Brand im Umspannwerk Reutlingen — Polizei prüft Verdacht auf Brandstiftung

Brand Mühlhausen Symbolbild
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Ein nächtlicher Brand im Umspannwerk Reutlingen-West hat am Montag, 8. Juni 2026, einen großflächigen Stromausfall in Reutlingen und umliegenden Gemeinden ausgelöst. Zehntausende Menschen waren zeitweise betroffen. Nach Angaben des Netzbetreibers gibt es Hinweise auf Brandstiftung. Bestätigt ist ein Anschlag bislang nicht. Die Polizei Reutlingen ermittelt in alle Richtungen, auch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg ist eingeschaltet.

Brand im Umspannwerk Reutlingen-West legt Teile der Stadt lahm

Der Brand brach in der Nacht von Sonntag auf Montag im Umspannwerk Reutlingen-West aus. Nach Angaben aus Behörden- und Betreiberkreisen fiel die Anlage gegen 1.43 Uhr beziehungsweise 1.45 Uhr aus. Das Feuer beschädigte nach bisherigen Informationen nicht nur das betroffene Umspannwerk, sondern zog auch eine weitere Anlage in Mitleidenschaft. Die Feuerwehr war mit einem großen Aufgebot im Einsatz. Am frühen Morgen soll der Brand gelöscht gewesen sein.

In der Folge kam es in Reutlingen und in Nachbargemeinden zu massiven Einschränkungen bei der Stromversorgung. Genannt wurden Betzingen, Ohmenhausen, Wannweil und Kirchentellinsfurt. Auch ein Industriegebiet war betroffen. Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck sprach am Montagvormittag von rund 30.000 betroffenen Menschen.

Drei Brandstellen und beschädigter Zaun als wichtige Hinweise

Der Netzbetreiber Netze BW berichtete am Montag von mehreren Auffälligkeiten am Gelände. Es seien drei Brandstellen festgestellt worden. Zudem seien der Zaun und der Bereich vor der Anlage beschädigt gewesen. Diese Spuren gelten nach Angaben des Unternehmens als Hinweise darauf, dass das Feuer gelegt worden sein könnte. Die Polizei behandelt Brandstiftung jedoch weiterhin als Verdacht.

Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Reutlingen betonte, die Ermittlungen liefen in alle Richtungen. Geprüft werde demnach sowohl ein technischer Defekt als auch eine fahrlässige oder vorsätzliche Brandlegung. Spezialisten der Kriminaltechnik und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg untersuchten den Brandort. Nach dpa-Informationen soll zudem ein Brandmittelspürhund eingesetzt worden sein.

Klinikum am Steinenberg zeitweise auf Notstrom angewiesen

Der Stromausfall Reutlingen traf nicht nur Privathaushalte und Betriebe, sondern auch kritische Infrastruktur. Das Klinikum am Steinenberg in Reutlingen war mehrere Stunden betroffen. Nach Angaben der Kreiskliniken wurde das Krankenhaus bis etwa 6 Uhr über ein Notstromaggregat versorgt. Anschließend soll die reguläre Stromversorgung wiederhergestellt gewesen sein.

Trotzdem kam es zu Einschränkungen im Klinikbetrieb. Planbare Operationen wurden vorsorglich bis zum Mittag verschoben. Akute Notfälle konnten nach bisherigen Angaben weiter versorgt werden. Auch Hilfsorganisationen bereiteten sich auf länger andauernde Auswirkungen vor. Das Deutsche Rote Kreuz und der Malteser Hilfsdienst waren mit Einsatzkräften eingebunden. In Pfullingen wurde nach dpa-Angaben ein Einsatzstab im Zentrum für Bevölkerungsschutz eingerichtet.

Verdacht auf linksextremen Hintergrund bleibt unbestätigt

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen soll die Vorgehensweise auf mögliche linksextremistische Täter hindeuten. Auch der Tagesspiegel berichtete über entsprechende Einschätzungen aus Sicherheitskreisen. Dabei soll es Parallelen zu früheren Taten in Berlin geben. Eine offizielle Bestätigung für einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund lag bis zum Stand 17.40 Uhr jedoch nicht vor.

Das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg teilte nach Medienberichten mit, es lägen derzeit keine weiterführenden Erkenntnisse zur mutmaßlichen Brandstiftung vor. Ein Bekennerschreiben sei bislang nicht veröffentlicht worden. Damit bleibt die politische Einordnung vorerst eine Verdachtslage, keine gesicherte Tatsache.

Parallelen zu Berlin und Grünheide werden geprüft

Sicherheitskreise verweisen bei der Einordnung offenbar auf frühere Angriffe auf Strominfrastruktur. Im März 2024 war ein Brandanschlag auf einen Strommast nahe der Tesla-Fabrik in Grünheide verübt worden. Die Produktion des Werks musste damals zeitweise gestoppt werden. Zu der Tat bekannte sich eine als linksextremistisch eingestufte Gruppe.

Auch in Berlin kam es in den vergangenen Jahren zu Angriffen auf Stromanlagen. Das Bundesamt für Verfassungsschutz nennt als Beispiel einen Brandanschlag auf zwei Strommasten am 9. September 2025 im Südosten Berlins. Damals waren mehrere Zehntausend Haushalte und Gewerbebetriebe zeitweise von der Stromversorgung abgeschnitten.

Ermittlungen laufen, Schaden liegt wohl in Millionenhöhe

Der entstandene Schaden wird nach bisherigen Informationen auf mehrere Millionen Euro geschätzt. Wie lange alle Reparaturen dauern, blieb am Montag zunächst unklar. Der Netzbetreiber arbeitete daran, die Stromversorgung Schritt für Schritt wiederherzustellen. Zwischenzeitlich waren weiterhin Tausende Haushalte ohne Strom.

Die Ermittler sichern am Umspannwerk Reutlingen-West weiter Spuren. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob das Feuer technisch verursacht wurde oder ob eine vorsätzliche Brandstiftung vorliegt. Ein Anschlag ist bislang nicht bestätigt. Die Polizei Reutlingen und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg prüfen die Brandursache, mögliche Tatspuren und einen möglichen politischen Hintergrund.

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