BDI erhöht den Druck auf die Bundesregierung vor dem Sommer

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Foto: Marina Constantinoiu

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Der Bundesverband der Deutschen Industrie macht beim Thema Reformen Tempo und fordert von der Bundesregierung ein umfassendes Maßnahmenpaket noch vor dem Sommer. Aus Sicht des Verbands reicht es nicht aus, große staatliche Investitionsprogramme anzukündigen, wenn grundlegende Strukturprobleme weiter ungelöst bleiben. Im Mittelpunkt der Kritik steht vor allem das fehlende Tempo bei Entscheidungen, die Unternehmen entlasten und Investitionen wieder attraktiver machen sollen.

Industrie pocht auf Strukturreformen statt nur auf staatliche Milliarden

Der BDI verbindet seine Forderungen ausdrücklich mit der Debatte über das 500-Milliarden-Sondervermögen, das der Bundestag vor einem Jahr für Infrastruktur und Klimaschutz beschlossen hatte. Der Verband hatte dieses Paket demnach nur unter der Bedingung mitgetragen, dass es von tiefgreifenden Reformen begleitet wird. Genau daran fehlt es aus Sicht der Industrie bislang.

BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner fordert deshalb ein umfassendes Reformpaket noch vor dem Sommer. Der Zeitraum sei knapp, zugleich aber entscheidend. Der Verband vertritt die Position, dass staatliches Geld seine Wirkung nur dann entfalten kann, wenn parallel die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessert werden. Gemeint sind damit vor allem Maßnahmen, die Wachstum anschieben, Investitionen erleichtern und die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärken.

Besonders deutlich wird der BDI bei den Sozialversicherungen. Dort sieht der Verband Handlungsbedarf, um die Lohnzusatzkosten zu begrenzen. Nach Ansicht der Industrie steigen die Belastungen für Unternehmen und Beschäftigte an einem Punkt, der wirtschaftliche Dynamik eher abbremst als fördert. Hinzu kommen Forderungen nach flexibleren Arbeitsmärkten, einer stärkeren Erwerbsbeteiligung von Älteren und Frauen sowie einer Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung. Auch eine Senkung der Körperschaftsteuer ab 2026 steht auf der Liste der Reformwünsche.

Schwache Konjunktur und hohe Energiepreise verschärfen den Ton

Dass der Ton des Verbands schärfer geworden ist, hängt auch mit der wirtschaftlichen Lage zusammen. Nach dem Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar sind die Preise für Öl und Gas deutlich gestiegen. Gleichzeitig rechnen führende Forschungsinstitute laut dpa nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,6 Prozent im Jahr 2026. Für viele Unternehmen verschlechtert sich damit das Umfeld zusätzlich. Investitionen werden zurückgestellt, Entscheidungen verschoben und Planungen unsicherer.

Aus Sicht des BDI trifft das auf einen Standort, der ohnehin bereits mit strukturellen Problemen zu kämpfen hat. Gönner verweist vor allem auf das knapper werdende Arbeitskräfteangebot. Wenn weniger Personal verfügbar ist, verlieren auch staatliche Investitionsprogramme an Wirkung, weil Unternehmen Projekte nicht in dem Tempo umsetzen können, das politisch gewünscht ist. Der Verband fordert deshalb nicht nur mehr öffentliches Geld, sondern vor allem Reformen, die Arbeitskosten senken und die Produktivität erhöhen.

Die Bundesregierung hat Reformen bei Gesundheit, Pflege und Rente bereits angekündigt. Auch für mögliche milliardenschwere Einsparungen im Gesundheitswesen liegen demnach Vorschläge einer Expertenkommission vor. Offen ist allerdings weiterhin, wie etwa eine Einkommensteuer-Reform gegenfinanziert werden könnte. Genau an diesem Punkt wächst der Druck auf die Koalition, konkrete Entscheidungen nicht weiter aufzuschieben.

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Koalition steht unter Druck, soll aber gemeinsam liefern

Trotz der deutlichen Kritik schlägt der BDI nicht nur warnende Töne an. Gönner äußerte sich zugleich vorsichtig optimistisch mit Blick auf die Zusammenarbeit in der Bundesregierung. In den vergangenen Wochen habe sie dort einen echten Willen zur Kooperation wahrgenommen. Entscheidend werde nun aber sein, ob aus diesem politischen Willen auch konkrete Beschlüsse werden.

Der Verband macht deutlich, dass die Regierung nur dann Ergebnisse liefern kann, wenn sie geschlossen handelt und Reformen nicht in parteipolitischen Auseinandersetzungen stecken bleiben. Gefordert ist aus Sicht der Industrie ein gemeinsamer Kurs, der über einzelne Lagerinteressen hinausgeht. Gerade weil die wirtschaftliche Lage angespannt ist, wächst die Erwartung, dass die Koalition schnell Entscheidungen trifft.

Der politische Druck ist ohnehin hoch. Laut dem jüngsten ARD-Deutschlandtrend sind nur noch 15 Prozent der Menschen in Deutschland mit der Bundesregierung zufrieden. Für die Koalition bedeutet das, dass wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit nicht nur für Unternehmen, sondern auch politisch immer wichtiger wird. Der BDI nutzt diesen Moment, um seine Forderungen mit Nachdruck zu platzieren und auf schnelle Reformschritte zu drängen.

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