
Der Dax auf Rekordhoch hat seine jüngste Gewinnserie am Dienstag fortgesetzt. Der deutsche Leitindex stieg am 4. August 2026 im Tagesverlauf bis auf 26.266,50 Punkte und erreichte damit einen neuen historischen Höchststand. Zum Handelsschluss standen 26.202,35 Punkte auf der Kurstafel. Das entsprach einem Tagesgewinn von 0,77 Prozent.
Damit hielt sich der Dax erstmals auch zum Börsenschluss deutlich oberhalb der Marke von 26.000 Punkten. Bereits am Montag hatte der Index 1,45 Prozent auf 26.001,31 Punkte gewonnen. Seit dem Jahresende 2025, als der Dax bei 24.490,41 Punkten geschlossen hatte, beträgt das Plus nun rund sieben Prozent.
Unterstützung kam von den internationalen Technologiebörsen. Der US-Softwarekonzern Palantir hatte mit seinen Quartalszahlen die hohen Wachstumserwartungen vieler Anleger erneut übertroffen. Die Aktie legte im US-Handel zeitweise um fast 30 Prozent zu. Das Unternehmen profitiert stark von der Nachfrage nach Software für Datenanalyse und Anwendungen künstlicher Intelligenz.
Die Reaktion verstärkte die Zuversicht, dass hohe Investitionen in KI-Infrastruktur und entsprechende Software weiterhin steigende Umsätze ermöglichen. Davon profitierten auch europäische Halbleiterwerte. Allerdings lässt sich die Dax-Rallye nicht allein mit Palantir erklären. Zusätzlich wirkten sinkende Ölpreise, Hoffnungen auf eine diplomatische Entspannung im Nahen Osten und Erwartungen an eine unterstützende Geldpolitik.
Stärkster Einzelwert im Dax war Infineon. Die Aktie des Halbleiterherstellers gewann rund 3,7 Prozent. Anleger setzten damit auf eine anhaltend hohe Nachfrage nach Chips für Rechenzentren und KI-Anwendungen. Infineon hatte bereits bei der Vorlage seiner vorherigen Quartalszahlen auf eine stärkere Dynamik im KI-Geschäft und eine verbesserte Nachfrage aus der Automobilindustrie verwiesen.
Auch Bayer gehörte nach seinem Quartalsbericht zu den gefragten Aktien. Das Unternehmen übertraf mit seinem operativen Ergebnis die Erwartungen und profitierte unter anderem von einem besseren Geschäft in der Agrarsparte sowie von Kostensenkungen. Insgesamt zeigte sich der Dax trotz der laufenden Berichtssaison vergleichsweise breit unterstützt.
Auf der Verliererseite stand Zalando. Die Aktie verlor rund 15 Prozent und rutschte damit an das Ende des Dax. Dabei hatte der Onlinehändler für das zweite Quartal einen Umsatzanstieg um 20,8 Prozent auf 3,42 Milliarden Euro gemeldet. Das bereinigte operative Ergebnis verbesserte sich um zehn Prozent auf knapp 205 Millionen Euro.
Die kräftigen Wachstumsraten waren allerdings wesentlich durch die Übernahme von About You geprägt. Gleichzeitig sank der Nettogewinn von 96,6 Millionen auf 73,8 Millionen Euro. Belastend wirkte zudem, dass Zalando für das Gesamtjahr beim Umsatz und beim Bruttowarenvolumen nur noch die untere Hälfte der bisherigen Wachstumsspanne von zwölf bis 17 Prozent erwartet. Die Prognose für das bereinigte Betriebsergebnis wurde auf 680 bis 720 Millionen Euro eingegrenzt.
Zu den weiteren schwächeren Dax-Werten gehörten zeitweise unter anderem Fresenius und Qiagen. Ihre Verluste blieben jedoch erheblich geringer als der Kurseinbruch bei Zalando.
Ein weiterer Treiber der Rallye war die Hoffnung auf eine Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Aussicht auf diplomatische Fortschritte verringerte an den Märkten zunächst die Sorge vor längerfristigen Lieferproblemen im Nahen Osten. Die Ölpreise gaben zeitweise deutlich nach und erreichten den niedrigsten Stand seit mehreren Wochen.
Niedrigere Energiepreise können Unternehmen entlasten und den Inflationsdruck reduzieren. Dadurch steigen zugleich die Chancen, dass große Notenbanken ihre Geldpolitik lockern oder zumindest auf weitere Zinserhöhungen verzichten. Die geopolitische Lage blieb jedoch unübersichtlich. Neue Zwischenfälle rund um die Straße von Hormus könnten Ölpreise und Aktienmärkte kurzfristig wieder unter Druck setzen.
Der Dax hat seit Jahresbeginn rund sieben Prozent gewonnen, nachdem er bereits 2025 um etwa 23 Prozent gestiegen war. Die Bewertung des gesamten Index gilt dennoch nicht automatisch als extrem. Grund dafür ist, dass sich die Kursentwicklung auf sehr unterschiedliche Branchen verteilt und die Gewinne vieler international tätiger Dax-Konzerne ebenfalls gestiegen sind.
Ein Teil der Analysten hält weiteres Kurspotenzial für möglich, sofern die Unternehmensgewinne 2026 im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Andere Marktbeobachter verweisen darauf, dass einige besonders gefragte Technologie-, Rüstungs- und Infrastrukturwerte bereits hohe Erwartungen eingepreist haben. Enttäuschende Geschäftszahlen können deshalb starke Kursverluste auslösen, wie die Reaktion auf Zalando zeigt.
Zu den größten Risiken gehören eine erneute Eskalation im Nahen Osten, steigende Energiepreise und unerwartet hartnäckige Inflation. Auch ein langsameres Wirtschaftswachstum in den USA oder China könnte die exportorientierten deutschen Konzerne belasten. Hinzu kommen Wechselkursrisiken, Handelskonflikte und mögliche Verzögerungen bei erwarteten Zinssenkungen.
Besonders anfällig bleiben Aktien, deren Bewertungen stark von hohen zukünftigen Wachstumsraten abhängen. Sollten Unternehmen die Erwartungen an das KI-Geschäft nicht erfüllen, wären deutliche Rückschläge an den internationalen Technologiebörsen möglich. Der neue Dax-Rekord beruht daher auf einer Kombination aus robusten Unternehmensergebnissen und günstigen Erwartungen. Beide Voraussetzungen können sich schnell verändern.
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