
Die Grünen im Bundestag erhöhen kurz vor der Aktionswoche Alkohol den politischen Druck für eine strengere Alkoholpolitik. Die Fraktion hat einen Antrag zur Stärkung der Alkoholprävention vorgelegt. Darin fordert sie ein umfassendes Alkoholpräventionsgesetz, das Kinder und Jugendliche besser schützen und riskanten Konsum reduzieren soll. Der Vorstoß zielt nicht auf ein Alkoholverbot, sondern auf schärfere Regeln für Werbung, Verkauf und Kontrolle. Die Grüne Alkoholpolitik soll laut Fraktion nicht allein über Aufklärung funktionieren, sondern stärker gesetzlich abgesichert werden.
Im Zentrum des Antrags stehen Einschränkungen für Alkoholwerbung. Vorgesehen ist unter anderem ein TV-Werbeverbot für alkoholische Getränke zwischen 6 und 22 Uhr. Zusätzlich sollen Werbeformen verboten werden, wenn sie sich an junge Menschen richten oder besonders jugendaffin wirken. Das betrifft nach dem Antrag Apps, Online-Plattformen, Internetangebote, Printmedien und Außenwerbung. Auch Werbung an Verkaufsstellen des Einzelhandels wird ausdrücklich genannt. Die Grünen begründen diese Linie mit dem Jugendschutz. Alkohol sei in Deutschland gesellschaftlich stark präsent und werde häufig als normaler Bestandteil des Alltags wahrgenommen. Gesundheitsorganisationen kritisieren seit Jahren, dass diese Normalisierung Prävention erschwere.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Abschaffung des sogenannten begleiteten Trinkens. Nach geltender Rechtslage dürfen Jugendliche ab 14 Jahren in Begleitung einer sorgeberechtigten Person Bier, Wein oder Sekt trinken. Die Grünen wollen diese Ausnahme streichen. Damit greifen sie eine Forderung auf, die auch in der gesundheitspolitischen Debatte der Länder seit längerer Zeit eine Rolle spielt. Befürworter einer Abschaffung argumentieren, früher Alkoholkonsum könne Risiken für die weitere Entwicklung erhöhen und problematische Konsummuster begünstigen. Gegner sehr weitgehender Verbote setzen dagegen stärker auf Erziehung, Aufklärung und Verantwortung im Elternhaus. Der Antrag verschiebt den Schwerpunkt klar in Richtung verbindlicherer Schutzregeln.
Neben Werbung und Altersgrenzen geht es den Grünen auch um die Verfügbarkeit von Alkohol im Alltag. Alkoholische Getränke sollen nach dem Antrag nicht mehr frei zugänglich im Kassenbereich von Supermärkten angeboten werden. Dahinter steht die Annahme, dass Impulskäufe reduziert werden können, wenn Alkohol weniger sichtbar und weniger spontan erreichbar ist. Außerdem fordert die Fraktion strengere Alterskontrollen durch Kommunen und klarere Sanktionen bei Verstößen. Damit würde die Durchsetzung bestehender Jugendschutzregeln stärker in den Blick rücken. Gerade im Einzelhandel ist die Kontrolle des Abgabealters ein wiederkehrender Streitpunkt, weil gesetzliche Regeln nur dann wirken, wenn sie im Alltag konsequent überprüft werden.
Der Vorstoß fällt in eine Debatte, die durch aktuelle Zahlen aus der Suchthilfe gestützt wird. Deutschland gilt weiterhin als Land mit hohem Alkoholkonsum. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen verweist im Jahrbuch Sucht 2026 auf einen Pro-Kopf-Konsum von gut zehn Litern reinem Alkohol pro Jahr. Zudem werden jährlich etwa 44.000 Todesfälle in Deutschland mit Alkoholkonsum in Verbindung gebracht. Millionen Erwachsene konsumieren riskante Mengen, ein erheblicher Teil der Krankenhausbehandlungen steht ganz oder teilweise im Zusammenhang mit Alkohol.
Ob die Forderungen politisch mehrheitsfähig werden, ist offen. Der Antrag ist kein Regierungsentwurf und müsste im parlamentarischen Verfahren beraten werden. Gesundheitspolitisch gibt es Unterstützung für strengeren Jugendschutz und mehr Prävention. Aus Wirtschaft, Handel und Teilen der Werbebranche kommt bei Werbeverboten dagegen regelmäßig der Hinweis auf bestehende Regeln, freiwillige Selbstkontrolle und die Bedeutung legaler Werbung für legale Produkte. Auch innerhalb der Politik verläuft die Debatte nicht nur entlang klassischer Parteigrenzen. Beim begleiteten Trinken gibt es über die Grünen hinaus Stimmen, die eine Abschaffung befürworten. Bei umfassenden Werbeverboten dürfte die Auseinandersetzung deutlich kontroverser werden. Die Aktionswoche Alkohol dürfte der Debatte nun zusätzliche Aufmerksamkeit geben.
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