
Münster. In Gievenbeck wird eine Verkehrsentscheidung zum Stimmungstest für Münsters Verkehrspolitik. Gegen den geplanten Umbau des Kreisverkehrs an der Von-Esmarch-Straße, Roxeler Straße und Busso-Peus-Straße zu einer Ampelkreuzung läuft eine Online-Petition. Nach Angaben der Petitionsseite zählt der Aufruf inzwischen 1.074 verifizierte Unterschriften. Der Titel ist unmissverständlich: „Den Kreisverkehr sicherer gestalten, Ampelkreuzung verhindern“.
Der Protest richtet sich nicht gegen mehr Verkehrssicherheit. Genau darin liegt seine politische Stärke. Die Petition fordert nicht, alles zu lassen, wie es ist. Sie verlangt, den Kreisverkehr zu erhalten und so umzubauen, dass er sicherer wird. Damit stellt sie die entscheidende Frage: Muss Münster einen bestehenden Kreisverkehr wirklich aufgeben, oder wäre eine bessere Lösung im Bestand möglich?
Der Zeitpunkt ist brisant. Nach jahrelanger Diskussion rückt eine Entscheidung für die Ampelkreuzung näher. Die SPD unterstützt die Linie von Verwaltung und Oberbürgermeister, Grüne und Volt wollen die Entscheidung nicht weiter blockieren. Zuvor hatte bereits die Bezirksvertretung Münster-West den Umbau empfohlen. Damit schien der politische Weg für die Ampel weitgehend frei.
Nun kommt der Widerspruch aus dem Stadtteil. Mehr als 1.000 verifizierte Unterschriften sind noch keine Mehrheit der Stadtgesellschaft, aber sie sind deutlich mehr als ein Randgeräusch. Die Petition zeigt, dass der Umbau nicht nur in Ausschüssen umstritten ist. Er bewegt Menschen, die diesen Knotenpunkt täglich nutzen und die Folgen der Entscheidung unmittelbar spüren würden.
Die Stadt kann ihre Position auf eine ernste Unfalllage stützen. Der Kreisverkehr ist seit Jahren auffällig. Laut städtischer Berichtsvorlage ist er seit 2002 in Betrieb und wurde bereits 2004 erstmals unfallauffällig. Seit 2018 liegt demnach durchgehend eine Unfallhäufungsstelle vor. Für den Zeitraum von 2018 bis 2023 registrierte die Polizei mehr als 60 Unfälle mit 29 verletzten Verkehrsteilnehmenden. Alle Verletzten waren mit einem Zweirad unterwegs, 25 davon mit dem Fahrrad.
Das ist das stärkste Argument der Ampel-Befürworter. Wer den Umbau unterstützt, verweist auf Konflikte zwischen Kraftfahrzeugen und Radfahrenden beim Einfahren und Verlassen des Kreisverkehrs. Frühere Sofortmaßnahmen wie Markierungen und Rüttelstreifen konnten die Lage nach Darstellung der Verwaltung nicht dauerhaft entschärfen. Die Unfallkommission hält den Umbau zu einem signalisierten Knotenpunkt deshalb für notwendig.
Genau an diesem Punkt setzt die Petition an. Sie bestreitet nicht, dass der Knoten gefährlich ist. Sie bestreitet, dass die Ampel zwangsläufig die beste Antwort sein muss. Die Befürworter eines erhaltenen Kreisverkehrs wollen eine bauliche Verbesserung mit klarerer Radverkehrsführung, besseren Querungen und entschärften Ausfahrten. Auch Grüne und Volt hatten zuletzt erklärt, dass sie einen optimierten Kreisverkehr weiterhin für fachlich vertretbar halten, für diese Lösung aber keine Mehrheit sehen.
Damit wird der Streit präziser. Es geht nicht um Sicherheit gegen Bequemlichkeit. Es geht um zwei unterschiedliche Vorstellungen von Sicherheit. Die eine setzt auf Ampeln, getrennte Verkehrsströme und eindeutige Signale. Die andere setzt auf einen umgebauten Kreisverkehr, der flüssiger bleibt und trotzdem die gefährlichen Konfliktpunkte entschärfen soll.
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