
Der Prozess im Fall Jessica Mann gegen Harvey Weinstein ist am 15. Mai 2026 erneut ohne Urteil geendet: Richter Curtis Farber in New York erklärte einen Mistrial, nachdem die Geschworenen nach drei Beratungstagen zu keinem einstimmigen Beschluss gelangen konnten. Es war bereits das zweite Mal binnen eines Jahres, dass eine Jury in diesem Verfahren scheiterte. Jessica Mann, Weinsteins Hauptklägerin in diesem Prozess, sagte zum dritten Mal aus – und betonte ihren Willen, den Kampf um Gerechtigkeit fortzusetzen.
Der Wiederaufnahmeprozess startete im April 2026 und konzentrierte sich auf eine einzige Anklage: Vergewaltigung dritten Grades. Jessica Mann schilderte, dass Weinstein sie im Jahr 2013 in einem Hotelzimmer in New York trotz ihrer Ablehnung sexuell missbraucht haben soll – Vorwürfe, die Weinstein ausdrücklich bestreitet. Er hat alle gegen ihn erhobenen Anschuldigungen stets zurückgewiesen. Mann verbrachte fünf Tage im Zeugenstand, darunter ein mehrtägiges Kreuzverhör durch die Verteidigung. Es war ihr dritter Auftritt vor einer Jury zu diesen Vorwürfen – ein Umstand, den sie nach Medienberichten als außerordentlich belastend beschrieb. Dennoch soll Mann im Vorfeld erklärt haben, sie sei bereit, das Verfahren so oft zu durchlaufen wie nötig, damit Gerechtigkeit geschehen könne.
Nach dem dritten Beratungstag schickte die Jury eine Mitteilung an Richter Farber: Die Geschworenen könnten sich nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen. Das Abstimmungsverhältnis soll laut übereinstimmenden Medienberichten bei neun zu drei für nicht schuldig gelegen haben. Ein Geschworener erklärte anschließend, die Gruppe sei sich uneinig gewesen, wo ausreichend gesicherte Fakten vorgelegen hätten – und nicht genug Beweismaterial sei vorhanden gewesen. Daraufhin erklärte Richter Curtis Farber offiziell den Mistrial. Manhattan District Attorney Alvin Bragg ließ verlauten, die Staatsanwaltschaft sei enttäuscht über den Ausgang und werde die nächsten Schritte in enger Absprache mit Jessica Mann beraten.
Die Staatsanwaltschaft hat nun 30 Tage Zeit zu entscheiden, ob das Verfahren zum vierten Mal aufgerollt werden soll. Eine Anhörung dazu ist für den 24. Juni 2026 beim zuständigen Gericht angesetzt. Ob ein weiterer Prozess politisch und juristisch tragbar ist, bleibt abzuwarten. Ähnlich hartnäckige Debatten um Verantwortlichkeit im Unterhaltungsbereich zeigen sich auch in anderen aktuellen Fällen: Schwere Vorwürfe gegen DJ AVAION führten zuletzt dazu, dass Festivals den Künstler aus ihren Lineups strichen – ein Zeichen, dass die Gesellschaft bei solchen Anschuldigungen zunehmend ohne Gerichtsurteil reagiert.
Der Fall Weinstein gilt als einer der Auslöser der globalen MeToo-Bewegung. 2017 wurden die ersten Berichte über seine angeblichen Übergriffe veröffentlicht – und lösten eine Welle von Offenbarungen aus der Film- und Unterhaltungsbranche aus. Weinsteins ursprüngliche Verurteilung im Jahr 2020 wurde von vielen als historischer Moment für die Bewegung gewertet. Ein New Yorker Berufungsgericht hob dieses Urteil jedoch 2024 aus verfahrensrechtlichen Gründen auf, unabhängig von den eigentlichen Tatvorwürfen. Seitdem wird der Fall neu verhandelt – mit bislang zwei Fehlversuchen der Jury. Für viele Beobachter zeigt der erneute Mistrial, wie schwierig es ist, in solchen Fällen ein strafrechtliches Urteil zu erwirken, auch wenn die gesellschaftliche Debatte längst geführt wurde. Ein Verfahren, das die Hollywood-Branche weiterhin beschäftigt.
Harvey Weinstein, der während des Prozesses wiederholt wegen Gesundheitsproblemen in die Schlagzeilen geraten sein soll, befand sich zum Zeitpunkt des Mistrials in Haft wegen einer früheren, in Kalifornien rechtskräftigen Verurteilung. Der nun erzielte Mistrial ändert daran vorläufig nichts. Ob die Staatsanwaltschaft den Fall in New York ein weiteres Mal vor Gericht bringt, entscheidet sich bis Ende Juni 2026.
Quellen: NPR, CNN, Variety, Washington Post, PBS NewsHour, ABC News, Promiflash, Tagesanzeiger
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