635 Ausbildungsplätze in Münster sind kurz vor dem Start noch frei

Industriejobs im Münsterland gehen zurück. Die IHK Nord Westfalen warnt vor Folgen für Arbeitsmarkt und Wohlstand.
Foto: Anamul Rezwan

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Münster. Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind in Münster noch viele Lehrstellen unbesetzt. Nach Angaben der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster wurden seit Oktober 1.613 Ausbildungsstellen von Unternehmen und Verwaltungen gemeldet. Ende Juni waren davon noch 635 Plätze frei. Gleichzeitig suchen 406 junge Menschen in Münster weiterhin nach einem Ausbildungsplatz.

Mehr Bewerber als im Vorjahr

Im aktuellen Berichtsjahr haben sich bislang 1.068 junge Menschen bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Münster als Bewerber für eine Ausbildungsstelle gemeldet. Das sind 44 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitsagentur bewertet das gestiegene Interesse an einer Ausbildung positiv, sieht für Jugendliche aber weiterhin gute Chancen auf einen kurzfristigen Einstieg.

Rein rechnerisch stehen jedem unversorgten Bewerber in Münster derzeit mehr als 1,5 offene Ausbildungsplätze gegenüber. Damit bleibt der Ausbildungsmarkt aus Sicht der Jugendlichen günstig. Für viele Betriebe bedeutet die Lage jedoch, dass sie ihre offenen Stellen kurz vor Ausbildungsbeginn noch besetzen müssen.

Besonders viele Chancen in Praxen, Lager und Handwerk

Offene Ausbildungsplätze gibt es laut Arbeitsagentur vor allem in kaufmännischen Berufen, in Arzt- und Zahnarztpraxen, in Lagern sowie im Handwerk. Jugendliche sollten deshalb nicht nur auf den vermeintlich perfekten Beruf warten, sondern auch ähnliche oder verwandte Ausbildungsberufe prüfen.

Joachim Fahnemann, Leiter der Agentur für Arbeit Ahlen-Münster, rät jungen Menschen zu mehr Offenheit bei der Berufswahl. Praktische Einblicke könnten helfen, passende Alternativen zu entdecken. Dazu zählen Schnupperstunden, Hospitationen oder Praktika in Betrieben.

Ausbildungsmarkt in Münster seit Monaten mit Angebotsüberhang

Die aktuelle Lage setzt eine Entwicklung fort, die sich bereits in den vergangenen Monaten abgezeichnet hatte. Ende Mai standen in Münster noch 467 Bewerber 724 unbesetzten Ausbildungsstellen gegenüber. Auch damals lag das rechnerische Verhältnis bei mehr als 1,5 Ausbildungsangeboten pro unversorgtem Bewerber.

Im April hatte die Arbeitsagentur für Münster 943 Bewerber, 519 weiterhin Suchende und 799 offene Ausbildungsstellen gemeldet. Damit war schon früh im Jahr sichtbar, dass es deutlich mehr gemeldete Ausbildungsplätze als unversorgte Bewerber gibt.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Berufen

Trotz der vielen offenen Stellen passt das Angebot nicht immer zu den Berufswünschen der Jugendlichen. Im Verkauf wollten Betriebe in Münster im Mai noch 173 Ausbildungsplätze besetzen, während sich nur 40 Jugendliche für diesen Bereich interessierten. In der IT zeigte sich das umgekehrte Bild: Auf 28 Bewerber für eine Ausbildung als Fachinformatiker kamen nur 6 Ausbildungsstellen.

Diese Unterschiede zeigen, warum die Arbeitsagentur zur Prüfung von Alternativen rät. Wer ähnliche Berufsbilder einbezieht, kann seine Chancen auf einen Ausbildungsplatz deutlich erhöhen. Gleichzeitig stehen Betriebe unter Druck, Auswahlverfahren abzuschließen und offene Ausbildungsplätze kurzfristig zu vergeben.

Auch im Kreis Warendorf bleiben viele Stellen frei

Nicht nur in Münster gibt es kurz vor Ausbildungsbeginn noch viele Möglichkeiten. Für den Kreis Warendorf nennt die Juni-Mitteilung ebenfalls zahlreiche offene Chancen. Dort suchten Ende Juni noch 456 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, während 544 Ausbildungsstellen unbesetzt waren.

Für die Einordnung verweist die Bundesagentur zudem darauf, dass die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen aktuell statistisch unterzeichnet ist. Bundesweit könnten rund sechs Prozent zu wenig Ausbildungsstellen ausgewiesen werden, weil geänderte interne Prozesse noch in die Statistik integriert werden.

Termine bei der Berufsberatung kurzfristig möglich

Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, können kurzfristig Termine bei der Berufsberatung vereinbaren. Die Beratung soll dabei helfen, passende Berufe zu finden, Bewerbungen zu verbessern und Kontakte zu Betrieben herzustellen.

Der allgemeine Arbeitsmarkt in Münster zeigte sich im Juni stabil, aber etwas verhaltener. 9.107 Menschen waren arbeitslos gemeldet, 90 mehr als im Mai. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,9 Prozent. Für den Ausbildungsmarkt bleibt die Lage dennoch klar: Es gibt weiterhin deutlich mehr offene Stellen als unversorgte Bewerber.

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