
Münsterland. Viele Ausbildungsbetriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region können ihre freien Stellen nicht vollständig besetzen. Etwas mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen meldete unbesetzte Ausbildungsplätze.
Als Hauptgrund nennen die Betriebe fehlende geeignete Bewerberinnen und Bewerber. Laut einer Ausbildungsumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer gaben 70 Prozent der betroffenen Unternehmen im Bezirk der IHK Nord Westfalen an, keine passenden Kandidaten gefunden zu haben.
Die Probleme betreffen nach Einschätzung der Unternehmen nicht nur schulische Kenntnisse. Vielmehr sehen viele Betriebe auch Defizite bei persönlichen Voraussetzungen wie Motivation, Disziplin und Belastbarkeit.
Insgesamt stellten 92,8 Prozent der befragten Unternehmen Mängel bei der Ausbildungsreife fest. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 84,1 Prozent. Damit ist der Wert innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen.
Besonders häufig nennen die Unternehmen Schwierigkeiten bei der Belastbarkeit und der mentalen Leistungsfähigkeit. Mehr als die Hälfte bewertet Defizite bei der Belastbarkeit als häufig oder sehr häufig.
Auch fehlende Disziplin und Motivation werden kritisch gesehen. Hinzu kommen Probleme bei sprachlichen und mathematischen Grundkenntnissen. Rund jeder dritte Betrieb berichtet laut IHK häufig von Schwächen beim Ausdrucksvermögen oder in Mathematik.
Vergleichsweise positiv fällt dagegen die Einschätzung der Teamfähigkeit aus. In diesem Bereich beobachten die Unternehmen deutlich seltener größere Schwierigkeiten.
Carsten Taudt, Leiter des Geschäftsbereichs Bildung, Fachkräftesicherung und Recht bei der IHK Nord Westfalen, sieht deshalb eine Verschiebung der Herausforderungen. Entscheidend sei zunehmend nicht nur die Zahl der Bewerbungen, sondern auch die Frage, ob die Bewerber den Anforderungen einer Ausbildung gewachsen seien.
Viele Ausbildungsbetriebe versuchen, fehlende Kenntnisse selbst auszugleichen. Rund 40,7 Prozent der befragten Unternehmen bieten ihren Auszubildenden betriebsinterne Nachhilfe an.
Weitere 30,4 Prozent setzen bereits vor dem eigentlichen Ausbildungsbeginn auf vorbereitende Maßnahmen. Dadurch sollen Wissenslücken geschlossen und der Einstieg in den Berufsalltag erleichtert werden.
Nach Einschätzung der IHK stößt dieses Engagement jedoch an Grenzen. Rund jedes fünfte Unternehmen gab an, leistungsschwächere Jugendliche unter den bestehenden Bedingungen nicht ausreichend fördern und in den Betrieb integrieren zu können.
Die IHK fordert deshalb, dass mehr junge Menschen mit den erforderlichen Grundlagen in eine Ausbildung starten. Betriebe sollten bei Schwierigkeiten frühzeitig die Ausbildungsberatung der Kammer nutzen.
Außerdem verweist die IHK Nord Westfalen auf die Assistierte Ausbildung der Bundesagentur für Arbeit. Das Angebot soll Jugendliche und Betriebe vor und während einer Berufsausbildung unterstützen.
Die Umfrage zeigt, dass der Ausbildungsmarkt nicht allein unter einem Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern leidet. Gleichzeitig wächst aus Sicht vieler Unternehmen die Sorge, dass grundlegende fachliche oder persönliche Voraussetzungen fehlen.
Damit verschärft sich auch der Fachkräftemangel im Münsterland. Bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt, fehlen den Betrieben später qualifizierte Beschäftigte. Zugleich sinken für junge Menschen die Chancen auf einen erfolgreichen Berufsstart, wenn schulische oder persönliche Grundlagen nicht ausreichen.
Aktuelle Zahlen zu den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zum Ausbildungsstart am 1. August will die IHK Nord Westfalen voraussichtlich am 29. Juli veröffentlichen.
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