
Nach den schweren Niederlagen der britischen Labour-Partei bei den Kommunalwahlen wächst der Druck auf Premierminister Keir Starmer. Der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting hat seinen Rücktritt aus dem Kabinett mit deutlicher Kritik an der Parteiführung verbunden und angekündigt, bei einer möglichen Wahl um den Labour-Vorsitz anzutreten. Damit wird aus der Unzufriedenheit in Teilen der Partei ein offener Machtkampf.
Streeting zählt zu den prominentesten Figuren des gemäßigten Labour-Flügels. Sein Rückzug aus dem Kabinett ist deshalb mehr als eine persönliche Entscheidung. Er stellt die Autorität des Premierministers infrage und fordert eine inhaltliche Neuaufstellung der Partei. Nach übereinstimmenden Berichten will Streeting antreten, falls es zu einem Führungswettbewerb kommt. Eine reguläre Wahl ist damit aber noch nicht automatisch eröffnet. Dafür müsste Starmer zurücktreten oder ein Herausforderer nach den Parteiregeln ausreichend Unterstützung unter Labour-Abgeordneten sammeln.
Auslöser der Eskalation sind die schwachen Ergebnisse Labours bei den Kommunalwahlen. Die Partei verlor in mehreren Regionen deutlich an Boden. Besonders schwer wiegt, dass Reform UK unter Nigel Farage in klassischen Labour-Gebieten zulegen konnte. Damit steht Starmer nicht nur wegen einzelner politischer Entscheidungen unter Druck, sondern auch wegen der Frage, ob Labour seine soziale und regionale Stammwählerschaft noch erreicht.
Der Aufstieg von Reform UK verändert die britische Parteienlandschaft. Farages Partei profitiert von Unzufriedenheit über Migration, Lebenshaltungskosten, öffentliche Dienstleistungen und das Vertrauen in etablierte Parteien. Für Labour ist das besonders gefährlich, weil Reform UK nicht nur konservative Wähler anspricht, sondern auch in früheren Labour-Hochburgen Resonanz findet. Damit droht Starmer ein politisches Problem, das über kurzfristige Proteststimmung hinausgeht.
Streeting verbindet seine Führungsambitionen mit einer programmatischen Kritik. Er wirft der Parteispitze vor, zu stark zu kontrollieren und zu wenig Raum für neue politische Ideen zu lassen. Auffällig ist auch seine europapolitische Positionierung. Streeting spricht sich für eine deutlich engere Beziehung zur Europäischen Union aus und hält langfristig sogar eine Rückkehr Großbritanniens in die EU für richtig. Das ist politisch riskant, weil die Brexit-Frage im Vereinigten Königreich weiterhin polarisiert.
Trotz der offenen Herausforderung bleibt Starmer vorerst Premierminister und Labour-Chef. Ein Wechsel an der Parteispitze wäre nur über die parteiinternen Verfahren möglich. Entscheidend wird, ob Streeting und andere Kritiker genügend Rückhalt unter Labour-Abgeordneten organisieren können. Auch der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, gilt als möglicher Faktor in einem künftigen Machtkampf, müsste für eine direkte Kandidatur aber wieder im Unterhaus vertreten sein.
Die Krise der Labour-Regierung ist auch international relevant. Großbritannien ist ein zentraler europäischer Partner in Sicherheits-, Handels- und Ukraine-Fragen. Eine geschwächte Regierung in London könnte innenpolitisch stärker mit Führungsfragen beschäftigt sein und außenpolitisch weniger berechenbar wirken. Zugleich zeigt der Erfolg von Reform UK, dass rechtspopulistische Parteien auch nach Regierungswechseln von wirtschaftlicher Unsicherheit und Vertrauensverlust profitieren können.
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