
Münster. Das Polizeipräsidium am Friesenring rückt überraschend in den Fokus der Stadtentwicklung. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW hat die Liegenschaft Friesenring 43 offiziell in seine Immobilienangebote aufgenommen. Bis zum 10. September 2026 können Interessenten ihr Kaufinteresse anmelden. Damit kommt Bewegung in eine Fläche, über deren Zukunft in Münster bislang vor allem politisch diskutiert wurde. Noch Anfang 2025 hatte die Stadt erklärt, ihr seien keine konkreten Nachnutzungsüberlegungen des Landes bekannt.
Nach Angaben des BLB besteht die Liegenschaft aus dem Grundstück Flurstück 792 und dem darauf errichteten Behördengebäude. Das Verfahren läuft vom 10. Juni bis zum 10. September 2026. Wer teilnehmen will, muss eine Datenschutz- und Vertraulichkeitserklärung sowie einen Fragebogen einreichen. Erst danach sind eine Objektbesichtigung und weitergehende Informationen möglich. Damit ist noch kein endgültiger Verkauf beschlossen. Das Land prüft zunächst, wer ernsthaftes Interesse an dem Komplex hat und welche Nutzungsperspektiven sich daraus ergeben könnten.
Das Areal liegt verkehrsgünstig am Friesenring, in der Nähe der LWL-Klinik, des LWL-Archivamts und mehrerer Schulen. Die Bushaltestelle „Polizeipräsidium / LWL Klinik“ befindet sich direkt am Gebäude. Nach BLB-Angaben umfasst die Gesamtfläche 13.588 Quadratmeter. Das Hochhaus stammt aus dem Jahr 1961 und hat sechs Geschosse. Weitere Gebäudeteile wurden 1992 und 1995 errichtet. Die Bruttogrundfläche des Polizeigebäudes liegt bei knapp 15.972 Quadratmetern. Aktueller Mieter ist weiterhin die Polizei NRW.
Der Verkaufsimpuls hängt mit dem Neubau des Polizeipräsidiums auf der Loddenheide zusammen. Am Albersloher Weg und Willy-Brandt-Weg entsteht ein neuer Standort für mehr als 1.400 Mitarbeitende. Der Schweizer Baukonzern Implenia plant und baut das Gebäude als Generalunternehmer. Das Auftragsvolumen liegt bei mehr als 200 Millionen Euro. Der Hochbau soll im Sommer 2026 starten und voraussichtlich bis Oktober 2029 abgeschlossen sein. Vorgesehen sind unter anderem Büro- und Laborarbeitsplätze, Wache, Kantine, Trainingsbereiche, Gewahrsam und Tiefgarage.
Eine zentrale Frage bleibt offen: Was passiert mit der Polizeiwache am Friesenring? Die Stadt Münster schrieb im Februar 2025, nach damaligem Kenntnisstand werde der Erhalt der Wache am Standort Friesenring geprüft. Demnach würden nur die mit dem Polizeipräsidium verbundenen Nutzungen zur Loddenheide verlagert. Was anschließend mit den leergezogenen Gebäudeteilen und dem Gesamtstandort passiert, sei offen. Genau diese Unsicherheit macht das neue Interessenverfahren politisch brisant.
Die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Münster-Mitte hatte bereits 2025 nach der Zukunft des Areals gefragt. In der Anfrage wurden gemeinwohlorientierte Nutzungen, Kinderbetreuung, Bildungsangebote und preiswerter Wohnraum in innerstädtischer Lage als mögliche Perspektiven genannt. Die Stadt antwortete damals, es gebe keine konkreten Planungen. Zugleich kündigte die Verwaltung an, bei möglichen Nachnutzungskonzepten gemeinbedarfsorientierte Nutzungen prioritär prüfen zu wollen.
Für mögliche Käufer ist das Grundstück nicht ohne offene Punkte. Der BLB weist auf einen Altlastenverdacht hin. Das Grundstück ist im städtischen Altlastenverdachtskataster unter der Nummer 331 erfasst. Hintergrund ist eine frühere Eigenverbrauchertankanlage. Planungsrechtlich liegt das Areal im Geltungsbereich des Bebauungsplans Nr. 2 „Friesenring“. Der Flächennutzungsplan weist die Fläche als Gemeinbedarfsfläche mit Schwerpunkt Verwaltung aus. Für eine andere Nutzung könnten daher weitere planungsrechtliche Schritte nötig werden.
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