
Die neue Tankstellen 12-Uhr-Regel sollte Autofahrenden mehr Klarheit bringen. Doch eine Datenanalyse des SWR legt nahe, dass zahlreiche Tankstellen in Deutschland ihre Preise weiterhin außerhalb des erlaubten Zeitfensters erhöhen. Nach Angaben des SWR Data Labs wurden in den ersten drei Aprilwochen rund 60.000 mutmaßlich illegale Preissteigerungen festgestellt. Betroffen sein sollen etwa 3.800 Tankstellen. Bei rund 15.000 Tankstellen bundesweit entspricht das ungefähr jeder vierten Station.
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen in Deutschland ihre Kraftstoffpreise nach Angaben des SWR nur noch um 12 Uhr erhöhen. Die neuen Preise müssen bis 12:05 Uhr an die Markttransparenzstelle gemeldet werden. Ziel der Regelung ist mehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher. Die SWR-Auswertung zeigt jedoch zahlreiche Erhöhungen außerhalb des Zeitfensters von 11:55 bis 12:05 Uhr. Grundlage der Analyse sind Preisdaten aller gemeldeten und aktiven Tankstellen in Deutschland. Der Beobachtungszeitraum reicht vom 1. April bis zum 21. April 2026 um 15:55 Uhr.
Die mutmaßlichen Verstöße verteilen sich laut SWR nicht gleichmäßig, sondern zeigen sehr unterschiedliche Muster. Eine Tankstelle in NRW soll seit dem 2. April regelmäßig um 10:30 Uhr alle Kraftstoffpreise um 15 Cent angehoben haben. Zwei weitere Tankstellen sollen ihre Preise ausschließlich kurz vor oder während typischer Pendlerzeiten erhöht haben, also zwischen 6 und 9 Uhr oder zwischen 15 und 18 Uhr. Solche Tankstellen Preissteigerungen könnten nach Einschätzung des SWR die Transparenz für Autofahrende schwächen und den Wettbewerb verzerren.
Armand Zorn, SPD-Fraktionsvize und Leiter der Spritpreise-Taskforce der Bundesregierung, bewertet die Ergebnisse der SWR-Recherche als besorgniserregend. Er fordert die zuständigen Behörden zum Handeln auf. Auch der ADAC sieht möglichen Handlungsbedarf. Eine Sprecherin des Automobilclubs erklärte laut SWR, Verstöße müssten sanktioniert werden, sofern sich die Analyse bestätige. Das Bundeskartellamt, zu dem auch die Markttransparenzstelle gehört, verweist demnach auf die Verantwortung der Länderbehörden. Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz erklärten laut SWR, die Zuständigkeit für die Ahndung möglicher Verstöße sei noch nicht geklärt.
Mit der Tankstellen 12-Uhr-Regel sollten Autofahrende davon ausgehen können, dass Kraftstoffpreise im Tagesverlauf nur noch sinken. Genau dieses Prinzip wäre gefährdet, wenn sich die vom SWR ermittelten Auffälligkeiten bestätigen. Die Datenanalyse deutet darauf hin, dass die praktische Umsetzung der Regel bereits wenige Wochen nach Inkrafttreten erhebliche Probleme aufwirft. Der SWR verweist darauf, dass sein Data Lab täglich mehr als 1,5 Millionen Preisdaten verarbeitet. Die Rohdaten stammen vom zugelassenen Verbraucherinformationsdienst 123tanken, die Auswertung erfolgte nach SWR-Angaben unabhängig durch das datenjournalistische Team.
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