
Die Nokia-Aktie steht am Freitag, 12. Juni 2026, klar im Plus. An der Börse Helsinki notierte der finnische Netzwerkausrüster laut Investing.com bei 12,44 Euro. Gegenüber dem Vortagesschluss von 11,78 Euro entspricht das rechnerisch einem Plus von rund 5,6 Prozent. Die Tagesspanne wurde mit 12,125 bis 12,565 Euro angegeben. Auf Xetra zeigte finanzen.net für die Nokia-Aktie eine Spanne von 12,15 bis 12,53 Euro, bei Geld und Brief um 12,38 bis 12,39 Euro. Damit fällt die aktuelle Bewegung stärker aus als die frühere Momentaufnahme von rund drei Prozent.
Auslöser der Bewegung ist eine neue Einschätzung von JPMorgan. Laut dpa-AFX hat die US-Bank das Kursziel für Nokia von 12 auf 18 Euro angehoben und die Einstufung auf Overweight belassen. Es handelt sich damit nicht um eine neue Rating-Hochstufung, sondern um eine deutliche Anhebung des erwarteten fairen Werts. Analyst Sandeep Deshpande begründete den Schritt mit neuen Kunden unter großen Cloud-Unternehmen und spezialisierten Cloud-Anbietern. Dadurch könne Nokia beim Wachstum den nächsten Gang einlegen. JPMorgan sieht für die Aktie nach dieser Lesart weiterhin erhebliches Aufwärtspotenzial.
Die Neubewertung der Nokia-Aktie hängt stark mit dem Wandel des Konzerns zusammen. Nokia ist nicht mehr der frühere Handyhersteller, sondern ein Ausrüster für Netzwerke, Glasfaser, IP-Infrastruktur, Mobilfunktechnik und zunehmend auch KI-Rechenzentren. Laut Nokia wuchsen die Umsätze mit AI und Cloud-Kunden im ersten Quartal 2026 um 49 Prozent. Zudem verbuchte das Unternehmen in diesem Bereich Aufträge über eine Milliarde Euro. Besonders wichtig ist das Geschäft mit optischen Netzen, weil Rechenzentren für KI-Anwendungen extrem schnelle Datenverbindungen benötigen. Genau dort sieht der Markt inzwischen einen stärkeren Wachstumstreiber als im klassischen 5G-Ausrüstungsgeschäft.
Die jüngsten Quartalszahlen geben der optimistischeren Sicht zusätzlich Nahrung. Laut Nokia stieg der berichtete Umsatz im ersten Quartal 2026 um zwei Prozent auf 4,497 Milliarden Euro. Der vergleichbare Umsatz lag bei 4,5 Milliarden Euro und wuchs währungs- und portfoliobereinigt um vier Prozent. Das vergleichbare operative Ergebnis legte um 54 Prozent auf 281 Millionen Euro zu. Die vergleichbare operative Marge verbesserte sich auf 6,2 Prozent. Der freie Cashflow lag bei 0,6 Milliarden Euro, die Nettoliquidität bei 3,8 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr peilt Nokia weiterhin ein vergleichbares operatives Ergebnis von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro an.
Nokia hat seine Struktur zum Jahresbeginn 2026 vereinfacht. Laut Unternehmensangaben berichtet der Konzern nun im Wesentlichen über Network Infrastructure und Mobile Infrastructure. Network Infrastructure umfasst optische Netze, IP-Netze und Festnetzinfrastruktur. Mobile Infrastructure bündelt Core Software, Radio Networks und Technology Standards, in denen die früheren Nokia Technologies in einer neuen Struktur aufgegangen sind. Das Patent- und Lizenzgeschäft bleibt über Technology Standards wichtig, während Radio Networks das klassische Mobilfunknetzgeschäft abdeckt. Die neue Struktur soll Nokia stärker auf KI-native Netze, 6G und hochleistungsfähige Konnektivität ausrichten.
Im Kerngeschäft bleibt Nokia einem harten Wettbewerb ausgesetzt. Die wichtigsten Rivalen sind Ericsson aus Schweden und Huawei aus China. Laut Dell’Oro Group gehörten Huawei, Ericsson, Nokia, ZTE und Samsung 2025 weiter zu den größten RAN-Anbietern weltweit. Der Markt habe sich stabilisiert, wachse aber nur begrenzt. Für 2026 erwartet Dell’Oro einen weitgehend stabilen RAN-Markt. Das zeigt die Spannung in der Nokia-Story: Das klassische 5G-Geschäft ist kein Selbstläufer, während Investoren stärker auf optische Netze, Cloud-Infrastruktur und den Übergang zu 6G setzen. Nokia selbst verweist auf geplante AI-RAN-Kundentests im Laufe des Jahres 2026 und auf inzwischen zehn öffentlich bekannte Kunden, die daran mitarbeiten.
Auch andere Analysten haben Nokia zuletzt neu bewertet, allerdings nicht einheitlich. Laut Investing.com hob Morgan Stanley das Kursziel im Mai von 11 auf 14 Euro an und bezeichnete Nokia als gut positioniert für steigende Ausgaben von KI- und Cloud-Kunden. Die Deutsche Bank erhöhte ihr Ziel laut MarketScreener von 8,50 auf 13,50 Euro und blieb bei Buy. Barclays hob das Ziel nach den Q1-Zahlen zwar von 5,20 auf 8,00 Euro an, beließ die Einstufung aber auf Underweight. Damit bleibt die Spannbreite groß. finanzen.net weist aktuell vier Kaufempfehlungen, drei Halteempfehlungen und eine Verkaufsempfehlung aus, bei einem durchschnittlichen Kursziel von 10,27 Euro.
Die Nokia-Aktie profitiert derzeit von einer veränderten Wahrnehmung. Der Markt bewertet den Konzern zunehmend nicht nur als klassischen Telekom-Ausrüster, sondern als Infrastrukturwert für KI, Cloud und künftige 6G-Netze. Das erklärt die starke Reaktion auf das neue JPMorgan-Ziel von 18 Euro. Gleichzeitig ist die Aktie nach dem kräftigen Lauf anfälliger für Enttäuschungen. Entscheidend bleibt, ob Nokia die hohe Nachfrage aus dem Cloud- und Rechenzentrumsbereich in dauerhaft steigende Margen umsetzen kann. Die Q1-Zahlen liefern dafür Argumente. Die vorsichtigeren Analystenstimmen zeigen aber, dass die Bewertung nach dem Kursanstieg bereits viel Zukunftshoffnung enthält.
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