
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat am Montag, dem 4. Mai 2026, die griechische Hauptstadt Athen besucht. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Vertiefung der bilateralen Beziehungen, eine engere Rüstungskooperation sowie die gemeinsame Positionierung in der europäischen Sicherheitspolitik. Wadephul betonte dabei die besondere Bedeutung Griechenlands als strategischen Anker im Süden Europas – ein klares Signal, dass Berlin die Rolle Athens innerhalb von NATO und EU stärker würdigen will.
In Athen traf Wadephul mit dem griechischen Außenminister Jorgos Gerapetritis zusammen. Neben den bilateralen Themen standen die Unterstützung der Ukraine, die Stabilität im östlichen Mittelmeer sowie die Zukunft der europäischen Verteidigung auf der Tagesordnung.
Ein zentrales Thema des Besuchs war die geplante engere Rüstungskooperation zwischen Deutschland und Griechenland. Laut Berichten des Handelsblatts möchte Deutschland gezielt in die verteidigungspolitische Partnerschaft investieren. Griechenland ist ein NATO-Mitglied mit erheblichen Streitkräften und einer strategisch wichtigen Lage im östlichen Mittelmeerraum – unmittelbar an der Flanke zu einem zunehmend instabilen Nahen Osten.
Der Besuch findet in einer Zeit statt, in der Europa seine Verteidigungsausgaben massiv erhöht und die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren versucht. Nachdem Washington signalisiert hat, seinen Truppenabzug aus Deutschland schrittweise fortzusetzen, sucht Berlin nach verlässlichen Partnern innerhalb der EU. Griechenland, mit seiner gut ausgebauten Militärinfrastruktur und seiner Erfahrung in der NATO-Ostflanke, kommt dabei eine Schlüsselrolle zu – mehr zu den transatlantischen Spannungen im Überblick in unserem Artikel zum US-Truppenabzug aus Deutschland.
Griechenland und Deutschland waren sich beim Thema Ukraine einig: Beide Länder betonen weiterhin die Notwendigkeit, Kiew militärisch und politisch zu unterstützen, bis ein dauerhafter und gerechter Frieden erreicht ist. Wadephul bekräftigte Deutschlands Engagement und sieht in der engen Abstimmung mit Athen einen wichtigen Baustein für eine kohärente europäische Außenpolitik.
Ein weiteres Thema war die Stabilität im östlichen Mittelmeerraum, wo Griechenland mit der Türkei in anhaltenden Spannungen steht. Deutschland unterstützt hier die Rolle der EU als Vermittler und setzt auf Dialog statt Konfrontation. Auch die EU-Erweiterung – insbesondere die Westbalkan-Staaten – wurde besprochen: Beide Seiten befürworten eine glaubwürdige europäische Erweiterungsperspektive als Instrument zur Stabilisierung der Region.
Energiepolitisch ist Griechenland für Deutschland nach dem Abbruch der russischen Gasversorgung ein wichtiger Partner geworden: Als Transitland für Flüssiggas aus dem östlichen Mittelmeer und als potenzielle Drehscheibe für grünen Wasserstoff hat Athen erhebliches strategisches Gewicht.
Neben den zukunftsorientierten Themen blieb auch das ungelöste Kapitel der deutschen Besatzungszeit in Griechenland präsent. Griechische Medien und Historiker erinnerten zum Anlass des Besuchs an neue Fotos, die die Erschießung von 200 Kommunisten in einem Athener Vorort durch deutsche Besatzer dokumentieren. Die Frage nach Reparationszahlungen ist zwischen beiden Ländern bis heute formal nicht abgeschlossen – eine offene Wunde in den bilateralen Beziehungen.
Wadephul äußerte sich bei seinem Besuch zurückhaltend zu diesem Thema. Die deutsche Position, dass die Reparationsfrage nach dem Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 abgeschlossen sei, stößt in Griechenland nach wie vor auf Unverständnis. Politisch bleibt das Thema ein Tabu, das immer dann auftaucht, wenn hochrangige deutsche Politiker in Athen zu Gast sind.
Für den weiteren Kontext der deutschen Außenpolitik sei auch auf unsere Berichterstattung zum NATO-Signal nach der Iran-Eskalation verwiesen, das zeigt, wie eng die europäische Sicherheitspolitik derzeit mit globalen Entwicklungen verknüpft ist.
Der Besuch Wadephuls in Athen sendet ein klares diplomatisches Signal: Deutschland sieht Griechenland nicht mehr nur als einen EU-Problempartner der Schuldenkrise, sondern als einen vollwertigen strategischen Partner. Die angestrebte Rüstungskooperation, das gemeinsame Engagement für die Ukraine und die Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen legen das Fundament für eine neue Qualität in den deutsch-griechischen Beziehungen.
In einer Zeit, in der Europa gezwungen ist, mehr sicherheitspolitische Eigenverantwortung zu übernehmen, wird die Achse Berlin–Athen zunehmend wichtiger. Griechenland, das über eine der größten Streitkräfte Europas verfügt und an der Nato-Südflanke liegt, kann für Deutschland ein unverzichtbarer Partner werden – vorausgesetzt, die historischen Lasten werden nicht dauerhaft ausgeblendet.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu