla ist der Dienst strategisch wichtig, weil das Unternehmen stärker auf autonomes Fahren, Software und KI setzt. Zugleich bleibt der Ausbau regulatorisch sensibel, weil größere Flotten ohne Sicherheitsfahrer von Behörden und Sicherheitsvorgaben abhängen.
Der Konflikt zwischen Donald Trump und Elon Musk bleibt ein politischer Hintergrundfaktor, vor allem wegen möglicher Auswirkungen auf Regulierung, Elektroauto-Förderung und autonome Fahrzeuge in den USA. Für die aktuelle Tesla-Lage der letzten 48 Stunden stehen aber andere Punkte im Vordergrund: die erwarteten Q2-Auslieferungen, die Erholung in Europa, die Entwicklung in China und die US-Nachfrage nach dem Ende früherer Kaufanreize. Eine neue belastbare Eskalation zwischen Trump und Musk als unmittelbarer Tesla-Auslöser ist aktuell nicht belegt.
Tesla bleibt international in einer Übergangsphase. Das Kerngeschäft mit Elektroautos muss sich gegen wachsenden Wettbewerb aus China und Europa behaupten. Gleichzeitig hängt ein großer Teil der Fantasie an Robotaxis, Software und Energiegeschäft. Der Q2-Bericht wird deshalb weniger nur als Stückzahlmeldung gelesen, sondern als Test, ob die Erholung in Europa stark genug ist, um schwächere Trends in Nordamerika auszugleichen. Entscheidend bleibt, ob Tesla aus höheren Auslieferungen auch nachhaltige Margen und verlässliche Nachfrage ableiten kann.
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