
Münster. Viele hundert Gläubige haben am 5. Juli an der Großen Prozession in Münster teilgenommen. Für den neuen Bischof Heiner Wilmer war es die erste Große Prozession in der Domstadt. Im Mittelpunkt seiner Predigt standen die Würde des Menschen, der Umgang mit Künstlicher Intelligenz und die Frage nach Zusammenhalt in Krisenzeiten.
Die Große Prozession begann mit einem Stationsgottesdienst in St. Lamberti. Anschließend führte der Weg durch die Innenstadt über Salzstraße, Klosterstraße, Verspoel, Ludgeristraße und Prinzipalmarkt bis zum Dom.
An der Prozession beteiligten sich neben dem Domkapitel auch Vertreter der Stadt, des Rates, der Behörden, der Studentenverbindungen, mehrsprachiger Gemeinden sowie Ordens- und Glaubensgemeinschaften. Die italienische Gemeinde wirkte in diesem Jahr am Gottesdienst mit.
Am Altar standen neben Bischof Wilmer auch Weihbischof Stefan Zekorn, Stadtdechant Ulrich Messing, Dompropst Hans-Bernd Köppen und Pater Biju Joseph. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Projektchor des Stadtdekanats und dem Bläserensemble blechgewand(t) unter Leitung von Regionalkantorin Jutta Bitsch sowie von Domorganist Thomas Schmitz.
In seiner Predigt erinnerte Wilmer an den historischen Ursprung der Prozession. Seit 1382 ist sie in Münster mit dem Gedenken an Pest, Stadtbrand und die Bitte um Schutz verbunden. Nach Angaben zur Tradition starben damals mehr als 8.000 Menschen an der Pest. Im Jahr darauf zerstörte ein Großbrand rund 400 Wohnhäuser.
Wilmer schlug den Bogen zu heutigen Herausforderungen. Er nannte den Wunsch nach Frieden, die Erschöpfung vieler Menschen und die rasche Entwicklung Künstlicher Intelligenz. Technischer Fortschritt könne große Chancen bieten, etwa in Medizin und Kommunikation. Zugleich müsse die Würde des Menschen Maßstab bleiben.
Entscheidungen über ethische Fragen und über Leben und Tod dürften nach seiner Aussage nicht an Technik delegiert werden. Der Mensch dürfe nicht auf Daten oder Algorithmen reduziert werden. Dafür brauche es Verantwortungsbewusstsein, Urteilsfähigkeit und Gewissen.
Die Große Prozession findet traditionell am ersten Sonntag im Juli statt. Ihr wird eine Nachbildung des historischen Pestkreuzes vorangetragen. Das Original hängt im Stephanschor des Doms.
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