Arbeitsmarkt stabilisiert sich: Stellenabbau verliert an Tempo

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Personalpläne der Unternehmen in Deutschland haben sich im September 2026 erneut leicht verbessert. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer September 2026 stieg auf 95,1 Punkte, nach 94,8 Punkten im August. Damit setzt sich die vorsichtige Stabilisierung der vergangenen Monate fort. Von einer breiten Erholung des Arbeitsmarktes kann nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts allerdings noch nicht gesprochen werden. Vor allem Industrie und Handel planen weiterhin häufiger mit weniger als mit mehr Beschäftigten.

Der Anstieg fällt mit 0,3 Punkten deutlich geringer aus als im August. Damals war der Indikator von 93,0 auf 94,8 Punkte geklettert und hatte den höchsten Stand seit Mai 2025 erreicht. Im Juni hatte das Barometer noch bei 92,3 Punkten gelegen, im Juli bei 93,0 Punkten. Damit zeigt die Entwicklung über mehrere Monate zwar nach oben, die Personalplanungen bleiben insgesamt aber zurückhaltend.

Industrie plant weiterhin überwiegend mit weniger Personal

Besonders deutlich bleibt die Schwäche in der Industrie. Nach Angaben des Ifo-Instituts hat sich die Lage dort im September lediglich geringfügig verbessert. In der Mehrheit der Industriezweige rechnen die Unternehmen weiterhin mit einem niedrigeren Personalbestand.

Ausnahmen gibt es in einzelnen Bereichen. Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie wollen ihre Beschäftigung ausweiten. Das gilt auch für Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen. Diese Bereiche waren bereits im August positiv aus dem insgesamt schwachen Industriebild herausgestochen.

Damit setzt sich ein Muster fort, das sich bereits seit Monaten beobachten lässt. Die Industrie trägt einen erheblichen Teil der Beschäftigungsanpassungen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lag die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe Mitte 2026 deutlich unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig hat sich die gesamtwirtschaftliche Stimmung inzwischen aufgehellt, ohne dass die verbesserten Konjunkturaussichten bislang in größerem Umfang zu Neueinstellungen geführt hätten.

Dienstleistungen und Bau deutlich stabiler

Bei den Dienstleistungsunternehmen ist das Bild ausgeglichener. Im September halten sich geplante Einstellungen und Personalreduzierungen nach Angaben des Ifo-Instituts weitgehend die Waage. Zusätzliche Mitarbeiter werden unter anderem von Ingenieurbüros sowie von Rechts- und Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gesucht. Auch bei Zeitarbeitsunternehmen hat sich die Stimmung etwas aufgehellt.

Im Baugewerbe wollen die Unternehmen ihre Beschäftigtenzahl im Wesentlichen konstant halten. Damit unterscheidet sich der Sektor von Industrie und Handel, wo Personalabbau weiterhin überwiegt. Schon im August hatten sich bei Bauunternehmen Einstellungs- und Abbaupläne ungefähr ausgeglichen.

Im Groß- und Einzelhandel bleibt die Lage dagegen angespannt. Dort planen weiterhin mehr Unternehmen einen Stellenabbau als zusätzliche Einstellungen. Eine deutliche Trendwende lässt sich aus den Septemberdaten deshalb auch bei einem steigenden Gesamtindex nicht ableiten.

Arbeitslosigkeit lag zuletzt über drei Millionen

Auch die amtlichen Arbeitsmarktdaten zeigen weiterhin ein schwieriges Umfeld. Die jüngsten vollständigen Monatszahlen der Bundesagentur für Arbeit liegen für August vor. Damals waren in Deutschland 3,061 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 54.000 mehr als im Juli und 36.000 mehr als ein Jahr zuvor. Saisonbereinigt nahm die Arbeitslosigkeit gegenüber Juli um 4.000 Personen zu. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,5 Prozent.

Auch die Beschäftigung entwickelte sich zuletzt schwach. Nach Angaben der Bundesagentur waren im Juli nach dem Inlandskonzept 45,66 Millionen Menschen erwerbstätig. Saisonbereinigt waren das 14.000 weniger als einen Monat zuvor und 226.000 weniger als im Juli 2025. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Juni mit 34,81 Millionen Menschen um 73.000 unter dem Vorjahreswert.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb ebenfalls verhalten. Im August waren der Bundesagentur 656.000 offene Arbeitsstellen gemeldet. Der BA-Stellenindex blieb gegenüber Juli bei 103 Punkten. Die Bundesagentur bezeichnete die Arbeitskräftenachfrage weiterhin als schwach.

Das Ifo-Beschäftigungsbarometer misst keine bereits vollzogenen Einstellungen oder Entlassungen. Es basiert auf rund 9.500 monatlichen Unternehmensmeldungen aus Industrie, Bauhauptgewerbe, Groß- und Einzelhandel sowie Dienstleistungen. Die Unternehmen geben dabei an, wie sich ihre Beschäftigtenzahl in den kommenden drei Monaten voraussichtlich entwickeln wird. Der Indikator liefert damit einen frühen Hinweis auf die Personalplanung der Wirtschaft.

Konjunkturerholung erreicht den Arbeitsmarkt verzögert

Die leichte Verbesserung des Barometers passt zu einer insgesamt freundlicheren Konjunkturstimmung. Das Ifo-Institut rechnet in seiner Herbstprognose mit einem preisbereinigten Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,4 Prozent im Jahr 2026. Gleichzeitig erwartet das Institut, dass die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt nochmals sinkt. Eine Zunahme wird erst für 2027 und 2028 prognostiziert.

Auch die Gemeinschaftsdiagnose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute vom 24. September geht davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung den Arbeitsmarkt nur mit Verzögerung erreicht. Sie erwartet für 2026 noch eine sinkende Erwerbstätigkeit. Die Arbeitslosenquote wird dort für das Gesamtjahr auf 6,4 Prozent veranschlagt.

Im europäischen Umfeld zeigt sich ein etwas günstigeres Beschäftigungsbild. Nach Eurostat-Daten nahm die Zahl der Beschäftigten in der Eurozone und in der gesamten Europäischen Union im zweiten Quartal 2026 jeweils um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote lag im Juli in der EU bei 6,1 Prozent und im Euroraum bei 6,4 Prozent. Allerdings sind die Eurostat-Zahlen wegen der international einheitlichen ILO-Definition nicht unmittelbar mit der deutschen registrierten Arbeitslosenquote der Bundesagentur vergleichbar.

Für Deutschland liefert das September-Barometer damit vor allem ein Signal der Stabilisierung: Der Personalabbau verliert an Geschwindigkeit, ist aber noch nicht überwunden. Entscheidend bleibt der Unterschied zwischen den Branchen. Während Dienstleistungen und Bau ihre Personalbestände überwiegend halten wollen und einzelne Dienstleistungs- sowie Industriebereiche neue Beschäftigte suchen, bleiben Industrie und Handel auf Stellenabbau ausgerichtet.

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