
Die EU-Kommission rechnet für Deutschland 2026 nur noch mit einem schwachen Wirtschaftswachstum. In ihrer Frühjahrsprognose erwartet sie ein Plus des realen Bruttoinlandsprodukts von 0,6 Prozent. Für 2027 geht Brüssel von 0,9 Prozent aus. Damit bleibt die größte Volkswirtschaft Europas auch nach zwei Rezessionsjahren und einem schwachen Jahr 2025 deutlich hinter der erhofften Erholung zurück.
Belastet wird die Konjunktur vor allem durch den neuen Energiepreisschock infolge des Konflikts im Nahen Osten. Nach Darstellung der Kommission steigen Energiepreise, Produktionskosten und Verbraucherpreise deutlich. Das trifft private Haushalte, Unternehmen und Investitionen zugleich. Für die Europäische Union insgesamt erwartet die Kommission 2026 nur noch 1,1 Prozent Wachstum. Die Inflation in der EU soll auf 3,1 Prozent steigen.
Für Deutschland beschreibt die Kommission eine nur allmähliche Erholung. Zwar habe die Wirtschaft Ende 2025 wieder etwas an Schwung gewonnen, auch gestützt durch höhere öffentliche Ausgaben. Dieser Aufschwung sei jedoch durch den Schock aus dem Nahost-Konflikt unterbrochen worden. Höhere Energiepreise schlagen nach Einschätzung der Kommission auf reale Einkommen und Gewinnmargen durch. Dadurch schwächen sich Konsum, Nachfrage und Investitionen ab.
Besonders für private Haushalte ist die Entwicklung spürbar. Die Kommission erwartet, dass die energiegetriebene Inflation die Kaufkraft belastet und die Konsumstimmung drückt. Erst 2027 könnte sich der private Verbrauch wieder stärker entwickeln, wenn Unsicherheit nachlässt und die Realeinkommen wieder anziehen. Auch der Wohnungsbau dürfte sich nach der Prognose verzögern, weil Unsicherheit, Finanzierungskosten und höhere Baukosten zusammenwirken.
Die deutsche Wirtschaft steht nach Einschätzung der EU-Kommission zusätzlich unter strukturellem Druck. Genannt werden schwache Exporte, Konkurrenz aus China, Auswirkungen von US-Zöllen und anhaltende Probleme wichtiger exportorientierter Industrien. Die Ausfuhren sollen nach drei Jahren Rückgang zunächst weitgehend stagnieren. Der Leistungsbilanzüberschuss dürfte sinken, weil Exporte schwächer bleiben und Importe mit der Binnennachfrage zulegen.
Auch der Arbeitsmarkt zeigt Bremsspuren. Die Kommission erwartet für Deutschland 2026 eine Arbeitslosenquote von 4,0 Prozent und 2027 einen leichten Rückgang auf 3,9 Prozent. Beschäftigungsverluste in der Industrie könnten demnach durch Zuwächse in öffentlichen Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheit teilweise ausgeglichen werden.
Für den Euroraum rechnet die EU-Kommission 2026 nur noch mit 0,9 Prozent Wachstum. Zugleich wurde die Inflationsprognose für den Euroraum auf 3,0 Prozent angehoben. Der Ölpreisanstieg auf über 100 Dollar je Barrel und Störungen wichtiger Transportrouten belasten demnach Unternehmen und Haushalte. Die Europäische Zentralbank gerät dadurch stärker unter Druck, weil die Inflation wieder klar über ihrem Zielwert liegt.
Die Kommission betont zugleich, dass der aktuelle Energiepreisschock anders wirkt als die Krise nach Russlands Angriff auf die Ukraine. Europa sei heute weniger abhängig von russischem Pipelinegas, Energie könne global anders umverteilt werden und der Ausbau erneuerbarer Energien dämpfe einen Teil der Belastung. Dennoch rechnet Brüssel damit, dass höhere Energiekosten über Transport, Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungen nach und nach breiter in die Preise eingehen.
Ein stabilisierender Faktor bleibt in Deutschland die Finanzpolitik. Die EU-Kommission erwartet, dass höhere öffentliche Ausgaben, Investitionen und Verteidigungsausgaben das Wachstum stützen. Gleichzeitig steigt dadurch das Staatsdefizit. Für Deutschland prognostiziert die Kommission ein gesamtstaatliches Defizit von 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 und 4,1 Prozent im Jahr 2027. Die Schuldenquote soll von 63,5 Prozent im Jahr 2025 auf 65,8 Prozent 2026 und 68,0 Prozent 2027 steigen.
Damit verschiebt sich der wirtschaftspolitische Zielkonflikt. Höhere staatliche Ausgaben können die schwache Konjunktur abfedern, verschlechtern aber zugleich die Haushaltslage. Für Deutschland bedeutet die Prognose, dass die erhoffte kräftige Erholung zunächst ausbleibt. Das Land wächst weiter, aber nur langsam und unter deutlich verschärften Rahmenbedingungen.
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