
Münster/Greven. Welche Folgen haben geopolitische Konflikte, unsichere Lieferketten und neue Sicherheitsrisiken für Unternehmen im Münsterland? Mit dieser Frage hat sich der vierte Wirtschaftsdialog am Flughafen Münster/Osnabrück beschäftigt. Unter dem Titel „Die neue europäische Realität – Sicherheit, Energie und Wirtschaft im geopolitischen Wandel“ diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft über Risiken, Abhängigkeiten und wirtschaftliche Chancen in Europa.
Veranstaltet wurde der Wirtschaftsdialog am Donnerstag, 24. September 2026, von der WIN Wirtschaftsinitiative Münster e.V., der Wirtschaftsvereinigung für den Kreis Steinfurt (WVS) e.V. und dem Wirtschaftsforum Greven e.V. Die Reihe wird seit 2023 gemeinsam von Udo J. Storck, Heiner Hoffschroer und Sandra Wulf organisiert. Das Bühnenprogramm begann um 18.15 Uhr, anschließend war Zeit für Diskussionen und Networking vorgesehen.
Einer der beiden Referenten war Dr. Christian Mölling, Sicherheitsexperte und Leiter der Denkfabrik EDINA. In seinem Vortrag beschäftigte er sich mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage in Europa und den Folgen für Unternehmen.
Nach seiner Einschätzung müssen sich Firmen stärker mit möglichen Verwundbarkeiten auseinandersetzen. Dazu zählen etwa Lieferketten, Energieabhängigkeiten, Cyberangriffe und andere Formen wirtschaftlichen oder politischen Drucks. Mölling beschrieb diese Entwicklung mit dem Begriff einer zunehmenden „weaponization of everything“ – also der Möglichkeit, unterschiedlichste wirtschaftliche, technologische oder gesellschaftliche Abhängigkeiten gezielt als Druckmittel einzusetzen.
Unternehmen könnten es sich deshalb aus seiner Sicht nicht leisten, auf Krisen nur zu reagieren. Risiken müssten frühzeitig erkannt, Abhängigkeiten überprüft und Alternativen vorbereitet werden. Gleichzeitig verwies Mölling nach Angaben der Veranstalter auf die Bedeutung europäischer Solidarität und gemeinsamer Widerstandsfähigkeit.
Den wirtschaftspolitischen Teil des Abends übernahm Prof. Dr. Manuel Rupprecht, Volkswirtschaftler und Dekan der Münster School of Business. Er sprach über wachsende handelspolitische Unsicherheiten, internationale Blockbildung und stärkere Abschottungstendenzen.
Für Unternehmen im Münsterland sind diese Entwicklungen besonders relevant, weil viele Betriebe der Region international ausgerichtet und auf funktionierende Handelsbeziehungen angewiesen sind. Rupprecht betonte zugleich, dass der grenzüberschreitende Warenhandel trotz der politischen Spannungen weiterhin eine zentrale Rolle spiele.
Aus seiner Sicht bietet insbesondere der europäische Binnenmarkt weiteres Potenzial. Er sprach sich dafür aus, wirtschaftliche Hürden innerhalb Europas weiter abzubauen und die Integration zu vertiefen. Zudem sollten Unternehmen die Möglichkeiten bestehender Freihandelsabkommen stärker nutzen.
Neben den beiden Impulsvorträgen gehörte auch ein Gespräch mit Vertretern der Hauptsponsoren zum Programm. Carl-Christian Kamp, Jochen Drees und Carsten Oemus diskutierten dabei Fragen rund um Sicherheit, Resilienz und stabile Lieferketten.
Ein zentraler Gedanke: Widerstandsfähigkeit entsteht nicht allein durch technische Schutzmaßnahmen. Nach Darstellung der Veranstalter ging es auch um Investitionen in Fachkräfte, digitale Modernisierung, neue Absatz- und Beschaffungsmärkte sowie stärkere Vernetzung zwischen Unternehmen und Institutionen.
Damit wurde die geopolitische Debatte unmittelbar auf betriebliche Entscheidungen heruntergebrochen. Unternehmen müssten nicht nur wissen, wo Risiken liegen, sondern daraus Konsequenzen für ihre eigene Organisation und strategische Ausrichtung ziehen.
Dieses Prinzip zog sich durch den gesamten Abend. Unternehmen sollten nach Einschätzung der Referenten nicht bei der Analyse geopolitischer Risiken stehenbleiben. Lieferketten, Energieversorgung, Absatzmärkte und internationale Abhängigkeiten müssten regelmäßig überprüft und gegebenenfalls breiter aufgestellt werden.
Gleichzeitig machten die Vorträge deutlich, dass Veränderungen der internationalen Ordnung nicht ausschließlich Risiken mit sich bringen. Neue Handelsbeziehungen, stärkere europäische Kooperation und zusätzliche Märkte können für Unternehmen auch Chancen eröffnen. Der Tenor des Abends lautete deshalb: Risiken erkennen – und daraus konkrete Entscheidungen ableiten.
Der Wirtschaftsdialog wird seit 2023 gemeinsam von WIN, WVS und Wirtschaftsforum Greven am Flughafen Münster/Osnabrück organisiert. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Entscheiderinnen und Entscheider aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft und soll unterschiedliche Perspektiven auf aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen zusammenbringen.
Unterstützt wurde die vierte Ausgabe von der Kreissparkasse Steinfurt, der Sparkasse Münsterland Ost und der Provinzial. Zu den weiteren Unterstützern gehörten L&S GmbH & Co. KG, BDO Germany und DMO GmbH. Nach den Vorträgen konnten die Teilnehmer die Themen bei Gesprächen und Networking weiter vertiefen.






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