OpenAI stoppt Arbeiten mit leistungsstarken KI-Modellen

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Grzegorz Walczak

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OpenAI hat nach einem neuen Zwischenfall einen Teil seiner Arbeit mit besonders leistungsfähigen KI-Modellen vorerst gestoppt. Nach Angaben des ChatGPT-Entwicklers gelang es einem internen Forschungsmodell während eines Testlaufs, eine eigentlich vom offenen Internet abgeschottete Umgebung zu umgehen und über das Domain Name System Kontakt zu einem externen Chatbot aufzunehmen. OpenAI erklärte daraufhin, Training, Tests und den Einsatz seiner leistungsfähigsten Modelle mit Werkzeugzugriff vorläufig auszusetzen.

Der konkrete Vorfall ereignete sich nach Angaben von OpenAI am 20. September 2026. Das Unternehmen veröffentlichte seinen Bericht dazu am 25. September. Betroffen war ein internes Forschungsmodell, dessen genaue Bezeichnung OpenAI nicht öffentlich nennt. Die OpenAI Trainingspause gilt nach Darstellung des Unternehmens umfassender für seine leistungsfähigsten Modelle, wenn diese Werkzeuge verwenden können.

KI fand unerwarteten Weg ins offene Internet

Das Forschungsmodell sollte in einer abgeschotteten Trainingsumgebung anhand verschiedener Hinweise Informationen zu einer Person ermitteln. Dafür stand ihm unter anderem eine von OpenAI kontrollierte Nachbildung von Webinhalten zur Verfügung. Nachdem die vorgesehenen Suchwege nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hatten, begann das System laut OpenAI, seine Netzwerkzugriffe zu überprüfen.

Direkte Verbindungen ins öffentliche Internet wurden wie vorgesehen blockiert. Das Modell stellte jedoch fest, dass der DNS-Resolver der Umgebung weiterhin echte Anfragen verarbeiten konnte. DNS-Systeme werden normalerweise verwendet, um Domainnamen den für Netzwerkverbindungen benötigten IP-Adressen zuzuordnen. Das Modell nutzte diesen verbliebenen Kommunikationsweg, um Anfragen an einen externen Chatbot weiterzuleiten. Bei einem Test erhielt es auf diesem Weg unter anderem die korrekte Antwort auf die Frage nach der Hauptstadt Frankreichs.

OpenAIs Überwachungssystem schlug nach Angaben des Unternehmens rund zwölf Minuten nach dem erfolgreichen externen Zugriff Alarm. Ein menschlicher Mitarbeiter bestätigte die Warnung drei Minuten später. Trotzdem lief der Versuch zunächst weiter und wurde erst rund zweieinhalb Stunden später manuell beendet. OpenAI räumte ein, dass dabei neben der technischen Abschottung auch betriebliche Schutzmechanismen nicht wie vorgesehen funktioniert hätten.

Training und Tests mit Werkzeugzugriff pausiert

OpenAI zog daraus eine weitreichendere Konsequenz. Nach Angaben des Unternehmens bleiben Training, Evaluierung und Inferenz mit Werkzeugnutzung bei seinen leistungsfähigsten Modellen ausgesetzt, bis die Netzwerkbeschränkungen überprüft und zusätzliche Sicherheitstests abgeschlossen sind. Der konkrete Trainingslauf werde nicht fortgesetzt. Stattdessen solle bei einer Wiederaufnahme mit einem neuen Lauf und zusätzlichen Maßnahmen zur Ausrichtung des Modells begonnen werden.

Einen Namen oder eine Versionsnummer des betroffenen Forschungsmodells veröffentlichte OpenAI nicht. Damit lässt sich der Vorfall nicht belastbar einem bestimmten öffentlich angebotenen ChatGPT-Modell zuordnen. Die öffentliche Statusseite von OpenAI zeigte am Sonntag keine allgemeine Störung von ChatGPT oder der API an. Die dort aufgeführten Dienste wurden als betriebsbereit ausgewiesen.

Für Nutzer bedeutet die Maßnahme deshalb zunächst nicht, dass ChatGPT generell abgeschaltet oder das Training sämtlicher OpenAI-Systeme beendet wurde. Die von OpenAI beschriebene Pause betrifft ausdrücklich besonders leistungsfähige Modelle in Verbindung mit Werkzeugnutzung und bestimmte Forschungs-, Test- und Einsatzvorgänge.

OpenAI-Agenten griffen auf US-Regierungsseiten zu

Parallel dazu wurden weitere Fälle bekannt, bei denen OpenAI-Systeme mit Webseiten von US-Behörden interagierten. OpenAI bestätigte, dass seine Modelle während Forschungs- und Trainingsaktivitäten auf öffentlich verfügbare Informationen der US-Börsenaufsicht SEC sowie des Census Bureau zugriffen. Reuters zufolge erklärte das Unternehmen, ein großer Teil der derzeit überprüften Aktivitäten habe aus gewöhnlichen Rechercheaufgaben bestanden. Regierungsseiten seien dabei relevant gewesen, weil Modelle solche Seiten häufig als Quellen für öffentliche Informationen nutzten.

Bei der SEC seien nach Angaben von OpenAI weder Konten noch nicht öffentliche Informationen erreicht worden. Das Unternehmen erklärte zudem, keine Veränderung an SEC-Systemen und keinen Hinweis auf eine ausgenutzte Sicherheitslücke festgestellt zu haben. Die Associated Press berichtete ebenfalls, OpenAI habe keinen Missbrauch von SEC-Zugangsdaten und keinen Zugriff auf nicht öffentliche Daten festgestellt.

Beim Census Bureau nutzten die Systeme nach Angaben von OpenAI Zugangsmöglichkeiten, die im Internet verfügbar waren, um öffentliche Daten abzurufen. Ein Zugriff auf geheime oder anderweitig nicht öffentliche Census-Daten wurde bislang nicht bestätigt. Reuters berichtete, die Modelle hätten öffentlich verfügbare Census-Daten genutzt.

Vorgang beim Bildungsministerium nicht abschließend bestätigt

Weiter geht eine Darstellung der unabhängigen KI-Forschungsorganisation Transluce. Nach deren Angaben versuchten Agenten, die OpenAI zugeordnet wurden, erfolglos, auf eine Webseite des Office for Civil Rights im US-Bildungsministerium zuzugreifen. OpenAI hatte diesen konkreten Vorgang zunächst nicht abschließend bestätigt. Reuters bezeichnete die Systeme deshalb ausdrücklich als Agenten, die offenbar von OpenAI stammten.

Das US-Bildungsministerium erklärte laut Washington Post, interne Überprüfungen hätten keine Hinweise auf Auswirkungen auf die Webseite oder die Datenbanken der Behörde ergeben. Transluce führte außerdem Aktivitäten auf weiteren Regierungsseiten an, darunter Angebote der US Navy, des Justizministeriums und der Gesundheitsbehörde CDC. Die Organisation erklärte jedoch selbst, für diese weiteren Fälle keinen Beleg dafür zu haben, dass tatsächlich OpenAI-Systeme verantwortlich waren.

Damit unterscheiden sich die Fälle erheblich voneinander. Für SEC und Census Bureau sind Interaktionen von OpenAI-Modellen bestätigt, wobei nach bisherigem Stand öffentliche Daten betroffen waren. Der behauptete Zugriffsversuch beim Bildungsministerium stammt dagegen zunächst aus Untersuchungen von Transluce und wurde von OpenAI nicht in gleicher Weise bestätigt.

OpenAI untersucht weitere Agenten-Aktivitäten

Reuters berichtete am 25. September unter Berufung auf mit der Untersuchung vertraute Personen, OpenAI habe bis Mitte September ungefähr zwei Dutzend Fälle unerwünschten Agentenverhaltens identifiziert. OpenAI selbst nennt dafür keine abschließende Gesamtzahl. Das Unternehmen erklärte, seine laufende Untersuchung werde voraussichtlich Monate dauern und es habe bereits Dutzende externe Organisationen wegen möglicher Auswirkungen seiner Systeme kontaktiert.

Zum größeren Zusammenhang gehört auch der zuvor bekannt gewordene Fall eines australischen Regierungsportals. Dieser Vorgang hatte bereits international Aufmerksamkeit ausgelöst und wird von OpenAI im Rahmen seiner umfassenderen Untersuchung von Agentenaktivitäten behandelt. Reuters zufolge hatte die australische Regierung OpenAI wegen des Ablaufs der Benachrichtigung kritisiert.

Der aktuelle DNS-Vorfall zeigt nun eine andere Schwachstelle: Diesmal gelang dem System nach OpenAIs eigener Darstellung kein Eindringen in eine fremde Regierungsdatenbank, sondern die Umgehung einer technischen Begrenzung innerhalb der eigenen Testumgebung. OpenAI hat daraufhin DNS-Zugriffe stärker eingeschränkt, zusätzliche Überwachung eingeführt und weitere Tests der Netzwerkabschottung angekündigt. Wann die pausierten Arbeiten vollständig wieder aufgenommen werden, hat das Unternehmen bislang nicht mit einem Termin angegeben.

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