Feuer auf Chalkidiki: 481 Menschen über See evakuiert

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Der Waldbrand auf Chalkidiki hat mitten in der Hauptreisezeit einen Großeinsatz auf der griechischen Ferienhalbinsel ausgelöst. Rund um den Urlaubsort Siviri auf der westlichen Landzunge Kassandra breiteten sich die Flammen am Donnerstag bei starkem Wind rasch aus. Die Behörden ließen Siviri und Fourka räumen, insgesamt 481 Menschen wurden allein über das Meer in Sicherheit gebracht. Am Freitagmorgen meldete die griechische Feuerwehr eine deutlich bessere Lage. Eine zusammenhängende aktive Feuerfront gebe es nicht mehr, allerdings werden weiterhin zahlreiche kleinere Brandstellen bekämpft. 227 Feuerwehrleute blieben im Einsatz.

Feuer bricht am Donnerstagnachmittag bei Siviri aus

Nach Angaben der griechischen Feuerwehr brach das Feuer am Donnerstag, 13. August, gegen 14 Uhr im Bereich von Siviri aus. Betroffen war zunächst eine bewaldete Fläche mit niedriger Vegetation auf Kassandra, der westlichsten der drei markanten Landzungen von Chalkidiki südlich von Thessaloniki. Starke Winde begünstigten die schnelle Ausbreitung. Die Region war an diesem Tag bereits in die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe, Kategorie 4, eingestuft worden.

Die Einsatzkräfte wurden innerhalb weniger Stunden mehrfach verstärkt. Während zu Beginn noch 52 Feuerwehrleute, zwölf Fahrzeuge, drei Löschflugzeuge und ein Hubschrauber gemeldet worden waren, standen am Donnerstagabend bereits 155 Feuerwehrleute und 57 Fahrzeuge im Einsatz. Dazu kamen neun Löschflugzeuge und sieben Hubschrauber, von denen einer die Einsätze aus der Luft koordinierte. Auch zwölf Feuerwehrleute aus Moldau mit drei Fahrzeugen waren beteiligt. Sie halten sich im Rahmen des europäischen Programms zur vorsorglichen Stationierung ausländischer Feuerwehrkräfte in Griechenland auf.

481 Menschen werden mit Booten in Sicherheit gebracht

Besonders umfangreich war die Evakuierungsaktion an der Küste. Nach der abschließenden Bilanz des griechischen Zivilschutzes und der Küstenwache wurden 481 Menschen mit Wasserfahrzeugen aus dem Bereich des Strandes von Siviri gebracht. Eingesetzt wurden zwei Boote der Küstenwache, zwei Feuerwehrboote, drei Fischerboote sowie weitere private Schiffe. Zusätzlich wurde ein Passagierschnellschiff vor der Küste bereitgestellt.

285 Menschen wurden nach Angaben der Behörden zur Sani Marina beziehungsweise in den Bereich des Strandes von Sani gebracht. Weitere 196 Personen kamen an Bord eines Schnellschiffs, das sie anschließend in Richtung Thessaloniki transportierte. Die Aktion wurde vom Einsatzzentrum der griechischen Küstenwache koordiniert. Auch nachdem die unmittelbare Evakuierung abgeschlossen war, blieben Boote vorsorglich in der Region, falls weitere Transporte über das Meer notwendig werden sollten.

Die Behörden meldeten keine Verletzten unter den auf dem Seeweg geretteten Einwohnern und Urlaubern. Die Evakuierung über das Wasser wurde notwendig, während sich das Feuer vom Landesinneren in Richtung Küste ausbreitete und gleichzeitig Straßenverbindungen zeitweise nicht oder nur eingeschränkt nutzbar waren.

Vier Warnungen über die Notrufnummer 112 für Siviri und Fourka

Der griechische Zivilschutz verschickte im Verlauf des Nachmittags vier Warnmeldungen über die Notfallnummer 112. Um 14.40 Uhr wurde zunächst eine allgemeine Warnung für Menschen im weiteren Umfeld des Feuers herausgegeben. Um 15.09 Uhr folgte die Aufforderung, den Bereich Siviri in Richtung Mola Kaliva zu verlassen.

Um 15.48 Uhr wurden zwei weitere Evakuierungsanweisungen versandt. Menschen im Raum Fourka sollten sich in Richtung Skioni begeben. Personen im Raum Siviri wurden gleichzeitig aufgefordert, in Richtung Kassandreia auszuweichen. Die vier Warnungen dienten nach Angaben der Feuerwehr vor allem dazu, Einwohner und Urlauber frühzeitig aus den gefährdeten Gebieten herauszubringen.

227 Feuerwehrleute bekämpfen weiter kleinere Brandstellen

Über Nacht wurde die Zahl der Einsatzkräfte erneut erhöht. Am Freitagmorgen waren nach Angaben eines Sprechers der griechischen Feuerwehr 227 Feuerwehrleute mit 57 Fahrzeugen und 13 Einheiten der auf Waldbrände spezialisierten Sondereinheit im Gebiet von Kassandra eingesetzt. Unterstützt wurden sie von Fahrzeugen und Baumaschinen der Region Zentralmakedonien, des Gemeindeverbands Kassandra sowie Einheiten des griechischen Verteidigungsministeriums. Mit schwerem Gerät wurden unter anderem Brandschutzstreifen angelegt.

Mit Tagesanbruch nahmen auch die Löscharbeiten aus der Luft wieder zu. Am Freitagmorgen waren sechs Flugzeuge und ein Hubschrauber für Löscheinsätze vorgesehen. Die Lage hatte sich nach Einschätzung der Feuerwehr deutlich verbessert. Es gebe keine aktive zusammenhängende Feuerfront mehr. Die Mannschaften kümmerten sich vor allem um kleinere verstreute Brandstellen und bewässerten gefährdete Flächen, um ein Wiederaufflammen zu verhindern. Von einer vollständigen Entwarnung war damit zunächst noch nicht die Rede.

Nach einer ersten operativen Abschätzung der Feuerwehr wurden höchstens rund 3.500 Stremma Land erfasst. Das entspricht etwa 350 Hektar. Die Zahl ist eine vorläufige Einsatzschätzung und noch keine abschließende Schadenskartierung.

Keine Toten gemeldet, zwei Feuerwehrleute verletzt

Unter den evakuierten Einwohnern und Urlaubern wurden nach Angaben der griechischen Einsatzstellen keine Verletzten gemeldet. Auch Todesfälle im Zusammenhang mit dem Feuer waren bis Freitagvormittag nicht bekannt. Zwei Feuerwehrleute benötigten allerdings medizinische Behandlung. Der griechische Rettungsdienst EKAB übernahm nach Angaben des staatlichen Senders ERT zwei Einsatzkräfte. Einer hatte sich unwohl gefühlt, der andere eine Verletzung am Bein erlitten. Beide wurden zur weiteren Versorgung in das Krankenhaus von Polygyros gebracht.

Für mögliche weitere medizinische Einsätze waren im Brandgebiet sechs Rettungswagen, eine mobile medizinische Einheit und mehrere schnelle Einsatzfahrzeuge beziehungsweise Motorräder stationiert worden. Rettungskräfte und medizinisches Personal patrouillierten während der Evakuierungen im weiteren Umfeld des Feuers.

Siviri und Fourka geräumt, keine amtliche Liste betroffener Hotels

Amtlich bestätigt sind die Evakuierungen der Urlaubsorte Siviri und Fourka. Namen einzelner Hotels oder Campingplätze, die durch das Feuer beschädigt oder unmittelbar bedroht wurden, haben Feuerwehr und Zivilschutz bislang nicht in einer abschließenden Objektliste veröffentlicht. Eine vollständige Schadensaufnahme stand am Freitagvormittag noch aus. In dem betroffenen Gebiet befinden sich zahlreiche Ferienwohnungen, Privathäuser und touristische Unterkünfte.

Für Menschen, die vorübergehend nicht in ihre Unterkünfte zurückkehren konnten, aktivierte das griechische Ministerium für Klimakrise und Zivilschutz noch am Donnerstag eine besondere Plattform für Ersatzunterkünfte. Das Angebot wurde gemeinsam mit dem Tourismusministerium und der griechischen Hotelkammer eingerichtet. Hotels in Chalkidiki und im Raum Thessaloniki sollten damit kurzfristig freie Zimmer für Betroffene zur Verfügung stellen können.

Die Infrastruktur war teilweise ebenfalls betroffen. Am Donnerstag wurden Stromausfälle und Probleme bei der Wasserversorgung aus dem Brandgebiet gemeldet. Am Freitag waren Einsatzkräfte und Versorgungsunternehmen weiter mit Reparaturen beschäftigt. Straßenabschnitte auf Kassandra blieben teilweise für Einsatzfahrzeuge reserviert beziehungsweise gesperrt.

Brandursache offiziell noch nicht geklärt

Zur Ursache des Großbrandes lag am Freitagvormittag keine amtlich bestätigte Feststellung vor. Die griechische Feuerwehr nannte in ihrer offiziellen Lageinformation vom Donnerstagabend keine Ursache. Damit ist weiterhin offen, wodurch sich das Feuer entzündete.

In Griechenland werden die Ursachen größerer Vegetationsbrände regelmäßig durch spezialisierte Ermittler der Feuerwehr untersucht. Für den Brand auf Kassandra war bis zum Freitagvormittag keine abschließende behördliche Untersuchung veröffentlicht worden. Angaben über eine mögliche Beteiligung von Stromleitungen waren von den zuständigen Behörden nicht als Brandursache bestätigt.

Griechenland erlebt eine intensive Waldbrandsaison

Der Einsatz auf Chalkidiki fällt in eine Phase außergewöhnlich hoher Belastung für die griechische Feuerwehr. Allein am Donnerstag registrierten die Einsatzkräfte landesweit 40 Vegetations- und Waldbrände. Seit dem 1. August waren nach Angaben der Feuerwehr bereits mehr als 500 Feuer ausgebrochen. Seit Beginn der diesjährigen Waldbrandsaison näherte sich die Gesamtzahl der registrierten Brände bis zum 13. August der Marke von 2.700.

Die Feuerwehr warnte zugleich vor weiterhin schwierigen Bedingungen. Sehr starke und zeitweise stürmische Winde könnten neue Brände begünstigen und bestehende Feuer rasch ausbreiten. Die griechische Regierung ordnete deshalb für Freitag eine besonders hohe Einsatzbereitschaft an. Regionen der Gefahrenstufe 4 sollten operativ ähnlich behandelt werden wie Gebiete der höchsten Kategorie 5. Für mehrere Waldgebiete auf Chalkidiki wurden zudem zeitweise Betretungs- und Zufahrtsverbote verhängt. Auf Kassandra galten entsprechende Einschränkungen am Freitag von 8 bis 20 Uhr in ausgewiesenen Waldgebieten.

Was deutsche Urlauber auf Chalkidiki jetzt beachten sollten

Das Auswärtige Amt weist aktuell auf eine sehr hohe Waldbrandgefahr in großen Teilen Griechenlands hin. Wegen hoher Temperaturen, geringer Niederschläge und wechselnder Windrichtungen könnten sich Feuer schnell ausbreiten und bereits gelöschte Brandstellen erneut aufflammen. Auch in touristischen Regionen seien kurzfristige Straßensperren, Einschränkungen der Infrastruktur und Evakuierungen möglich. Eine generelle Reisewarnung für Griechenland ist damit nicht verbunden.

Deutsche Urlauber sollten auf ihren Mobiltelefonen die Funktion für Notfallwarnungen beziehungsweise Cell Broadcast aktiviert lassen. Die griechischen Behörden versenden Warnungen regional auf Griechisch und Englisch. Evakuierungsanweisungen sollten unmittelbar befolgt werden. Das Auswärtige Amt empfiehlt außerdem, sich über lokale Behörden, Medien, Hotel, Reiseleitung oder Reiseveranstalter über die aktuelle Lage zu informieren und von Bränden betroffene Gebiete zu meiden. In einer akuten Notlage gilt in Griechenland die europäische Notrufnummer 112. Eine Powerbank kann sinnvoll sein, wenn Stromausfälle die Lademöglichkeiten einschränken.

Für Urlauber auf Kassandra bleibt besonders wichtig, lokale Straßensperren und Zugangsbeschränkungen zu Waldgebieten zu beachten. Auch wenn am Freitagmorgen keine aktive zusammenhängende Feuerfront mehr gemeldet wurde, arbeiten die Einsatzkräfte weiter an kleineren Brandstellen und sichern das Gelände gegen ein erneutes Aufflammen.

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