
Der milliardenschwere Ausbau von KI-Rechenzentren bringt Oracle zunehmend unter Druck am Kreditmarkt. Die Kosten für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall des US-Technologiekonzerns erreichten Ende September ein Rekordniveau. Gleichzeitig stieg die Rendite einer langlaufenden Oracle-Anleihe erstmals über acht Prozent. Damit verlangen Investoren für einen Teil der Oracle-Schulden inzwischen Risikoaufschläge, die für einen Konzern mit Investment-Grade-Rating ungewöhnlich hoch sind.
Besonders deutlich zeigt sich die Neubewertung bei sogenannten Credit Default Swaps, kurz CDS. Mit diesen Finanzinstrumenten können sich Anleger gegen einen möglichen Zahlungsausfall eines Schuldners absichern. Je höher die verlangte Prämie, desto größer schätzt der Markt das Kreditrisiko ein.
Der fünfjährige CDS-Spread von Oracle lag am 25. September nach Marktdaten bei rund 227 Basispunkten und damit auf einem Rekordniveau. Innerhalb einer Woche war die Prämie demnach um gut 16 Prozent gestiegen. Zum Vergleich wurde ein breiter Index für Investment-Grade-Unternehmensanleihen zuletzt mit ungefähr 55 Basispunkten angegeben.
Ein CDS-Spread von 227 Basispunkten bedeutet vereinfacht, dass die jährliche Absicherung einer Forderung von zehn Millionen Dollar rund 227.000 Dollar kosten würde. Der Wert ist kein Beleg für einen bevorstehenden Zahlungsausfall. Er zeigt aber, dass Investoren für das Kreditrisiko von Oracle inzwischen deutlich höhere Prämien verlangen.
Parallel gerieten langlaufende Oracle-Anleihen unter Druck. Bei einer mit 6,7 Prozent verzinsten Anleihe mit Fälligkeit 2056 stieg die Marktrendite erstmals über acht Prozent. Die Aussage betrifft damit eine konkrete langlaufende Schuldverschreibung und nicht sämtliche Oracle-Anleihen.
Steigende Renditen gehen bei bestehenden Anleihen mit sinkenden Kursen einher. Anleger verlangen einen höheren Ertrag, wenn sie mehr Risiko oder höhere allgemeine Marktzinsen einpreisen.
Auch andere langlaufende Oracle-Papiere notierten bereits deutlich unter ihrem Nennwert. Eine 2055 fällige Anleihe wurde Anfang September an der Börse Stuttgart beispielsweise zu weniger als 80 Prozent des Nominalwerts geführt und rentierte dort mit rund acht Prozent.
Der Abstand zur Grenze zwischen Investment Grade und spekulativem Bereich ist inzwischen klein. S&P Global Ratings senkte Oracles langfristiges Rating am 9. Juli 2026 von BBB auf BBB-. Damit liegt der Konzern bei S&P nur noch eine Stufe oberhalb des sogenannten Non-Investment-Grade-Bereichs. S&P begründete die Herabstufung mit der Größenordnung der Investitionen in KI-Infrastruktur und den Folgen für Oracles Finanzkennzahlen.
Moody’s bewertet Oracle mit Baa2. Auch dort befindet sich der Konzern im unteren Bereich der Investment-Grade-Skala. Moody’s hatte bereits Risiken durch steigende Verschuldung, hohe Investitionen und die starke Konzentration großer KI-Verträge auf wenige Kunden hervorgehoben.
Eine weitere Herabstufung durch S&P würde das Unternehmen dort in den spekulativen Bereich bringen. Das könnte für Oracle relevant werden, weil manche institutionelle Anleger aufgrund ihrer Anlagerichtlinien nur Investment-Grade-Anleihen halten dürfen.
Hinter der Entwicklung steht Oracles rascher Ausbau der Cloud- und KI-Infrastruktur. Das Unternehmen teilte im Februar mit, 2026 insgesamt 45 bis 50 Milliarden Dollar neues Kapital aufnehmen zu wollen. Etwa die Hälfte sollte über Eigenkapitalinstrumente und die andere Hälfte über Fremdkapital finanziert werden. Als Kunden für die zusätzliche Infrastruktur nannte Oracle unter anderem OpenAI, Meta, Nvidia, AMD, TikTok und xAI.
Bereits im Geschäftsjahr 2026 nahm Oracle nach eigenen Angaben 43 Milliarden Dollar über Fremdkapital und weitere fünf Milliarden Dollar über Eigenkapital auf. Gleichzeitig war der freie Cashflow wegen des massiven Infrastrukturprogramms mit 23,7 Milliarden Dollar negativ.
Besonders groß ist die Verbindung zu OpenAI. Oracle und OpenAI vereinbarten 2025 zusätzliche Stargate-Rechenzentrumskapazitäten von bis zu 4,5 Gigawatt in den USA. OpenAI bezifferte den Umfang der Partnerschaft später auf mehr als 300 Milliarden Dollar über fünf Jahre.
Oracle setzt damit erhebliche finanzielle Mittel ein, um Rechenzentren, Stromversorgung, Server und Grafikprozessoren bereitzustellen, bevor die entsprechenden Cloudumsätze vollständig realisiert werden.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Finanzierungslage in der vergangenen Woche durch Project Jupiter, einen großen KI-Rechenzentrumskomplex im US-Bundesstaat New Mexico.
Oracle verschickte eine Force-Majeure-Mitteilung an eine Einheit des Vermögensverwalters Blue Owl, der über Stack Infrastructure an dem Projekt beteiligt ist. Nach Reuters-Angaben ging es um mögliche Verzögerungen bei der Energieversorgung des Standorts. Oracle erklärte dagegen, Project Jupiter liege weiterhin im vorgesehenen Zeitplan. Force-Majeure-Mitteilungen seien bei Projekten dieser Größenordnung üblich und dienten unter anderem dazu, vertragliche Rechte zu sichern.
Mit dem Projekt sind nach Angaben aus dem Finanzmarkt Kredite von rund 18 Milliarden Dollar verbunden. Diese projektbezogenen Darlehen wurden zuletzt teilweise nur noch zu 89 bis 91 Cent je Dollar Nominalwert gehandelt. Sie sind nicht mit Oracles gewöhnlichen Unternehmensanleihen gleichzusetzen, verdeutlichen aber die gestiegene Vorsicht bei der Finanzierung großer KI-Rechenzentren.
Oracle selbst betont, dass der Standort weitergebaut wird. Das Unternehmen erklärte bereits am 14. September, der eigentliche Rechenzentrumscampus und die geplante Energieanlage seien regulatorisch voneinander getrennte Projekte. Bauarbeiten am Campus liefen weiter.
RBC Capital Markets wertete die Force-Majeure-Mitteilung laut Axios als Zeichen dafür, dass Oracle seine vertragliche Position gegenüber möglichen Verzögerungen stärker absichern wolle. Das bedeute allerdings nicht automatisch, dass das Projekt gestoppt werde.
William Blair erwartet nach einer Reuters-Berichterstattung zunächst nur begrenzte Auswirkungen auf das laufende Geschäftsjahr. Project Jupiter solle im Geschäftsjahr 2027 noch keine Umsätze für Oracle liefern. Eine mögliche Verschiebung würde sich daher zunächst eher auf spätere Perioden auswirken.
Morningstar verwies dagegen darauf, dass größere Verzögerungen bei Rechenzentren die Umwandlung bereits abgeschlossener Cloudverträge in tatsächliche Umsätze verzögern könnten. Dabei handelt es sich um eine Analysteneinschätzung und nicht um eine von Oracle bestätigte Umsatzentwicklung.
Operativ wächst Oracles Cloudgeschäft weiter kräftig. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Konzernumsatz um 30 Prozent auf 19,3 Milliarden Dollar. Die Umsätze mit Cloud-Infrastruktur legten nach Unternehmensangaben um 121 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar zu.
Die noch nicht als Umsatz verbuchten vertraglichen Verpflichtungen, die sogenannten Remaining Performance Obligations, erreichten 664 Milliarden Dollar. Allein im ersten Quartal schloss Oracle nach eigenen Angaben neue KI-Cloud-Verträge von mehr als 30 Milliarden Dollar ab. Das Unternehmen erklärte zugleich, diese neuen Verträge änderten nichts am bestehenden Kapitalbeschaffungsplan.
Damit stehen sich zwei Entwicklungen gegenüber: stark steigende vertraglich vereinbarte Cloudumsätze und ein außergewöhnlich kapitalintensiver Ausbau der dafür benötigten Infrastruktur.
Auch die Oracle-Aktie reagierte zuletzt empfindlich. Am Donnerstag, 24. September, verlor das Papier nach Bekanntwerden der Nachrichten zu Project Jupiter 3,47 Prozent und schloss bei 139,54 Dollar. Am Freitag fiel die Aktie weitere 1,75 Prozent.
Der letzte reguläre Schlusskurs vor dem Wochenende lag am Freitag, 25. September 2026, um 16 Uhr New Yorker Zeit bei 137,10 Dollar. Das entspricht 22 Uhr deutscher Zeit. Die NYSE war am Sonntag, 27. September, geschlossen.
Die Entwicklung am Kreditmarkt sagt nicht automatisch etwas über den künftigen Aktienkurs aus. Sie zeigt jedoch, dass Investoren Oracles milliardenschweren KI-Ausbau inzwischen nicht mehr ausschließlich unter Wachstumsgesichtspunkten bewerten, sondern verstärkt auch dessen Finanzierung und Auswirkungen auf die Bilanz berücksichtigen.






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