WhatsApp will die Telefonnummer im Erstkontakt verbergen

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Grzegorz Walczak

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WhatsApp bereitet eine weitreichende Änderung bei der Kontaktaufnahme vor. Nutzer sollen künftig über einen selbst gewählten Namen erreichbar sein, ohne beim ersten Kontakt zwingend ihre Telefonnummer offenzulegen. Meta hat die Reservierung der Nutzernamen am 29. Juni gestartet. Die Funktion selbst soll schrittweise im Laufe des Jahres freigeschaltet werden. In Indien, dem größten WhatsApp-Markt, gibt es bereits Widerstand der Behörden. Die Debatte zeigt, wie eng Datenschutz, Betrugsbekämpfung und staatliche Plattformkontrolle inzwischen miteinander verbunden sind.

Nutzer können Namen bereits reservieren

Nach Angaben von Meta können Nutzer in der aktuellen WhatsApp-Version unter Einstellungen, Konto und Benutzername einen Namen reservieren. Dieser Name soll später genutzt werden können, um neue Kontakte herzustellen, ohne die Telefonnummer sofort sichtbar zu machen. WhatsApp spricht von einem optionalen Schutz für den Erstkontakt. Die Einführung soll nach Ländern gestaffelt erfolgen. Nutzer sollen innerhalb der App informiert werden, sobald die Funktion in ihrem Land verfügbar ist. Eine öffentliche Suche nach Nutzernamen soll es nach Metas Darstellung nicht geben.

Warum die Änderung für WhatsApp wichtig ist

Bisher ist WhatsApp stark an Telefonnummern gebunden. Wer eine Person neu kontaktieren will, braucht in der Regel ihre Nummer. Das ist praktisch, aber datenschutzrechtlich sensibel, weil Telefonnummern häufig auch mit Bankkonten, Kundenkonten, Zwei-Faktor-Codes oder beruflichen Profilen verknüpft sind. Mit Nutzernamen nähert sich WhatsApp anderen Kommunikationsplattformen an, behält aber nach eigenen Angaben den privaten Charakter der App bei. Wer jemanden anschreiben will, soll den exakten Nutzernamen kennen müssen. Zusätzlich nennt Meta einen optionalen Schlüssel, der neue Kontaktaufnahmen weiter begrenzen soll.

Indien prüft Risiken durch Anonymität

Der geplante Rollout hat in Indien eine politische Dimension bekommen. Reuters berichtete unter Berufung auf ein Regierungsschreiben, Indien habe WhatsApp aufgefordert, die Einführung der Nutzernamen vorerst anzuhalten und die Funktion zu begründen. Die Behörden verwiesen demnach auf Risiken wie Betrug, Phishing und Identitätsmissbrauch. WhatsApp erklärte laut Reuters, die Funktion sei noch nicht vollständig gestartet. Nutzer müssten weiterhin eine Telefonnummer zur Registrierung verwenden. Außerdem seien Schutzmechanismen vorgesehen, darunter Grenzen für neue Kontakte und Maßnahmen gegen wiederholtes Erraten von Nutzernamen.

EU-Regeln betreffen vor allem WhatsApp Channels

Auch in Europa steht WhatsApp stärker unter Regulierung. Die EU-Kommission hat WhatsApp im Januar 2026 als sehr große Online-Plattform nach dem Digital Services Act eingestuft. Grundlage ist die Funktion WhatsApp Channels, die den Schwellenwert von mindestens 45 Millionen monatlich aktiven Nutzern in der EU erreicht hat. Die Kommission betont zugleich, dass private Nachrichten, Sprachnachrichten, Fotos, Videos sowie Sprach- und Videoanrufe nach dem DSA nicht als Online-Plattformdienst eingestuft werden. Die verschärften Pflichten betreffen damit vor allem den öffentlichen Verbreitungsbereich von WhatsApp.

Datenschutz und Betrugsabwehr rücken zusammen

Die neue Funktion kann Telefonnummern im Alltag besser schützen, etwa in Gruppen, bei Verkäufen, Veranstaltungen oder beruflichen Erstkontakten. Gleichzeitig entsteht ein neuer Raum für Missbrauch, wenn Kriminelle Nutzernamen nachahmen oder fremde Identitäten vortäuschen. WhatsApp versucht diesen Zielkonflikt nach eigenen Angaben durch fehlende Suchverzeichnisse, exakte Namen und zusätzliche Schutzmechanismen zu begrenzen. Ob die Funktion im Alltag vor allem mehr Privatsphäre bringt oder neue Betrugsformen begünstigt, hängt stark von der konkreten Umsetzung, der Aufklärung der Nutzer und der Reaktion der Aufsichtsbehörden ab.

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