
Münster. Die geplante steuer- und abgabenfreie Entlastungsprämie für Beschäftigte stößt im Handwerk der Region auf deutliche Vorbehalte. Nach Angaben der Handwerkskammer Münster fürchten viele Betriebe, dass die finanzielle Last am Ende bei den Arbeitgebern hängen bleibt. Aus Sicht der Kammer erhöht das den Druck auf Unternehmen, die ohnehin schon mit gestiegenen Energie-, Material- und Lohnkosten zu kämpfen haben.
HWK-Präsident Jürgen Kroos warnt, dass die Maßnahme viele Betriebe zusätzlich belasten könnte. Die Kritik richtet sich dabei vor allem gegen den Umstand, dass die Prämie zwar Beschäftigte entlasten soll, eine Gegenfinanzierung für die Unternehmen aber nicht vorgesehen ist.
Für eine Blitzumfrage der Handwerkskammer Münster haben 1.536 Arbeitgeber aus dem Kammerbezirk Rückmeldung gegeben. Das Bild fällt klar aus. 51 Prozent der befragten Betriebe planen keine Auszahlung der Prämie. 36 Prozent sind noch unentschlossen. Nur 7 Prozent wollen die Zahlung vollständig leisten, weitere 6 Prozent zumindest teilweise.
Damit deutet sich an, dass die von der Bundesregierung ins Spiel gebrachte Entlastung in vielen Betrieben wohl nicht ankommen wird. Neun von zehn Unternehmen bewerten die Maßnahme laut Kammer als zusätzliche finanzielle Belastung. Knapp die Hälfte stuft diese Belastung sogar als stark ein.
Als wichtigste Gründe nennen die Betriebe laut HWK Münster die allgemeine Kostenentwicklung und die aktuelle Ertragslage. 72 Prozent verweisen auf die gestiegenen laufenden Kosten, 57 Prozent auf die wirtschaftliche Situation im eigenen Betrieb. Hinzu kommen Unsicherheiten mit Blick auf die weitere Konjunktur und auf die Personalsituation.
In den Rückmeldungen wird vor allem kritisiert, dass die Politik Erwartungen bei Beschäftigten wecke, die Unternehmen dann aber selbst für die Umsetzung aufkommen sollen. Gerade im Handwerk, das vielerorts mit knappen Margen arbeitet, wird das als problematisch gesehen.
Die Debatte in Münster steht nicht für sich allein. Die Bundesregierung hatte Mitte April erklärt, Arbeitgebern solle ermöglicht werden, Beschäftigten freiwillig bis zu 1.000 Euro steuer- und abgabenfrei zu zahlen. Nach Angaben aus der Regierungspressekonferenz sind auch Teilbeträge möglich; das Modell orientiert sich an der früheren Inflationsausgleichsprämie.
Auch andere Wirtschaftsverbände dämpfen die Erwartungen. Der Arbeitgeberverband BDA rechnet damit, dass deutlich weniger Unternehmen die neue Prämie zahlen werden als bei der Inflationsausgleichsprämie. Ähnliche Einwände kommen aus Berlin und Brandenburg, wo Unternehmensvertreter ebenfalls auf fehlende Spielräume gerade im Mittelstand verweisen.
Die Ergebnisse der Umfrage sind kein vollständiges Abbild des gesamten Kammerbezirks, geben aber einen beachtlichen Einblick in die Lage des regionalen Handwerks. Nach Angaben der Handwerkskammer Münster zählte der Kammerbezirk zum 31. März 2026 insgesamt 30.612 Betriebe. Vor diesem Hintergrund zeigt die Befragung vor allem eines: Die Bereitschaft, eine zusätzliche Prämie zu zahlen, ist derzeit bei vielen Unternehmen gering.
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