Teure Energie hebt Inflationserwartungen im Euroraum

Erbschaftsteuer vor dem Umbruch? Was sich für Erben ändern könnte
Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

Teilen:

Die deutlich gestiegenen Energiepreise hinterlassen zunehmend Spuren in den Erwartungen der Verbraucher im Euroraum. Nach der im September veröffentlichten Verbraucherumfrage der Europäischen Zentralbank rechnen die Befragten wieder mit einer etwas höheren Teuerung. Besonders auffällig ist, dass nicht nur der kurzfristige Ausblick nach oben ging. Auch die Erwartungen für drei und fünf Jahre stiegen. Damit rücken die Inflationserwartungen im Euroraum erneut stärker in den Blick der Notenbank.

Verbraucher erwarten wieder drei Prozent Inflation

Für die kommenden zwölf Monate lag die mittlere Inflationserwartung der Verbraucher im August bei 3,0 Prozent. Im Juli hatte sie noch bei 2,9 Prozent gelegen. Deutlicher fiel die Veränderung beim mittelfristigen Ausblick aus. Für einen Zeitraum von drei Jahren lag die erwartete Inflation bei 2,9 Prozent, nach 2,7 Prozent im Juli. Auf Sicht von fünf Jahren lag der Wert bei 2,5 Prozent. Einen Monat zuvor waren es 2,4 Prozent gewesen.

Damit hat sich die Entwicklung des Frühsommers zunächst nicht fortgesetzt. Im Mai und Juni waren die kurzfristigen Erwartungen noch deutlich zurückgegangen. Im Juni lag die erwartete Inflation für die kommenden zwölf Monate bei 3,0 Prozent, im Juli sank sie auf 2,9 Prozent. Nun ging der Wert wieder leicht nach oben. Bei den Erwartungen über drei Jahre fiel der Anstieg stärker aus.

Die EZB befragt für ihre Consumer Expectations Survey regelmäßig rund 19.000 Erwachsene aus elf Ländern des Euroraums. Erfasst werden unter anderem Einschätzungen zu Inflation, Einkommen, Konsum, Arbeitsmarkt, Immobilienpreisen und Finanzierungskosten. Für die Geldpolitik sind insbesondere längerfristige Inflationserwartungen relevant, weil dauerhaft steigende Erwartungen das Verhalten von Haushalten und Unternehmen beeinflussen können.

Energie verteuert sich im Euroraum um 14,3 Prozent

Der Anstieg der Erwartungen fällt in eine Phase deutlich höherer Energiepreise. Nach den endgültigen Daten von Eurostat lag die Inflationsrate im Euroraum im August bei 3,2 Prozent. Im Juli hatte sie bei 2,9 Prozent gelegen. Damit entfernte sich die gemessene Teuerung weiter vom mittelfristigen Inflationsziel der EZB von 2 Prozent.

Besonders stark entwickelte sich die Energiekomponente. Die Preise für Energie lagen im August 14,3 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Im Juli hatte die entsprechende Rate noch bei 10,3 Prozent gelegen. Allein der Bereich Energie steuerte im August rechnerisch 1,29 Prozentpunkte zur gesamten Inflationsrate im Euroraum bei. Dienstleistungen kamen auf einen Beitrag von 1,43 Prozentpunkten.

Damit unterscheidet sich die aktuelle Inflationsphase von einer breit über alle Gütergruppen gleichmäßig steigenden Teuerung. Ohne Energie lag die jährliche Inflationsrate im August bei 2,1 Prozent. Die Preise für Dienstleistungen lagen 3,0 Prozent über dem Vorjahresniveau, während sich Industriegüter ohne Energie um 1,2 Prozent verteuerten. Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak lagen zusammen 1,1 Prozent höher als im August 2025.

Ölpreise wirken über mehrere Wege auf Verbraucherpreise

Höhere Ölpreise treffen Verbraucher zunächst direkt über Kraftstoffe und Heizenergie. Gleichzeitig können sie indirekt auf zahlreiche andere Preise wirken. Transporte werden teurer, Unternehmen müssen höhere Energiekosten tragen und energieintensive Produktionsprozesse verteuern sich. Wie stark diese Kosten anschließend an Kunden weitergegeben werden, hängt von Wettbewerb, Nachfrage, Vertragslaufzeiten und der Dauer des Preisschocks ab.

Die EZB geht in ihren aktuellen Projektionen davon aus, dass der Energieschock weiterhin maßgeblich für die Inflationsentwicklung im Euroraum ist. Neben Rohöl verweist sie auf höhere Preise für Mineralölprodukte sowie auf gestiegene Großhandelspreise für Gas und Strom. Im Basisszenario rechnet die Notenbank damit, dass die Gesamtinflation im vierten Quartal 2026 ihren Höhepunkt bei 3,6 Prozent erreicht.

Für das Gesamtjahr 2026 liegt die aktuelle Projektion der EZB bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3,0 Prozent. Für 2027 erwartet sie im Basisszenario 2,5 Prozent und für 2028 noch 2,1 Prozent. Dabei handelt es sich um Projektionen und nicht um bereits gemessene Preisentwicklungen. Entscheidend für den weiteren Verlauf ist unter anderem, wie lange die erhöhten Energiepreise anhalten.

Steigende Langfristerwartungen sind für die EZB besonders relevant

Kurzfristige Inflationserwartungen reagieren häufig vergleichsweise stark auf Preise, die Verbraucher regelmäßig wahrnehmen. Dazu gehören Kraftstoffe, Strom, Heizung und Lebensmittel. Für Zentralbanken wird die Entwicklung vor allem dann bedeutsam, wenn ein solcher Preisschock auch die Erwartungen über mehrere Jahre verändert.

Genau dort zeigt die aktuelle Erhebung eine Bewegung. Die Erwartung für drei Jahre stieg innerhalb eines Monats von 2,7 auf 2,9 Prozent. Für fünf Jahre ging sie von 2,4 auf 2,5 Prozent nach oben. Die Werte liegen damit über dem Inflationsziel der EZB. Sie sind allerdings nicht mit einer offiziellen Inflationsprognose gleichzusetzen. Die Umfrage bildet ab, welche Preisentwicklung Verbraucher persönlich erwarten.

Auch die EZB hatte in früheren Analysen darauf hingewiesen, dass Verbraucher ihre längerfristigen Erwartungen stärker an kurzfristige Preisentwicklungen anpassen können als professionelle Prognostiker. Bislang sah die Notenbank die längerfristigen Inflationserwartungen insgesamt dennoch als weitgehend verankert an. Der jüngste Anstieg erhöht deshalb vor allem die Bedeutung der kommenden Umfragen und der tatsächlichen Preisentwicklung.

EZB hat Leitzinsen im September angehoben

Der höhere Inflationsdruck hat bereits Folgen für die Geldpolitik. Der EZB Rat beschloss am 10. September eine Anhebung seiner drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Der Zinssatz für die Einlagefazilität liegt seit dem 16. September bei 2,50 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt bei 2,65 Prozent und der Satz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,90 Prozent.

Die Notenbank begründete den Schritt mit dem anhaltenden Inflationsdruck und den erhöhten Risiken für die Preisstabilität. Einen festen weiteren Zinspfad hat sie nicht angekündigt. Künftige Entscheidungen sollen von den aktuellen Wirtschafts und Preisdaten sowie von der Entwicklung der zugrunde liegenden Inflation abhängen.

Für Verbraucher bleibt damit vor allem entscheidend, ob der Energiepreisschub von Dauer ist. Fallen Öl, Gas und andere Energieträger wieder zurück, könnte auch der direkte Inflationsdruck nachlassen. Bleiben die Preise dagegen länger hoch und greifen die Kosten stärker auf andere Waren, Dienstleistungen und Löhne über, könnte sich die Rückkehr zum Inflationsziel verzögern. Die jüngste EZB Umfrage zeigt, dass Haushalte dieses Risiko inzwischen wieder etwas stärker in ihre Erwartungen einpreisen.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu