
Die Novo Nordisk Quartalszahlen Q2 2026 fallen auf bereinigter Basis deutlich besser aus als noch vor wenigen Monaten erwartet. Der dänische Pharmakonzern steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal auf 78,488 Milliarden Dänische Kronen. Das waren zwei Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und drei Prozent mehr zu konstanten Wechselkursen. Bereinigt um einen Sondereffekt aus dem US-Arzneimittelprogramm 340B erreichte das Wachstum sieben Prozent. Trotz der verbesserten Jahresprognose geriet die Aktie nach der überraschend frühen Veröffentlichung der Zahlen unter Druck.
Der bereinigte Betriebsgewinn erhöhte sich zu konstanten Wechselkursen um elf Prozent auf 33,389 Milliarden Kronen. In Dänischen Kronen betrug das Plus acht Prozent. Damit übertraf Novo Nordisk auch die durchschnittliche Analystenschätzung von 28,74 Milliarden Kronen deutlich.
Die unbereinigten Zahlen zeigen jedoch ein schwächeres Bild. Der ausgewiesene Betriebsgewinn sank um 19 Prozent auf 27,061 Milliarden Kronen. Zu konstanten Wechselkursen belief sich das Minus auf 16 Prozent. Der Nettogewinn ging um 21 Prozent auf 20,989 Milliarden Kronen zurück. Bereinigt stieg der Überschuss dagegen um fünf Prozent auf 27,421 Milliarden Kronen.
Belastet wurde das Ergebnis durch Abschreibungen von insgesamt 6,3 Milliarden Kronen auf Entwicklungsprojekte. Davon entfielen vier Milliarden Kronen auf den eingestellten Wirkstoff Monlunabant. Novo Nordisk hatte die Entwicklung des experimentellen oralen Adipositasmittels aus Gründen der Portfolioausrichtung beendet.
Für das Gesamtjahr erwartet Novo Nordisk bei Umsatz und bereinigtem Betriebsgewinn nun eine Veränderung zwischen null und minus sechs Prozent zu konstanten Wechselkursen. Zuvor hatte der Konzern für beide Kennzahlen noch einen Rückgang zwischen vier und zwölf Prozent prognostiziert.
Die Verbesserung beruht nach Unternehmensangaben vor allem auf höheren Erwartungen an den Absatz der GLP-1-Medikamente. Die Prognose bedeutet dennoch, dass Novo Nordisk im ungünstigeren Fall weiterhin mit einem deutlichen Rückgang gegenüber 2025 rechnet. Sinkende realisierte Preise, der Wettbewerb in den USA und Veränderungen bei Erstattungen bleiben Belastungsfaktoren.
Besonders stark entwickelt sich die seit Januar in den USA erhältliche Wegovy-Pille. Novo Nordisk verbuchte damit im zweiten Quartal einen Umsatz von 3,218 Milliarden Kronen. Im Quartal wurden nach Unternehmensangaben rund 2,9 Millionen Verschreibungen registriert. Seit der Markteinführung waren es bis Mitte Juli mehr als fünf Millionen.
In der Woche bis zum 17. Juli überschritt die Zahl der Verschreibungen 265.000. Damit wächst die orale Version schneller als frühere GLP-1-Neueinführungen des Konzerns. Die Pille wurde inzwischen auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Vereinigten Königreich eingeführt. Für die Europäische Union liegt seit Juli eine Zulassung vor.
Die starke Nachfrage ist für Novo Nordisk strategisch wichtig. Eine Tablette kann Menschen erreichen, die eine regelmäßige Injektion ablehnen. Sie verschafft dem Unternehmen zudem einen Vorsprung im noch jungen Markt für orale Medikamente zur Gewichtsreduktion.
Im Markt für injizierbare Adipositasmedikamente steht Novo Nordisk weiter unter hohem Wettbewerbsdruck. Der US-Konzern Eli Lilly hat mit dem Wirkstoff Tirzepatid, der unter anderem als Zepbound gegen Adipositas und als Mounjaro gegen Typ-2-Diabetes vermarktet wird, in den Vereinigten Staaten Marktanteile gewonnen.
Novo Nordisk versucht, mit neuen Dosierungen von Wegovy, der Tablettenversion und weiteren Wirkstoffen gegenzuhalten. Der weltweite Markt für Adipositasmedikamente könnte nach Analystenschätzungen bis zum Ende des Jahrzehnts ein jährliches Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar erreichen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an neue Medikamente und klinische Studiendaten.
Beim Kombinationspräparat CagriSema ist die Lage gemischt. Das Medikament verbindet Semaglutid mit dem Amylin-Analogon Cagrilintid. In einer direkten Phase-3-Studie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes erzielte CagriSema nach 68 Wochen eine Gewichtsreduktion von 15,2 Prozent. Bei Tirzepatid waren es 15,8 Prozent.
Beim Gewichtsverlust erfüllte CagriSema damit das Studienziel der Nichtunterlegenheit. Beim Blutzuckerwert HbA1c gelang dies jedoch nicht. Novo Nordisk hat außerdem eine Phase-3-Studie mit einer höheren CagriSema-Dosis begonnen. Ergebnisse werden in der ersten Hälfte des Jahres 2028 erwartet. Eine Entscheidung der US-Behörden über die bereits eingereichte Standarddosierung ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.
Frühere Vergleichsdaten hatten die Erwartungen an CagriSema gedämpft. Im Februar war die Novo-Nordisk-Aktie nach Studienergebnissen deutlich eingebrochen, weil das Präparat die hohen Erwartungen im Vergleich mit Tirzepatid nicht erfüllte. Der Konzern hält dennoch an dem Projekt fest und prüft weitere Dosierungen und Einsatzgebiete.
Die erste Reaktion am US-Aktienmarkt fiel negativ aus. Die dort gehandelten Hinterlegungsscheine verloren zeitweise mehr als sechs Prozent und fielen auf rund 43,90 Dollar. Die Zahlen waren einen Tag früher veröffentlicht worden als ursprünglich im Finanzkalender angekündigt.
Eine einzelne Ursache für den Kursverlust war zunächst nicht eindeutig feststellbar. Trotz des Gewinnsprungs bleibt die Prognose auf Gesamtjahressicht negativ. Zudem richten Anleger den Blick zunehmend auf Marktanteile, Preise und die Frage, ob die Wegovy-Pille langfristig genügend Wachstum liefern kann, um die Stärke von Eli Lilly auszugleichen.
Auf Zwölfmonatssicht bewegte sich die Kopenhagener B-Aktie zuletzt ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Anfang August 2025 hatte sie bei rund 313 Kronen geschlossen, am 3. August 2026 lag der Kurs bei etwa 306 Kronen. Gegenüber dem Rekordniveau aus dem Jahr 2024 hat Novo Nordisk allerdings einen großen Teil seines Börsenwerts verloren. Seit einem Tief im März 2026 hatte sich die Aktie zwischenzeitlich wieder um rund 35 Prozent erholt.
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