
Die Iran Internetsperre, die seit Ende Februar bestand, soll aufgehoben werden. Irans Präsident Masoud Pezeshkian hat die Wiederfreigabe des internationalen Internets angeordnet. Damit rückt nach fast drei Monaten massiver Beschränkungen eine Rückkehr zum weltweiten Netz näher. Die Entscheidung betrifft eines der weitreichendsten digitalen Kontrollsysteme, das Iran seit Beginn der neuen Eskalation mit den USA und Israel eingesetzt hatte.
Unklar blieb zunächst, wann der Zugang tatsächlich wiederhergestellt wird und ob die Öffnung landesweit, vollständig und dauerhaft erfolgt. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass die Anordnung an das Kommunikationsministerium übermittelt wurde.
Nach Angaben iranischer Medien soll Pezeshkian das Kommunikationsministerium angewiesen haben, den internationalen Internetzugang wieder auf den Stand vor Januar 2026 zurückzuführen. Die Entscheidung folgte Berichten zufolge auf Beratungen eines Sonderstabs, der sich mehrheitlich für eine Wiederanbindung Irans an das globale Netz ausgesprochen hatte.
Damit ist die politische Entscheidung zwar getroffen, die praktische Umsetzung aber noch nicht geklärt. Weder technische Details noch ein verbindlicher Zeitplan lagen zunächst vor. Mitte Mai war in iranischen Medien ein möglicher Termin am 5. Juni genannt worden. Eine unabhängige Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.
Die aktuelle Sperre geht auf den 28. Februar 2026 zurück. Nach Beginn der US-amerikanischen und israelischen Angriffe gegen Iran wurde der Zugang zum internationalen Internet erneut weitgehend unterbrochen. Bereits im Januar hatten die Behörden während landesweiter Proteste den Internetzugang massiv eingeschränkt. Im Februar normalisierten sich Verbindungen zeitweise wieder, bevor die neue Sperre begann.
Nach Angaben des Internetobservatoriums NetBlocks konnten die meisten Iraner 87 Tage lang nicht auf das weltweite Netz zugreifen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung konnte die Beschränkungen über teure und technisch anspruchsvolle VPN-Verbindungen umgehen. Für viele Menschen bedeutete die Sperre, dass Kommunikation, internationale Nachrichten, digitale Arbeit und zahlreiche Online-Dienste kaum oder gar nicht erreichbar waren.
Während der Sperre blieb vor allem das staatlich kontrollierte nationale Netz erreichbar. Dieses sogenannte National Information Network bietet iranische Plattformen, Suchdienste, Lernangebote und andere digitale Dienste innerhalb des Landes. Der Zugang zu internationalen Webseiten, sozialen Netzwerken, Messengern und vielen beruflich genutzten Diensten war dagegen stark eingeschränkt.
Iran setzt bereits seit Jahren auf ein eigenes nationales Netz. Auch außerhalb akuter Krisen ist der Zugang zum globalen Internet im Land stark reguliert. Zahlreiche internationale Plattformen und Webseiten sind blockiert oder nur eingeschränkt nutzbar. Die jüngste Sperre ging jedoch deutlich über übliche Filtermaßnahmen hinaus, weil sie den Zugang zum weltweiten Netz für große Teile der Bevölkerung praktisch kappte.
Die zentrale Frage ist nun, wie weit die angekündigte Öffnung tatsächlich reicht. Eine Rückkehr zum Stand vor Januar 2026 würde nicht bedeuten, dass Iran ein freies und unbeschränktes Internet erhält. Schon vor der Sperre gab es umfangreiche Zensur, blockierte Dienste und Einschränkungen bei der Nutzung internationaler Plattformen.
Offen blieb zunächst auch, ob alle Nutzer gleichzeitig wieder Zugang erhalten oder ob die Freigabe schrittweise erfolgt. In den vergangenen Wochen gab es Berichte über bevorzugte Zugänge für bestimmte Gruppen. Solche Modelle würden eine Rückkehr zum globalen Internet zwar technisch ermöglichen, aber weiterhin deutliche Unterschiede beim Zugang schaffen.
Die Internetsperre im Iran steht exemplarisch für den Einsatz digitaler Kontrolle in politischen und militärischen Krisen. Wenn Staaten den Zugang zum globalen Netz kappen, betrifft das nicht nur soziale Medien. Auch Unternehmen, Schulen, Medien, Hilfsorganisationen und Familienkontakte sind betroffen.
Für Iran ist die angekündigte Wiederanbindung deshalb mehr als eine technische Verwaltungsentscheidung. Sie entscheidet darüber, ob Millionen Menschen wieder direkt mit dem Ausland kommunizieren, internationale Informationen abrufen und digitale Dienste nutzen können. Solange der genaue Umfang der Freigabe offen bleibt, bleibt auch unklar, ob die Maßnahme eine echte Normalisierung oder nur eine begrenzte Lockerung bedeutet.
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