
Das Petersburger Internationale Wirtschaftsforum 2026 hat am Mittwoch in St. Petersburg begonnen. Eine große Rede von Wladimir Putin lag am 3. Juni zunächst nicht vor. Nach Angaben aus dem Umfeld des Kremls soll der russische Präsident erst am Freitag, dem 5. Juni, an der zentralen Plenarsitzung teilnehmen und dort seine Grundsatzrede halten. Damit steht der wichtigste politische Moment des Forums noch aus.
Für Russland ist das SPIEF 2026 dennoch bereits zum Auftakt ein wichtiges Schaufenster. Statt westlicher Großinvestoren stehen stärker Partner aus Asien, Afrika, dem Nahen Osten und anderen Regionen im Mittelpunkt. Moskau versucht damit zu zeigen, dass die westlichen Sanktionen die internationale Vernetzung Russlands nicht vollständig unterbrochen haben.
Das Forum findet vom 3. bis 6. Juni im ExpoForum in St. Petersburg statt. Als offizielles Leitmotiv wurde ein pragmatischer Dialog für eine stabile Zukunft ausgegeben. Saudi-Arabien ist in diesem Jahr Gastland. Nach russischen Angaben werden Zehntausende Teilnehmer aus zahlreichen Ländern erwartet. Besonders wichtig sind dabei Staaten, die sich den westlichen Sanktionslinien nicht vollständig angeschlossen haben: darunter China, Indien, Länder aus dem Nahen Osten und afrikanische Staaten.
Russische Vertreter betonten erneut, dass die westlichen Sanktionen aus ihrer Sicht gescheitert seien oder vor allem Europa selbst schadeten. Aus westlicher Sicht ist diese Argumentation nur ein Teil der Realität. Die Sanktionen haben Russlands Zugang zu Technologie, Finanzmärkten und bestimmten Exportmärkten deutlich eingeschränkt. Zugleich konnte Moskau Teile seiner Wirtschaft durch höhere Militärausgaben, Umleitung von Handelsströmen und engere Beziehungen zu nichtwestlichen Partnern stabilisieren.
Unklar blieb zunächst, ob am ersten Tag bereits große verbindliche Abkommen mit internationaler Tragweite unterzeichnet wurden. Mehrere Ankündigungen deuteten jedoch darauf hin, dass Russland besonders in Luftfahrt, Energie, Infrastruktur und Technologie neue Kooperationen vorantreiben will.
Ein wirtschaftlicher Schwerpunkt liegt auf der russischen Industrie und auf Importersatz. Die Vereinigte Flugzeugbaugesellschaft UAC erklärte im Umfeld des Forums, es gebe aus Indien Interesse an russischen Regionalflugzeugen, darunter Il-114-300 und SJ-100. Die russische Luftfahrtbranche steht seit Beginn des Kriegs unter hohem Druck, weil westliche Hersteller, Zulieferer und Leasingunternehmen ihre Zusammenarbeit stark eingeschränkt haben.
Eine unabhängige Bestätigung dafür, dass aus den genannten Gesprächen kurzfristig belastbare Lieferverträge entstehen, lag zunächst nicht vor. Es zeigt jedoch, wie Russland das SPIEF nutzt: Es geht nicht nur um politische Symbolik, sondern auch um konkrete Industrieprojekte, die die Abhängigkeit von westlicher Technik verringern sollen.
Auffällig ist auch die russische Darstellung, dass rund 30 US-Unternehmen am SPIEF 2026 teilnehmen sollen. Für Moskau ist diese Zahl politisch wertvoll, weil sie als Hinweis auf wirtschaftliche Restverbindungen mit den USA genutzt werden kann. Die Teilnahme einzelner Firmenvertreter bedeutet jedoch keine grundsätzliche Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen. Viele westliche Großunternehmen haben Russland seit 2022 verlassen oder ihre Aktivitäten stark reduziert.
Der Ukraine-Krieg bildet den zentralen Hintergrund des Forums. Während Moskau über Investitionen und wirtschaftliche Stabilität spricht, verschärft sich der militärische Konflikt weiter. Für Russland ist das Forum eine Bühne der Gegen-Erzählung: Der Kreml will zeigen, dass der Krieg und die Sanktionen das Land nicht vollständig isoliert haben.
Eine vollständige Bewertung des SPIEF 2026 ist am ersten Tag nicht möglich. Putins wichtigste Rede steht erst am 5. Juni an. Auch die Gesamtzahl und das finanzielle Volumen möglicher Vereinbarungen werden üblicherweise erst zum Abschluss des Forums zusammengefasst. Fest steht bislang: Russland nutzt das Petersburger Wirtschaftsforum 2026, um wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und neue Partner hervorzuheben. Belastbare Großankündigungen hängen jedoch davon ab, was Putin am Freitag sagt.
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