Intel-Aktie springt 10 Prozent nach Bericht über Google-TPU-Auftrag

Intel Aktie – Kursanstieg an der Nasdaq
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Intel-Aktie (NASDAQ: INTC) hat am Montag, 8. Juni 2026, im frühen US-Handel deutlich zugelegt. Auslöser war ein Bericht über einen möglichen Großauftrag von Alphabet-Tochter Google für Intels Auftragsfertigung. Laut The Information soll Google mehr als drei Millionen Tensor Processing Units, kurz TPUs, bei Intel für das Produktionsjahr 2028 bestellt haben. Reuters berichtete ebenfalls über die Meldung. Die Aktie stieg zeitweise um mehr als zehn Prozent und erreichte im Tagesverlauf 111,53 US-Dollar. Damit rückte Intel erneut in den Mittelpunkt der Wette auf eine erfolgreiche Wende im Foundry-Geschäft.

Google-Auftrag wäre Signal für Intels Foundry-Ambitionen

Der mögliche Auftrag gilt als wichtiger Schritt für Intel Foundry. Die Sparte soll Chips nicht nur für Intel selbst, sondern auch für externe Kunden fertigen. Genau in diesem Geschäft dominiert bislang TSMC aus Taiwan. Für Intel wäre Google daher ein Referenzkunde mit besonderem Gewicht. Nach Angaben von The Information hatte Google Intels Fertigungstechnologie über Monate getestet, bevor die Bestellung platziert worden sein soll. Offiziell bestätigt wurde der Auftrag zunächst weder von Intel noch von Alphabet.

Die Größenordnung ist dennoch bemerkenswert. Mehr als drei Millionen TPUs für das Jahr 2028 würden Intel eine planbare Auslastung in einem strategisch wichtigen Segment verschaffen. Für Google wiederum wäre die Zusammenarbeit ein Weg, die Lieferkette für eigene KI-Beschleuniger breiter aufzustellen. Bisher sind große Cloud- und KI-Anbieter in hohem Maß von TSMC-Kapazitäten abhängig. Die Nachfrage nach fortschrittlicher Chipfertigung ist durch den Ausbau von Rechenzentren, generativer KI und spezialisierten Beschleunigern stark gestiegen.

Intel 18A steht im Zentrum der Turnaround-Story

Im Fokus steht Intels 18A-Prozess. Diese Fertigungstechnologie ist zentral für den Versuch des Konzerns, technologisch wieder zu den führenden Auftragsfertigern aufzuschließen. Intel hatte bereits 2024 angekündigt, mit einer erweiterten Foundry-Roadmap bis 2030 zur Nummer zwei im globalen Foundry-Markt aufsteigen zu wollen. Unter CEO Lip-Bu Tan, der seit März 2025 an der Spitze des Konzerns steht, wurde diese Strategie stärker auf Kundenorientierung, Disziplin bei Investitionen und technologische Verlässlichkeit ausgerichtet.

Reuters hatte bereits 2025 berichtet, dass Nvidia und Broadcom Testchips auf Intels 18A-Prozess prüfen. Auch AMD soll die Technologie evaluiert haben. Ein belastbarer Großauftrag eines Hyperscalers wie Google hätte deshalb eine andere Qualität als reine Tests oder Absichtserklärungen.

Nvidia prüft Intel-Technologie weiter

Zusätzliche Fantasie erhielt die Intel Aktie durch Berichte über Nvidia. Laut The Information evaluiert Nvidia Intels Technologie für einen Multi-GPU-Chip, bei dem mehrere Grafikprozessoren in einer Einheit kombiniert werden könnten. Ein Auftrag sei daraus bislang aber nicht entstanden. Für Intel bleibt der Unterschied wichtig: Google soll bereits eine Bestellung platziert haben, Nvidia prüft demnach lediglich die technische Eignung.

Trotzdem ist die Nvidia-Komponente für Anleger relevant. Nvidia ist der wichtigste Profiteur des KI-Booms und zugleich einer der anspruchsvollsten Kunden im Halbleitermarkt. Sollte Intel in einem späteren Schritt auch bei Nvidia eine Rolle in der Fertigung oder beim Packaging spielen, würde das die Wahrnehmung der Foundry-Sparte weiter verändern.

Google baut TPUs als Alternative zu GPUs aus

Googles TPUs sind speziell entwickelte KI-Beschleuniger. Sie werden in Google-Rechenzentren und über Google Cloud für Training und Inferenz von KI-Modellen eingesetzt. Google hatte im April 2026 seine achte TPU-Generation vorgestellt. TPU 8t ist auf Training großer Modelle ausgelegt, TPU 8i auf Inferenz mit niedriger Latenz. Zuvor hatte Google mit Ironwood bereits die siebte TPU-Generation als Beschleuniger für generative KI und Inferenz positioniert.

Der mögliche Intel-Auftrag passt damit in eine breitere Strategie. Google will seine Abhängigkeit von externen GPU-Lieferanten reduzieren und TPUs als leistungsfähige Alternative im eigenen Cloud-Geschäft ausbauen. Reuters hatte bereits berichtet, dass Google TPUs stärker als Alternative zu Nvidias dominierenden Grafikprozessoren vermarktet. Eine zusätzliche Fertigungsquelle bei Intel könnte diese Strategie absichern, falls TSMC-Kapazitäten knapp bleiben oder geopolitische Risiken stärker in die Beschaffungsplanung einfließen.

Aktie hat sich 2026 stark erholt

Die Kursreaktion fällt in ein Umfeld, in dem Intel an der Börse bereits deutlich aufgeholt hat. Ausgehend von einem Kurs von 39,86 US-Dollar Anfang Januar lag die Aktie mit dem aktuellen Stand von 111,53 US-Dollar zuletzt mehr als 170 Prozent im Plus. Die Marktkapitalisierung erreichte rund 566 Milliarden US-Dollar. Der Anstieg zeigt, wie stark Investoren auf eine operative Wende, höhere KI-Nachfrage und eine Wiederbelebung des Foundry-Geschäfts setzen.

Gleichzeitig bleibt die Bewertung anfällig für Enttäuschungen. Intel muss beweisen, dass 18A in großen Stückzahlen, mit stabilen Ausbeuten und zu wettbewerbsfähigen Kosten produziert werden kann. Das Foundry-Geschäft ist kapitalintensiv. Es erfordert langfristige Kundenverträge, hohe technische Zuverlässigkeit und eine Lieferkette, die mit TSMC konkurrieren kann.

Ausblick: Google-Deal erhöht den Druck auf Intel

Für Intel verschiebt der Bericht die Erwartungen. Der Markt bewertet nicht nur die mögliche Umsatzchance im Jahr 2028, sondern vor allem das Signal an weitere Kunden. Wenn Google Intels Technologie nach monatelangen Tests tatsächlich für TPUs nutzt, könnte das auch andere Chipdesigner ermutigen, Intel Foundry genauer zu prüfen. Besonders in den USA wächst der Wunsch nach zusätzlicher heimischer Fertigungskapazität für strategisch wichtige Halbleiter.

Entscheidend bleiben nun drei Punkte: eine offizielle Bestätigung des Auftrags, weitere Details zum konkreten Fertigungsprozess und Hinweise auf zusätzliche Kunden. Solange diese Angaben fehlen, bleibt ein Teil der Kursbewegung erwartungsgetrieben. Der Bericht zeigt aber, warum Intel für Anleger wieder zu einer der wichtigsten Turnaround-Wetten im globalen Halbleitermarkt geworden ist.

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