VW verschiebt Produktion: Wolfsburg bremst, E-Auto-Werke legen zu

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Bei Volkswagen verschiebt sich die Auslastung zwischen Verbrennern und Elektroautos deutlich. Im Stammwerk Wolfsburg fallen geplante Sonderschichten weg, weil der Konzern dort rund 30.000 Fahrzeuge weniger bauen will als zuletzt vorgesehen. Gleichzeitig soll die Produktion von Elektroautos in Emden und Zwickau um einige Tausend Fahrzeuge steigen. Volkswagen hat die Anpassungen gegenüber dem NDR bestätigt.

Wolfsburg soll rund 30.000 Autos weniger bauen

Das Wolfsburger Stammwerk fertigt derzeit ausschließlich Modelle mit Verbrennungsmotor. Dort hatte Volkswagen für das laufende Jahr zunächst mit einer höheren Produktion gerechnet und zusätzliche Schichten eingeplant. Nach der jüngsten Anpassung sollen etwa 30.000 Fahrzeuge weniger gebaut werden als zuvor vorgesehen. Die geplanten Sonderschichten entfallen deshalb.

Nach Angaben der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ dürfte die Jahresproduktion damit ungefähr auf dem Vorjahresniveau von rund 577.000 Fahrzeugen liegen. Zu den wichtigen Baureihen aus Wolfsburg gehören Golf, Tiguan und Tayron. Noch Anfang September waren für verschiedene Montagelinien sowie die Lackiererei zusätzliche Wochenend- und Nachtschichten vorgesehen.

Die Größenordnung von rund 30.000 weniger Fahrzeugen ist von Volkswagen gegenüber dem NDR bestätigt worden. Detaillierte Stückzahlen für einzelne Modelle oder die genaue Zahl der nun gestrichenen Schichten veröffentlichte der Konzern dabei nicht.

Emden fährt zusätzliche Schichten für Elektroautos

In den auf Elektroautos ausgerichteten Werken entwickelt sich die Planung in die andere Richtung. Volkswagen will in Emden und Zwickau zusammen einige Tausend Elektrofahrzeuge mehr herstellen. Eine genaue Aufteilung auf beide Standorte nannte das Unternehmen nicht.

Für Emden sind zuvor vorgesehene Schließtage nach Angaben des NDR vom Tisch. Der Betriebsrat bestätigte zudem einzelne Sonderschichten. Die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ berichtete konkret von zwei zusätzlichen Schichten im September. In Emden fertigt Volkswagen den ID.7 als Limousine und Tourer sowie den ID.4.

Auch Zwickau profitiert von der verbesserten Nachfrage. Dort werden Elektroautos verschiedener Konzernmarken produziert. Nach der langfristigen Standortplanung soll sich die Fahrzeugfertigung ab 2027 auf eine Produktionslinie konzentrieren. Volkswagen hatte für Zwickau unter anderem die weitere Fertigung des Audi Q4 e-tron und Q4 e-tron Sportback zugesagt.

E-Auto-Nachfrage wächst deutlich schneller

Hinter der Verschiebung steht nach Darstellung von Volkswagen eine veränderte Nachfrage. Vertriebsvorstand Martin Sander bezeichnete die Entwicklung als einen „Wendepunkt“ bei der Transformation des Automarktes. Nach Konzernangaben steigt die Nachfrage nach batterieelektrischen Fahrzeugen in Deutschland und weiteren europäischen Märkten stärker als bislang eingeplant.

Die deutschen Zulassungszahlen stützen den grundsätzlichen Trend. Im August 2026 wurden nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes 68.930 rein batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Das waren 75,1 Prozent mehr als im August 2025. Der BEV-Anteil an allen Pkw-Neuzulassungen erreichte 32,4 Prozent.

Damit ist allerdings nicht belegt, dass sich der gesamte deutsche oder europäische Automarkt dauerhaft im gleichen Tempo verschiebt. Auch einzelne Monate können durch neue Modelle, Lieferfähigkeit und andere Markteinflüsse stark geprägt sein.

Volkswagen verweist zudem auf die Nachfrage nach der neuen Generation kleiner Elektroautos. Für Modelle der Konzernmarken Volkswagen, Škoda und Cupra seien zusammen bereits mehr als 100.000 Bestellungen eingegangen. Ein großer Teil dieser Fahrzeuge wird allerdings in Spanien und nicht in den deutschen Elektro-Werken hergestellt.

Mehr E-Autos lösen Volkswagens Kostenproblem nicht automatisch

Die bessere Auslastung von Emden und Zwickau bedeutet für Volkswagen nicht automatisch eine entsprechende Verbesserung der Ertragslage. Elektroautos bringen dem Unternehmen bislang geringere Margen als viele vergleichbare Verbrennermodelle. Zugleich stehen die deutschen Standorte unter dem Druck hoher Kosten und vorhandener Überkapazitäten.

Der Konzern treibt deshalb seine Spar- und Umbauprogramme weiter voran. Volkswagen AG, Betriebsrat und IG Metall hatten Ende 2024 vereinbart, die technische Produktionskapazität der deutschen Werke um rund 734.000 Fahrzeuge zu verringern. Bis 2030 sollen bei der Volkswagen AG zudem mehr als 35.000 Stellen sozialverträglich wegfallen. Allein die Arbeitskosten sollen dadurch langfristig um 1,5 Milliarden Euro jährlich sinken.

Nach Unternehmensangaben waren bis Mitte 2026 bereits für mehr als 28.000 Stellen verbindliche Austritte bis 2030 vereinbart. Zusammen mit weiteren Programmen bei Audi, Porsche und der Softwaretochter Cariad umfasst der vereinbarte Personalabbau rund 50.000 Stellen. Volkswagen bezifferte die angestrebten jährlichen Netto-Einsparungen bis 2030 auf mehr als sechs Milliarden Euro.

Markenchef Thomas Schäfer machte im September zugleich deutlich, dass Volkswagen weitere Verbesserungen für notwendig hält. Nach einer erneuten Ergebnisbelastung kündigte der Konzern an, die Restrukturierung zu beschleunigen.

IG Metall fordert fünf Prozent mehr Entgelt

Parallel beginnt die nächste Auseinandersetzung um die Entgelte. Die Tarifkommission der IG Metall bei Volkswagen beschloss am 22. September eine Forderung von fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sollen ebenfalls um fünf Prozent steigen. Zusätzlich verlangt die Gewerkschaft eine soziale Komponente, von der besonders die unteren Entgeltgruppen profitieren sollen.

Volkswagen verfügt über einen eigenen Haustarifvertrag. Die Gewerkschaft orientiert ihre Entgeltforderung traditionell eng an der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie, für die ebenfalls fünf Prozent gefordert werden.

Eine konkrete Gegenforderung Volkswagens zu den fünf Prozent lag zunächst nicht vor. Der Konzern verweist grundsätzlich auf den erheblichen Kostendruck, Überkapazitäten und die Notwendigkeit höherer Wettbewerbsfähigkeit.

Treffen am 30. September ist keine Lohnverhandlung

Davon zu unterscheiden ist das für Mittwoch, 30. September, angesetzte Treffen von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat in Hannover. Dabei geht es nicht um eine Verhandlung über die neue Fünf-Prozent-Lohnforderung. Es handelt sich um ein sogenanntes Überprüfungsgespräch auf Grundlage des Zukunftstarifvertrags von Dezember 2024.

Die IG Metall hatte die entsprechende Vertragsklausel im September aktiviert. Gegenstand sind insbesondere die damals vereinbarten Investitionen, neuen Modelle und Zukunftsperspektiven für deutsche Standorte. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Emden, Zwickau und Hannover.

Die Gewerkschaft sieht angesichts der inzwischen verschärften Sparpläne Klärungsbedarf. Volkswagen begrüßte das Gespräch und verwies auf zusätzliche Herausforderungen für die Branche. Die bis Ende 2030 vereinbarte Beschäftigungssicherung wird durch das Überprüfungsgespräch nicht automatisch neu verhandelt.

Gerade die aktuelle Produktionsentwicklung verleiht der Debatte zusätzliche Bedeutung: Während die Verbrennerfertigung im größten deutschen VW-Werk hinter der bisherigen Planung zurückbleibt, verbessert sich ausgerechnet die Auslastung zweier Werke, deren langfristige Produktbelegung ein zentraler Gegenstand der Diskussion über Volkswagens nächste Sparschritte ist.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu