Fahndung nach CSD-Anschlag in Berlin: Polizei sucht 21-Jährigen

Päckchen mit Kabeln löst großen Einsatz in Herrenberg aus
Symbolbild: Caroline Muffert

Teilen:

Ein veröffentlichtes Foto, eine genaue Personenbeschreibung und eine eindringliche Warnung: Nach dem tödlichen Anschlag im Umfeld des Christopher Street Day in Berlin fahnden Polizei und Generalstaatsanwaltschaft öffentlich nach dem 21-jährigen Abdul B. Der Mann ist flüchtig und könnte nach Angaben der Ermittler bewaffnet und gefährlich sein. Die Bevölkerung soll ihn keinesfalls ansprechen, sondern sofort den Notruf wählen.

Bei dem Anschlag im Großen Tiergarten starb eine Frau. Mindestens 16 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen schwer oder lebensgefährlich. Noch in der Nacht begann eine groß angelegte Suche nach dem Tatverdächtigen. Zahlreiche Fragen zum Ablauf, zu möglichen weiteren Beteiligten und zum Motiv sind weiterhin offen.

Polizei veröffentlicht Foto von Abdul B.

Die Polizei Berlin und die Generalstaatsanwaltschaft bitten die Bevölkerung um Unterstützung bei der Suche nach Abdul B. Der 21-Jährige ist etwa 1,90 Meter groß, hat eine schlanke Statur und schwarze Haare. Zuletzt soll er einen schwarzen Kapuzenpullover und eine weiße Hose getragen haben.

Der Gesuchte soll sich am Samstag gegen 22 Uhr im Bereich des Tiergartens aufgehalten haben. Nach Angaben der Ermittler steht er im Verdacht, mehrere Menschen mit einem fahrenden Fahrzeug verletzt zu haben. Eine oder mehrere Personen sollen das Fahrzeug anschließend verlassen haben. Mehrere Betroffene sollen zudem Verletzungen durch Stichwerkzeuge erlitten haben.

Die Polizei warnt ausdrücklich davor, den Gesuchten anzusprechen oder sich ihm zu nähern. Er könnte bewaffnet und gefährlich sein. Wer Abdul B. sieht, soll Abstand halten und unverzüglich den Notruf 110 verständigen.

Hinweise zu seinem Aufenthaltsort oder zum Tatgeschehen nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 030 54024111, über jede Polizeidienststelle sowie über das eingerichtete digitale Hinweisportal entgegen. Auch Fotos und Videos, die während oder unmittelbar nach dem Anschlag aufgenommen wurden, können für die Ermittlungen von Bedeutung sein.

Tatverdächtiger weiterhin auf der Flucht

Eine Festnahme des öffentlich gesuchten Mannes war am Sonntagmorgen zunächst nicht bekannt. Bereits in der Nacht hatten Spezialkräfte eine Wohnung im Grenzbereich zwischen Tiergarten und Schöneberg durchsucht. Dort wurde jedoch niemand angetroffen.

Die Polizei hatte zuvor bestätigt, dass der Tatverdächtige polizeibekannt sei und der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet werde. Diese Einordnung erlaubt allerdings noch keinen abschließenden Rückschluss auf das Motiv. Ob die Tat islamistisch begründet war, sich gezielt gegen queere Menschen richtete oder weitere Hintergründe hatte, war zunächst nicht abschließend geklärt.

Nach Medieninformationen soll Abdul B. erst im Mai 2026 aus einem Jugendarrest entlassen worden sein. Weshalb er dort untergebracht war, wurde zunächst nicht öffentlich bestätigt. Auch ist weiterhin offen, ob der 21-Jährige das Fahrzeug tatsächlich selbst gesteuert hat. Die Behörden bezeichnen ihn als Tatverdächtigen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Fahrzeug erfasst Menschen im Tiergarten

Der Anschlag ereignete sich am Samstagabend gegen 22 Uhr auf dem Ahornsteig im Großen Tiergarten. Der Weg liegt unweit des Potsdamer Platzes und der Lennéstraße. Dort fuhr ein weißes Fahrzeug in eine Gruppe von Menschen und erfasste mehrere Personen. Anschließend prallte der Wagen gegen einen Baum.

Eine Frau erlitt so schwere Verletzungen, dass sie noch am Tatort starb. Bei der Zahl der Verletzten gab es am Sonntagmorgen unterschiedliche Angaben. Mehrere übereinstimmende Berichte nannten mindestens 16 Verletzte. Drei Menschen schwebten demnach zeitweise in Lebensgefahr, weitere wurden schwer verletzt.

Als die Einsatzkräfte das stark beschädigte Fahrzeug erreichten, befand sich niemand mehr darin. Die Polizei leitete eine stadtweite Fahndung ein und sperrte weite Teile des Tiergartens ab. Spuren sollten am Sonntag auch bei Tageslicht weiter gesichert werden.

Ermittler prüfen Angriffe mit Stichwerkzeugen

Die Fahrt durch den Tiergarten könnte nach dem derzeitigen Ermittlungsstand nur der erste Teil des Angriffs gewesen sein. Polizei und Generalstaatsanwaltschaft gehen Hinweisen nach, wonach eine oder mehrere Personen aus dem Fahrzeug ausgestiegen sein sollen. Anschließend sollen Menschen mit Stichwerkzeugen verletzt worden sein.

Offiziell bestätigt ist bislang nicht, wie viele Angreifer beteiligt waren und welche Waffen benutzt wurden. Auch die Rollen möglicher weiterer Tatverdächtiger sind unklar. Die gemeinsame Fahndungsmeldung spricht ausdrücklich davon, dass sich eine oder mehrere Personen aus dem Fahrzeug entfernt haben sollen.

Zeugenberichte, Aufnahmen von Mobiltelefonen und Bilder aus dem Umfeld des Tiergartens dürften deshalb eine zentrale Rolle spielen. Die Ermittler wollen unter anderem rekonstruieren, wer sich vor und nach dem Zusammenstoß im Fahrzeug befand und welchen Weg die flüchtige Person oder die flüchtigen Personen nahmen.

CSD am Brandenburger Tor abgebrochen

Der Berliner CSD war am Samstag zunächst friedlich verlaufen. Hunderttausende Menschen hatten sich an der Demonstration für queere Rechte beteiligt. Die Route führte von der Leipziger Straße über den Potsdamer Platz, den Nollendorfplatz und den Großen Stern bis zur Abschlussveranstaltung am Brandenburger Tor.

Nach Bekanntwerden des Anschlags wurde das Bühnenprogramm gegen 22.15 Uhr unterbrochen. Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, das Gelände ruhig zu verlassen und den Bereich des Tiergartens zu meiden. Mehrere für Sonntag geplante Veranstaltungen des Berliner CSD wurden abgesagt.

Polizei und Generalstaatsanwaltschaft sprechen in ihrer Fahndungsmeldung ausdrücklich von einem Anschlag im Umfeld des Christopher Street Day. Ob die Veranstaltung und die sexuelle oder geschlechtliche Identität der Teilnehmenden das konkrete Ziel der Tat waren, ist dennoch Gegenstand der weiteren Ermittlungen.

Keine Hinweise auf Betroffene aus Münster

Ob Menschen aus Münster unter den Verletzten oder den unmittelbaren Zeugen des Anschlags waren, ist bislang nicht bekannt. Die Behörden veröffentlichten zunächst keine Angaben zu den Wohnorten oder zur Herkunft der getöteten Frau und der Verletzten. Ein bestätigter personeller Zusammenhang mit Münster besteht daher derzeit nicht.

Eine lokale Bedeutung erhält der Fall dennoch durch den bevorstehenden CSD Münster. Die Demonstration und das Ständefest sind für den 15. August 2026 geplant. Die Pride Weeks beginnen bereits am 1. August. Der Verein sucht derzeit unter anderem Ordner und Helfer, die einen sicheren und geordneten Ablauf der Veranstaltungen unterstützen sollen.

Ob das Sicherheitskonzept in Münster nach dem Anschlag von Berlin noch einmal überprüft oder angepasst wird, war am Sonntagmorgen nicht bekannt. Von besonderem Interesse ist dabei, wie Zufahrten zur Demonstrationsstrecke und zum Ständefest abgesichert werden und ob zusätzliche Maßnahmen gegen Angriffe mit Fahrzeugen vorgesehen sind.

Erinnerungen an tödlichen Angriff in Münster

Der Anschlag in Berlin dürfte in Münster auch Erinnerungen an den CSD im Jahr 2022 wecken. Damals war der trans Mann Malte C. am Rande der Veranstaltung angegriffen und schwer verletzt worden. Er starb wenige Tage später. Die Tat erschütterte die queere Community und führte zu einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Polizei, Stadt und queeren Organisationen.

Münster besitzt zugleich eine besondere Stellung in der Geschichte der deutschen queeren Bewegung. Am 29. April 1972 zogen rund 200 Männer und einige Frauen durch die Innenstadt. Nach Angaben des Stadtmuseums handelte es sich um die erste Demonstration von Schwulen und Lesben in der Bundesrepublik.

Der aktuelle Anschlag von Berlin zeigt, dass öffentliche Sichtbarkeit und Sicherheit auch mehr als fünf Jahrzehnte später eng miteinander verbunden bleiben. Im Mittelpunkt steht zunächst jedoch die Suche nach Abdul B. und die Frage, ob weitere Menschen an der Tat beteiligt waren.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu