Rheinmetall verliert an der Börse mehr als die Hälfte vom Rekordhoch

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Rheinmetall-Aktie hat ihren Abwärtstrend fortgesetzt und sich deutlich von ihren früheren Rekordständen entfernt. Am Montag, 28. September 2026, schloss das Papier auf Xetra bei 966,30 Euro. Damit lag die Aktie nicht nur klar unter der Marke von 1.000 Euro, sondern knapp 52 Prozent unter ihrem Allzeithoch von rund 2.008 Euro. Gleichzeitig präsentiert der Düsseldorfer Rüstungskonzern weiterhin stark steigende Umsätze und Ergebnisse. An der Börse hat sich der Blick jedoch verändert. Statt allein auf volle Auftragsbücher zu setzen, achten Anleger zunehmend darauf, wie schnell und profitabel Rheinmetall die erwarteten Milliardenaufträge tatsächlich in Umsatz und Gewinn verwandeln kann.

Rheinmetall-Aktie schließt bei 966,30 Euro

Auf Xetra startete die Rheinmetall-Aktie am Montag bei 982,80 Euro. Der höchste Kurs des Tages lag bei 989 Euro, anschließend gab das Papier weiter nach und beendete den Handel bei 966,30 Euro. Gegenüber dem vorherigen Schlusskurs von 982,40 Euro entsprach das einem Minus von rund 1,6 Prozent. Rund 143.000 Aktien wurden gehandelt.

Schon in den Tagen zuvor hatte sich die Aktie schwach entwickelt. Am 23. September hatte sie auf Xetra noch bei 1.025 Euro geschlossen. Einen Tag später waren es nur noch 990 Euro, am 25. September 982,40 Euro. Die Schwäche ist damit nicht auf einen einzelnen Handelstag beschränkt. Auch auf längere Sicht fällt die Bilanz deutlich aus. Ende August lag der Kurs noch bei mehr als 1.150 Euro.

Das Allzeithoch wird je nach Kursdatenanbieter mit rund 2.007 bis 2.008 Euro angegeben. Von diesem Niveau hat die Aktie inzwischen knapp 52 Prozent verloren. Das 52-Wochen-Tief lag zuletzt bei rund 900 Euro.

Starke Zahlen verhindern den Kursrückgang nicht

Der deutliche Kursverlust steht zunächst im Gegensatz zur operativen Entwicklung des Konzerns. Rheinmetall meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatzanstieg um 39 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis erhöhte sich um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro. Die operative Marge erreichte 15 Prozent.

Damit profitiert Rheinmetall weiterhin von den deutlich höheren Verteidigungsausgaben zahlreicher Staaten und der Nachfrage nach Munition, Luftverteidigung, Fahrzeugen und militärischer Elektronik. Das Unternehmen verfügt über einen umfangreichen Auftragsbestand und erhält regelmäßig neue Großaufträge. Noch am 14. September hatte Rheinmetall beispielsweise einen Auftrag über Artilleriemunition im dreistelligen Millionenbereich bekannt gegeben.

Die Börse bewertet jedoch nicht nur die aktuelle Geschäftsentwicklung, sondern vor allem die Erwartungen an die kommenden Jahre. Genau dort sind die Maßstäbe nach dem starken Kursanstieg der vergangenen Jahre besonders hoch.

Prognosesenkung nach dem Aus für das F126-Programm

Ein konkreter Belastungsfaktor stammt aus dem Sommer. Rheinmetall senkte Anfang August seine Umsatzprognose für 2026, nachdem das ursprünglich eingeplante Fregattenprogramm F126 nicht wie erwartet fortgeführt wurde.

Der Konzern rechnet nun für das Gesamtjahr mit einem Umsatz zwischen 13,7 und 14,2 Milliarden Euro. Die vorherige Planung wurde wegen der Entwicklung im Marinegeschäft um bis zu 300 Millionen Euro reduziert. Die erwartete organische Wachstumsrate von 28 bis 31 Prozent sowie eine operative Marge von rund 19 Prozent blieben bestehen.

Die Prognosesenkung verändert damit nicht grundsätzlich die Wachstumsgeschichte des Konzerns. Sie verdeutlicht allerdings, dass selbst bei außergewöhnlich hoher Nachfrage Verzögerungen oder Änderungen einzelner Großprojekte die kurzfristige Umsatzentwicklung beeinflussen können.

Anleger schauen stärker auf die Umsetzung der Aufträge

Genau diese Umsetzung steht inzwischen stärker im Mittelpunkt von Analystenbewertungen. MWB Research erklärte im September, hohe Auftragseingänge seien bereits weitgehend in den Erwartungen berücksichtigt. Entscheidend werde deshalb, wie schnell Rheinmetall den Auftragsbestand tatsächlich in Erlöse umwandeln könne. Nach Einschätzung des Analysehauses lassen die hohen Markterwartungen nur begrenzten Spielraum für Verzögerungen.

Auch JPMorgan äußerte sich im September vorsichtiger und setzte Rheinmetall vor dem für November geplanten Kapitalmarkttag auf eine sogenannte Negative Catalyst Watch. Die Analysten verwiesen unter anderem auf mögliche Verschiebungen im künftigen Umsatzmix. Hintergrund ist die Frage, welchen Anteil besonders profitable klassische Geschäftsfelder wie Munition und bemannte Fahrzeuge künftig haben und welche Bedeutung neue Bereiche wie Drohnen, autonome Systeme und Raumfahrt erreichen.

Dabei handelt es sich um Analysteneinschätzungen und nicht um neue Prognosen des Unternehmens.

Rüstungsaktien zuletzt auch branchenweit unter Druck

Die jüngste Schwäche betrifft zudem nicht ausschließlich Rheinmetall. Am 24. September verloren auch andere europäische Rüstungswerte deutlich. Renk und Hensoldt gaben an diesem Tag jeweils um mehr als vier Prozent nach, während auch BAE Systems, Thales und Leonardo Kursverluste verzeichneten.

Rüstungsaktien reagieren seit längerem empfindlich auf Veränderungen der geopolitischen Lage und politische Signale über mögliche Verhandlungen in internationalen Konflikten. Ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang zwischen einzelnen diplomatischen Entwicklungen und den konkreten Kursbewegungen von Rheinmetall lässt sich allerdings nicht belastbar herstellen.

Hinzu kommt das schwierige allgemeine Börsenumfeld. Steigende Ölpreise und höhere Renditen an den Anleihemärkten belasteten zuletzt internationale Aktienmärkte. Höhere Zinsen können besonders hoch bewertete Aktien unter Druck setzen, weil zukünftige Gewinne bei der Bewertung stärker abgezinst werden.

Kurs hat sich von Geschäftsentwicklung entkoppelt

Der Absturz vom Rekordhoch bedeutet deshalb nicht, dass Rheinmetalls Geschäft eingebrochen wäre. Im Gegenteil: Umsatz und operatives Ergebnis wachsen weiter deutlich. Der Kursrückgang zeigt vielmehr, wie stark die Aktie zuvor von Erwartungen an langfristig steigende europäische Verteidigungsausgaben und eine schnelle Ausweitung der Produktion getragen worden war.

Nach einem jahrelangen Kursanstieg reicht starkes Wachstum allein inzwischen nicht mehr zwingend aus, um weitere Kursgewinne auszulösen. Investoren achten stärker auf Margen, Produktionskapazitäten, Projektverzögerungen und darauf, wann der enorme Auftragsbestand tatsächlich als Umsatz und Gewinn in der Bilanz erscheint.

Neue Orientierung könnten die nächsten Geschäftszahlen liefern. Rheinmetall will seinen Bericht zum dritten Quartal am 5. November veröffentlichen. Ende November folgt der Kapitalmarkttag in Hamburg, bei dem das Unternehmen Investoren und Analysten ein Update zur Strategie geben will.

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