Valie Export: Kunstpionierin gestorben

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Valie Export ist tot. Die legendäre österreichische Medien- und Performancekünstlerin starb am Donnerstag, dem 14. Mai 2026, in Wien im Alter von 85 Jahren — wenige Tage vor ihrem 86. Geburtstag am 17. Mai. Das bestätigte die VALIE EXPORT Foundation der Austria Presse Agentur. Mit ihrem Tod verliert die internationale Kunstwelt eine der einflussreichsten Stimmen der feministischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts.

Valie Export: Von Linz zur Weltbühne der Gegenwartskunst

1940 als Waltraud Lehner in Linz geboren, zog sie 1960 nach Wien und fand schnell Anschluss an avantgardistische Künstlerkreise — die Wiener Gruppe, den Art Club und den Strohkoffer. Ihren Künstlernamen VALIE EXPORT — stets in Versalien geschrieben — wählte sie 1966 als bewusstes Statement gegen bürgerliche Normen und patriarchalische Namenskonventionen. Schon die Wahl des Namens war ein künstlerischer Akt: Das Wort EXPORT sollte auf die Vermarktbarkeit und Objektivierung der Frau verweisen. Mit ihren provokanten Performances, Filmen und Medienprojekten etablierte sie sich als eine der zentralen Figuren der internationalen Kunstwelt. Ab 1991 lehrte sie an der Hochschule der Künste Berlin, wo sie zeitweise auch das Amt der Vizepräsidentin innehatte. Von 1995 bis 2005 war sie Professorin für Multimedia-Performance in Köln. Für ihr Lebenswerk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Oskar-Kokoschka-Preis (2000) und das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (2005).

Tapp und Tastkino: Das berühmteste Werk von Valie Export

Ihr wohl bekanntestes und meistdiskutiertes Werk ist das Tapp und Tastkino aus dem Jahr 1968. Bei dieser Straßenperformance trug Export eine spezielle Vorrichtung — zunächst aus Styropor, später aus Aluminium — vor ihrer nackten Brust, die einem Miniaturkino nachempfunden war. Ihr Kollaborationspartner Peter Weibel lud Passanten dazu ein, ihre Hände in das Kino einzuführen. Das Werk gilt als Meilenstein des Expanded Cinema und des feministischen Aktivismus: Export setzte ihren Körper bewusst als Medium ein — nicht als passives Objekt eines voyeuristischen Blicks, sondern als selbstbestimmtes künstlerisches Statement gegen die Darstellung der Frau in den Massenmedien. Das Tapp und Tastkino ist heute Teil der Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York und zählt zu den meistdiskutierten Performances der Kunstgeschichte. Ähnlich radikale Positionen zeitgenössischer Kunst finden sich auch im Münsteraner Kunstraum Speicher II, der immer wieder neue Impulse setzt.

Feministische Pionierin: Valie Exports bleibende Bedeutung

Valie Export war nicht nur Künstlerin, sondern auch feministische Theoretikerin und Filmemacherin. Sie verstand ihre Arbeit stets als gesellschaftlichen Diskurs: Kunst sollte aufrütteln, Normen hinterfragen und Machtverhältnisse sichtbar machen. Ihre Werke thematisierten die Objektivierung des weiblichen Körpers, Mediengewalt und gesellschaftliche Rollenbilder — lange bevor diese Themen in der Breite der Gesellschaft ankamen. Export gehörte zu den Vorreiterinnen einer Generation von Künstlerinnen, die den feministischen Aktivismus der 1970er und 1980er Jahre prägten und damit den Boden bereiteten für heutige Debatten über Gleichstellung und Repräsentation. Gerade anlässlich des Internationalen Frauentags 2026 in Münster wurde deutlich, wie lebendig das Erbe feministischer Kunstpionierinnen wie Export bis heute ist.

Österreich trauert um Valie Export

Die VALIE EXPORT Foundation reagierte tief bewegt auf die Todesnachricht: Österreich verliere eine herausragende Künstlerin und außergewöhnliche Persönlichkeit. Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte die Verstorbene und betonte, Österreich verliere eine unbeugsame Pionierin und eine Ikone der Freiheit — eine Künstlerin, die sich selbst erschaffen habe. Auch aus der Politik kamen Beileidsbekundungen: Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer bezeichnete Export als außerordentliche Künstlerin von internationalem Rang, die Kunst stets als gesellschaftlichen Diskurs verstanden habe. Kunstinstitutionen weltweit würdigten ihr Lebenswerk. Die Nachricht reiht sich in eine Reihe von Abschieden von Kunst-Ikonen ein — zuletzt war mit Timm Ulrichs der Münsteraner Konzeptkünstler gestorben, der wie Export die Grenzen zwischen Kunst und Leben radikal auflöste.

Quellen: ORF, APA, Salzburger Nachrichten, heute.at, MoMA New York, VALIE EXPORT Foundation

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