Traditionsmarke Interlübke meldet Insolvenz an: Möbelhersteller aus Rheda-Wiedenbrück sucht Investor

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der bekannte Möbelhersteller Interlübke aus Rheda-Wiedenbrück ist in ein Insolvenzverfahren geraten. Die Lübke GmbH, das Unternehmen hinter der Premiummarke, hat beim Amtsgericht Bielefeld einen Insolvenzantrag gestellt. Nach übereinstimmenden Berichten wurde Rechtsanwalt Yorck Streitbörger zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Betroffen sind mehr als 100 Beschäftigte am Standort in Ostwestfalen. Der Geschäftsbetrieb soll zunächst weiterlaufen, parallel wird nach einem Investor gesucht.

Betrieb in Rheda-Wiedenbrück läuft vorerst weiter

Für die Beschäftigten und Kunden ist vor allem entscheidend, dass die Insolvenz nicht automatisch das Ende der Produktion bedeutet. Nach Angaben aus dem Umfeld des Verfahrens soll der Betrieb im Werk in Rheda-Wiedenbrück vorerst fortgeführt werden. Damit bleibt zunächst offen, ob Interlübke über einen Investor oder eine Sanierungslösung stabilisiert werden kann. Das Verfahren betrifft die Lübke GmbH, die hinter der Marke Interlübke steht. Laut Berichten ist der Antrag beim Amtsgericht Bielefeld unter dem Aktenzeichen 43 IN 321/26 registriert.

Stark gestiegene Kosten setzen Interlübke unter Druck

Als wesentlicher Auslöser der finanziellen Schieflage werden stark gestiegene Kosten genannt. Nach Angaben von Mitgesellschafter Ralf Oehmke gegenüber der „WirtschaftsWoche“ habe insbesondere die jüngste Entwicklung bei den Energiepreisen das Unternehmen getroffen. Das Werk in Rheda-Wiedenbrück wird demnach noch mit Öl beheizt. Zusätzlich hätten sich Transportkosten sowie Preise für Holz und Lacke erhöht. Diese Belastungen treffen eine Branche, in der viele Hersteller ohnehin mit zurückhaltender Nachfrage kämpfen.

Möbelbranche seit Jahren in schwierigem Umfeld

Die Insolvenz von Interlübke steht nicht isoliert. Die Möbelindustrie leidet seit längerer Zeit unter einer schwachen Konsumstimmung. Viele Verbraucher verschieben größere Anschaffungen, weil Energiepreise, Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit die Haushaltsbudgets belasten. Hinzu kommt ein Sondereffekt aus der Corona-Zeit: Während der Pandemie hatten viele Haushalte in Einrichtung, Homeoffice und Wohnen investiert. In Teilen des Marktes ist dieser Bedarf inzwischen gedeckt. Für Premiumhersteller wie Interlübke wird es dadurch schwieriger, steigende Kosten vollständig an Kunden weiterzugeben.

Eine Marke mit langer Geschichte

Interlübke gehört zu den traditionsreichen Namen der deutschen Möbelbranche. Die Brüder Leo und Hans Lübke gründeten das Unternehmen 1937 im westfälischen Wiedenbrück. Ursprünglich spezialisierte sich der Betrieb auf polierte Schlafzimmermöbel mit Schränken, Kommoden und Betten. Später entwickelte sich Interlübke zu einer Marke für hochwertige System- und Designmöbel. Nach eigenen Angaben steht das Unternehmen heute für Betten, Kommoden, Raumtrenner, Regale, Schränke und Sideboards im gehobenen Segment.

Nicht die erste Krise des Unternehmens

Für Interlübke ist es nicht die erste Insolvenz. Bereits 2012 musste das Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. Danach folgten ein Neustart und mehrere Eigentümerwechsel. Die aktuelle Schieflage trifft die Marke in einer Phase, in der das Unternehmen nach Berichten bereits an einer Stabilisierung gearbeitet hatte. Ob dieser Kurs im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens fortgeführt werden kann, hängt nun maßgeblich von der Investorensuche und der weiteren Entwicklung der Kosten ab.

Bedeutung über Ostwestfalen hinaus

Interlübke ist nicht nur ein lokaler Arbeitgeber im Kreis Gütersloh, sondern auch Teil der Möbelregion Ostwestfalen. Rheda-Wiedenbrück und die umliegende Region sind seit Jahrzehnten eng mit der Möbelindustrie verbunden. Die Insolvenz eines bekannten Premiumherstellers zeigt deshalb auch, wie stark selbst etablierte Marken unter Druck geraten können, wenn schwache Nachfrage, hohe Produktionskosten und teure Vorleistungen zusammenkommen. Für die mehr als 100 Beschäftigten geht es nun vor allem um die Frage, ob sich schnell eine tragfähige Fortführungslösung findet.

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