Streit um längere Arbeitszeiten bei Mercedes verschärft sich

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Bei Mercedes-Benz verschärft sich der Konflikt über Arbeitszeiten und Kosten an den deutschen Standorten. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge hat das Management der Arbeitnehmerseite vorgeschlagen, die regelmäßige Wochenarbeitszeit von derzeit 35 auf 38 Stunden zu erhöhen, ohne das Gehalt entsprechend anzuheben. Eine Vereinbarung darüber gibt es bislang nicht. Mercedes-Benz bestätigte gegenüber der Zeitung Gespräche über Lösungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit, äußerte sich jedoch nicht öffentlich zu allen Einzelheiten des genannten 38-Stunden-Modells.

Die Debatte ist Teil eines weitreichenden Sparkurses des Stuttgarter Autobauers. Mercedes hatte bereits im Sommer deutlich gemacht, dass die Kosten einer Arbeitsstunde in Deutschland sinken sollen. Damals brachte das Management grundsätzlich längere Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt ins Gespräch. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hatte zuvor sogar eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche zur Diskussion gestellt. Die nun genannten 38 Stunden wären damit ein möglicher Mittelweg gegenüber dieser weitergehenden Forderung.

Handelsblatt berichtet über Forderung nach 38 Stunden

Dem Handelsblatt zufolge laufen Gespräche zwischen Management und Arbeitnehmervertretern über eine Verlängerung der Arbeitszeit. Noch offen sei demnach unter anderem, ob eine mögliche 38-Stunden-Regelung zeitlich begrenzt oder dauerhaft gelten würde. Eine unabhängige Bestätigung für diese konkreten Verhandlungsdetails lag zunächst nicht vor.

Mercedes verwies gegenüber dem Handelsblatt grundsätzlich auf die Kostenstruktur in Deutschland. Das Unternehmen erklärte, die strukturellen Kosten einschließlich der Arbeitskosten seien im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig. Bereits Ende Juni hatte der Vorstand Beschäftigten mitgeteilt, dass eine Arbeitsstunde günstiger werden müsse und man deshalb auch über längere Arbeitszeiten sprechen wolle.

Die Mercedes Arbeitszeit steht damit im Zentrum einer grundsätzlichen Auseinandersetzung darüber, welchen Beitrag die Beschäftigten zur Kostensenkung leisten sollen. Für viele tarifgebundene Mitarbeiter in Deutschland gilt bislang die 35-Stunden-Woche. Drei zusätzliche Stunden entsprächen einer Verlängerung der tariflichen Wochenarbeitszeit um gut 8,6 Prozent, sofern die 38 Stunden tatsächlich ohne zusätzlichen Lohnausgleich eingeführt würden.

Betriebsrat und IG Metall lehnen unbezahlte Mehrarbeit ab

Der Gesamtbetriebsrat hatte sich bereits im Sommer kritisch gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit bei unverändertem Entgelt positioniert. Die Arbeitnehmervertretung verweist darauf, dass einzelne deutsche Standorte nicht vollständig ausgelastet seien. Längere Anwesenheitszeiten allein seien deshalb aus Sicht des Betriebsrats kein ausreichendes Konzept für eine dauerhaft höhere Wettbewerbsfähigkeit.

Auch die IG Metall lehnt eine Aufweichung der 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ab. Anfang Juli beteiligten sich nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 33.000 Mercedes-Beschäftigte an Aktionen an deutschen Standorten. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen längere Arbeitszeiten ohne zusätzliches Entgelt und gegen mögliche Einschnitte bei tariflichen Leistungen.

Gewerkschaftschefin Christiane Benner hat die 35-Stunden-Woche mehrfach als zentralen tarifpolitischen Standard der IG Metall bezeichnet. Die Gewerkschaft argumentiert zudem, dass die Personalkosten nur einen Teil der gesamten Kosten eines Fahrzeugherstellers ausmachen und Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit auch über Produkte, Technik, Investitionen und effizientere Prozesse verbessern müssten.

Mercedes steht unter erheblichem Kostendruck

Die Auseinandersetzung fällt in eine wirtschaftlich schwierige Phase für den Konzern. Mercedes-Benz erzielte 2025 einen Umsatz von 132,2 Milliarden Euro, nach 145,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank von 13,7 Milliarden auf 8,2 Milliarden Euro. Besonders deutlich verschlechterte sich die Profitabilität im Pkw-Geschäft. Die bereinigte Umsatzrendite von Mercedes-Benz Cars lag 2025 bei 5,0 Prozent, nach 8,1 Prozent im Jahr zuvor.

Auch 2026 bleibt das Umfeld anspruchsvoll. Im zweiten Quartal erzielte Mercedes-Benz Cars ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 909 Millionen Euro. Die bereinigte Umsatzrendite lag bei 4,0 Prozent. Das Unternehmen nennt unter anderem starken Wettbewerbsdruck in China, Veränderungen beim Modellmix sowie Kosten im Zusammenhang mit zahlreichen Modellanläufen als Belastungen. Das ausgewiesene, nicht bereinigte Ergebnis wurde zusätzlich von Wertminderungen auf Beteiligungen in China belastet.

Schon 2025 waren die weltweiten Pkw-Verkäufe von Mercedes-Benz Cars um neun Prozent auf rund 1,8 Millionen Fahrzeuge zurückgegangen. Besonders deutlich war das Minus in China. Dort lagen die Verkäufe mit rund 551.900 Autos um 19 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der chinesische Markt ist für deutsche Premiumhersteller wegen seiner Größe und des intensiven Wettbewerbs mit einheimischen Marken von besonderer Bedeutung.

Konzern senkt Produktions- und Fixkosten

Mercedes verfolgt bereits seit längerem ein umfassendes Effizienzprogramm. Die Produktionskosten sollen nach Unternehmensangaben zwischen 2024 und 2027 um zehn Prozent sinken. Zusätzlich sollen die Fixkosten innerhalb mehrerer Jahre um mehr als zehn Prozent reduziert werden. Neben Personalmaßnahmen setzt der Konzern dabei auf günstigere Materialkosten, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, höhere Auslastung von Anlagen und Veränderungen im weltweiten Produktionsnetz.

Die globale Pkw-Produktionskapazität soll auf rund 2,2 Millionen Fahrzeuge reduziert werden. Gleichzeitig baut Mercedes Kapazitäten im ungarischen Kecskemét aus. Dort können künftig bis zu 400.000 Fahrzeuge jährlich produziert werden. Mercedes hatte bereits 2025 erklärt, dass die dortigen Standortkosten erheblich niedriger als in Deutschland seien.

Für die deutschen Standorte besteht zugleich eine langfristige Beschäftigungssicherung. Unternehmen und Gesamtbetriebsrat hatten 2025 ein Maßnahmenpaket vereinbart, mit dem betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2034 ausgeschlossen werden. Dazu gehört auch ein freiwilliges Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen. Eine solche Beschäftigungssicherung bedeutet allerdings nicht, dass Produktionsumfänge oder einzelne Aufgaben dauerhaft unverändert bleiben müssen.

Arbeitszeit wird zum Branchenthema

Der Streit bei Mercedes steht stellvertretend für eine breitere Debatte in der deutschen Automobilindustrie. Die 35-Stunden-Woche ist in großen Teilen der tarifgebundenen westdeutschen Metall- und Elektroindustrie seit Jahrzehnten der Standard. In ostdeutschen Werken galten teilweise längere Arbeitszeiten. Bei BMW in Leipzig wurde die Wochenarbeitszeit beispielsweise schrittweise von 38 auf 35 Stunden reduziert. Seit Anfang 2026 gilt dort ebenfalls die 35-Stunden-Woche.

Auch Volkswagen hat seine Arbeitszeitregeln im Zuge des Ende 2024 vereinbarten Sparprogramms verändert. Für bestimmte Beschäftigtengruppen wurde die Wochenarbeitszeit auf 35 Stunden vereinheitlicht. Die Beispiele zeigen, dass die Branche derzeit keine einheitliche Entwicklung hin zu längeren Arbeitszeiten kennt. Vielmehr hängen Regelungen von Tarifverträgen, Standorten und unternehmensspezifischen Vereinbarungen ab.

Bei Mercedes ist deshalb noch offen, welche Regelung am Ende der Gespräche stehen könnte. Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass Unternehmen und Arbeitnehmerseite über Maßnahmen zur Senkung der Kosten und zur Stärkung der deutschen Standorte sprechen. Die konkrete Forderung nach einer 38-Stunden-Woche beruht bislang auf dem Bericht des Handelsblatts. Eine abgeschlossene Einigung über längere Arbeitszeiten bei Mercedes-Benz liegt nicht vor.

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