
Die TSMC-Aktie geht Anfang Juli mit hohen Erwartungen in die nächste Berichtssaison. Der in den USA gehandelte ADR von Taiwan Semiconductor Manufacturing lag im zuletzt verfügbaren Datensatz bei 434,16 US-Dollar. Die in Taiwan notierte Aktie 2330.TW schloss am 3. Juli bei 2.445 Taiwan-Dollar. Der nächste wichtige Termin ist der 16. Juli 2026. Dann will TSMC die Zahlen für das zweite Quartal vorlegen.
Die bisher vorliegenden Unternehmensdaten bestätigen die starke Geschäftsdynamik. Im ersten Quartal 2026 erzielte TSMC einen Umsatz von 35,90 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn lag bei 572,48 Milliarden Taiwan-Dollar, das verwässerte Ergebnis je Aktie bei 22,08 Taiwan-Dollar. Die Bruttomarge erreichte 66,2 Prozent, die operative Marge 58,1 Prozent. Besonders wichtig für die Einordnung ist der Technologiemix: 3-Nanometer-Produktion stand für 25 Prozent des Wafer-Umsatzes, 5 Nanometer für 36 Prozent und 7 Nanometer für 13 Prozent. Damit kamen 74 Prozent des Wafer-Umsatzes aus 7-Nanometer-Technologien oder noch fortschrittlicheren Prozessen.
Auch der aktuellste offizielle Monatsbericht spricht für eine weiter hohe Auslastung. Im Mai 2026 meldete TSMC einen konsolidierten Umsatz von rund 416,98 Milliarden Taiwan-Dollar. Das waren 1,5 Prozent mehr als im April und 30,1 Prozent mehr als im Mai 2025. Für Januar bis Mai summierte sich der Umsatz auf 1.961,80 Milliarden Taiwan-Dollar, ein Plus von 30,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Der Kern des Anlegerinteresses bleibt die Nachfrage nach KI-Chips und Hochleistungsrechnern. Im ersten Quartal entfielen 61 Prozent des TSMC-Umsatzes auf die Plattform HPC, zu der Hochleistungsrechner und KI-Anwendungen zählen. Smartphones kamen auf 26 Prozent. Reuters verweist zudem darauf, dass Taiwan über TSMC eine zentrale Rolle in der Lieferkette für Unternehmen wie Nvidia und Apple spielt. Konkrete öffentliche Auftragsvolumina dieser einzelnen Kunden nennt TSMC in seinen Finanzunterlagen jedoch nicht.
Für das zweite Quartal stellt TSMC einen Umsatz zwischen 39,0 und 40,2 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Die Bruttomarge soll nach Unternehmensprognose zwischen 65,5 und 67,5 Prozent liegen, die operative Marge zwischen 56,5 und 58,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Management ein Umsatzwachstum von mehr als 30 Prozent in US-Dollar. Zudem soll das Investitionsbudget 2026 am oberen Ende der Spanne von 52 bis 56 Milliarden US-Dollar liegen. Begründet wird dies mit hoher Nachfrage nach KI- und HPC-Anwendungen.
Die Analystenseite ist überwiegend positiv, aber die Kursziele gehen auseinander. Nach Daten von MarketBeat liegt das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel für den US-ADR bei 449,38 US-Dollar. Die Auswertung nennt zwei starke Kaufempfehlungen, zwölf Kaufempfehlungen und zwei Halteempfehlungen. Einzelne Häuser liegen deutlich darüber: Barclays hob sein Kursziel zuletzt auf 625 US-Dollar an, Aletheia Capital nannte 700 US-Dollar. Solche Einzelziele sind jedoch keine Konsensschätzung und sollten nicht mit einer belastbaren Prognose verwechselt werden.
Neben Wachstum und Margen bleibt das geopolitische Risiko ein zentraler Bewertungsfaktor. Ein EU-finanzierter Bericht, über den Reuters berichtete, nennt unter anderem chinesische Exportkontrollen und das Risiko eines Konflikts in der Taiwanstraße als Bedrohungen für die globale Chipversorgung. TSMC baut zwar seine US-Präsenz aus. Das Unternehmen hatte bereits 2025 angekündigt, die Investitionen in den USA auf insgesamt 165 Milliarden US-Dollar ausweiten zu wollen. TSMC-Chef C.C. Wei sagte im Juni jedoch, es werde sehr lange dauern, den Bedarf amerikanischer Kunden vollständig aus US-Produktion zu bedienen.
Für Juli kommt es vor allem auf drei Punkte an: ob TSMC die hohe Umsatzdynamik im zweiten Quartal bestätigen kann, ob die Margen trotz Auslandsinvestitionen und 2-Nanometer-Anlauf stabil bleiben und ob die Nachfrage nach KI-Kapazitäten weiter über dem verfügbaren Angebot liegt. Die Aktie ist damit weniger eine klassische Halbleiter-Wette als ein Gradmesser für die globale KI-Infrastruktur. Gleichzeitig ist das Papier nach der starken Kursentwicklung anfällig für Gewinnmitnahmen, Bewertungsdebatten und politische Risikosignale aus dem Taiwan-Umfeld.
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