
Mit „In einem Land, das es nicht mehr gibt“ zeigt das MDR Fernsehen am Dienstagabend ein Drama über eine Seite der DDR, die in Spielfilmen vergleichsweise selten im Mittelpunkt steht. Statt grauer Plattenbauten und politischer Funktionäre richtet Regisseurin Aelrun Goette den Blick auf Mode, Fotografie, Kreativität und die Suche nach persönlicher Freiheit kurz vor dem Ende der DDR. Der Film läuft am heutigen Dienstag, 29. September 2026, von 22:55 bis 00:25 Uhr im MDR Fernsehen. Es handelt sich um eine Wiederholung. Die deutsche TV-Erstausstrahlung erfolgte am 6. September 2024 um 20:15 Uhr bei Arte.
Im Zentrum steht Marlene Burow als junge Suzie, die unerwartet in die Modewelt Ost-Berlins gerät. Der Film kam bereits im Oktober 2022 ins Kino und verbindet eine erfundene Hauptfigur mit Erlebnissen aus dem Leben der Regisseurin. Gerade dieser autobiografische Hintergrund macht das Drama zu mehr als einer klassischen Coming-of-Age-Geschichte.
Die Handlung setzt kurz vor dem Ende der DDR ein. Suzie steht vor dem Abitur, als sie von der Schule verwiesen wird und fortan in einem Kabelwerk arbeiten muss. Ihr eigentlich geplanter Bildungsweg scheint damit zunächst beendet. Auf dem Weg zur Arbeit verändert jedoch eine zufällige Begegnung ihr Leben: Ein Fotograf entdeckt sie und macht Aufnahmen von ihr.
Suzie bekommt Zugang zu einem Milieu, das mit ihrem bisherigen Alltag nur wenig gemeinsam hat. Sie begegnet der Welt des staatlichen Modebetriebs Exquisit, dem Modejournal „Sibylle“ und einer kreativen Subkultur, die eigene Vorstellungen von Kleidung, Ästhetik und Freiheit entwickelt. Zu den Menschen, die ihren neuen Weg prägen, gehören der extravagante Modeschöpfer Rudi und der Fotograf Coyote.
Der Film erzählt dabei nicht nur von Suzies wachsender Begeisterung für diese neue Welt. Er zeigt auch die Grenzen, die Menschen in der DDR gesetzt wurden und die Konflikte, die entstehen, wenn persönliche Wünsche mit staatlichen Vorgaben kollidieren.
Ein wesentlicher Teil des Stoffes geht auf Erfahrungen von Regisseurin und Drehbuchautorin Aelrun Goette zurück. Im Podcast des Bundesarchivs erklärte Goette, die Geschichte basiere auf ihrem eigenen Leben und ihren Erlebnissen in der DDR Mitte und Ende der 1980er-Jahre. Sie arbeitete selbst zeitweise als Mannequin.
Auch die ARD verweist auf konkrete Parallelen zwischen Goette und der Filmfigur. Demnach wurde die spätere Regisseurin wegen eines Aufnähers mit dem Symbol „Schwerter zu Pflugscharen“ festgehalten und durfte anschließend nicht wie geplant studieren. Während einer späteren Ausbildung zur Krankenschwester modelte sie unter anderem für die „Sibylle“ und erhielt eine staatliche Zulassung als Mannequin.
Der Film ist trotzdem keine direkte Verfilmung ihrer Biografie. Goette verband persönliche Erinnerungen und recherchierte historische Aspekte mit einer fiktionalen Geschichte.
Das Modejournal „Sibylle“ spielt im Film eine zentrale Rolle. Die Zeitschrift wurde 1956 in der DDR gegründet und zunächst vom Modeinstitut Berlin herausgegeben. Sie verband Mode mit Kultur und anspruchsvoller Fotografie. Das Bundesarchiv beschreibt die „Sibylle“ als wichtigen Bestandteil jener DDR-Modeszene, die Goette in ihrem Film porträtiert.
Das Magazin erschien nur sechsmal pro Jahr und war trotz einer hohen Auflage regelmäßig schwer erhältlich. Neben Kleidung prägte vor allem seine Fotografie das Erscheinungsbild. Mode wurde häufig nicht in klassischen Studios, sondern im Alltag, auf Straßen oder an Arbeitsorten inszeniert. Zugleich bewegten sich Redaktion und Fotografen innerhalb der politischen und publizistischen Beschränkungen der DDR.
Damit bildet die Modewelt des Films keinen frei erfundenen Gegenentwurf zum DDR-Alltag. Die Mischung aus staatlich organisierter Modeproduktion, ambitionierter Fotografie und experimenteller Subkultur hat historische Vorbilder.
Marlene Burow übernimmt die Hauptrolle der Suzie. Sabin Tambrea spielt Rudi, David Schütter den Fotografen Coyote. Claudia Michelsen ist als Dr. Elsa Wilbrodt zu sehen, Jördis Triebel als Gisela und Peter Schneider als Suzies Vater Klaus.
Zur weiteren Besetzung gehören Bernd Hölscher als Petzke, Sven-Eric Bechtolf als Professor Grünwald, Zoé Höche als Kerstin, Hannah Ehrlichmann als Marina, Gabriele Völsch als Christiane und Sira Topic als Uta. Regie führte Aelrun Goette, die auch das Drehbuch verantwortete. Die Kamera übernahm Benedict Neuenfels, die Filmmusik stammt von Boris Bojadzhiev.
Gedreht wurde vom Frühjahr bis Sommer 2021 unter anderem in Altenburg, Gera, Zwickau, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Filmportal nennt darüber hinaus Los Angeles als Drehort.
Seine Uraufführung feierte „In einem Land, das es nicht mehr gibt“ am 2. Oktober 2022 beim Filmfest Hamburg. Vier Tage später, am 6. Oktober 2022, startete das Drama bundesweit in den deutschen Kinos.
Filmportal gibt die Kinofassung mit einer Länge von 101 Minuten an. Die FSK erteilte eine Freigabe ab zwölf Jahren. Für die heutige Fernsehausstrahlung setzt der MDR einen Programmplatz von 22:55 bis 00:25 Uhr an. Auch die ARD-Mediathek führt die MDR-Ausgabe mit 90 Minuten Programmdauer.
Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen und Nominierungen. Beim Deutschen Filmpreis 2023 gewann Jördis Triebel die Lola als beste weibliche Nebenrolle. Regina Tiedeken war außerdem für das Kostümbild nominiert, Annett Schulze, Dorit Jur und Ines Ransch für das Maskenbild.
Beim Günter-Rohrbach-Filmpreis 2022 wurde das Schauspielensemble ebenfalls ausgezeichnet. Filmportal nennt zudem den Preis des Oberbürgermeisters und das FBW-Prädikat „besonders wertvoll“.
Als der Film am 27. November 2024 um 20:15 Uhr im Ersten gezeigt wurde, schalteten 3,69 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer ein. Der Marktanteil beim Gesamtpublikum lag bei 15,6 Prozent. Bei den 14- bis 49-Jährigen wurden 0,36 Millionen Menschen und ein Marktanteil von 7,4 Prozent gemessen.
„In einem Land, das es nicht mehr gibt“ läuft am Dienstag, 29. September 2026, um 22:55 Uhr im MDR Fernsehen. Das Programm endet laut Sender um 00:25 Uhr.






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