Mehr neue Wohnungen in Münster, aber viele Projekte warten noch

Münster legt fest, wie der sogenannte Bauturbo angewendet wird. Ziel sind schnellere Genehmigungen und mehr Wohnraum.
Foto: Caroline Muffert

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Münster. Der Wohnungsbau in Münster hat im vergangenen Jahr wieder spürbar an Tempo gewonnen. Nach einer schwächeren Phase wurden 2025 in der Stadt 1.402 Wohnungen fertiggestellt. Das waren knapp 26 Prozent mehr als 2024, als 1.115 Wohnungen gemeldet worden waren. Auch bei den Genehmigungen zeigt die Kurve nach oben: 1.831 Wohnungen wurden 2025 genehmigt, nach 1.524 im Vorjahr. Die neuen Zahlen, die die Stadt Münster jetzt vorgelegt hat, deuten damit auf eine vorsichtige Erholung in einem Markt hin, der in den vergangenen Jahren unter hohen Baukosten, gestiegenen Zinsen und schwierigen Rahmenbedingungen gelitten hatte.

Noch wichtiger als das reine Plus bei den Fertigstellungen ist aber ein zweiter Befund. In Münster ist der Bedarf an Wohnraum weiterhin hoch, und ein großer Teil des bereits geplanten Wohnungsbaus ist noch nicht realisiert. Ende 2025 lag der sogenannte Bauüberhang bei 4.154 Wohnungen. Das heißt: Für diese Wohnungen gibt es bereits eine Genehmigung, sie sind aber noch nicht fertig. 1.583 davon waren bereits im Bau, fast die Hälfte sogar schon rohbaufertig. Für den Wohnungsmarkt bedeutet das zweierlei zugleich: Die Bautätigkeit zieht wieder an, doch viele Wohnungen, die rechnerisch schon in der Pipeline sind, fehlen den Wohnungssuchenden bisher weiterhin ganz konkret.

Mehrfamilienhäuser prägen den Aufschwung

Der Zuwachs verteilt sich nicht gleichmäßig über alle Bauformen. Der Wohnungsbau in Münster wird weiterhin klar von größeren Projekten getragen. Von den 1.402 fertiggestellten Wohnungen entfielen 1.197 auf Neubauten. Weitere 205 Wohnungen entstanden durch Umbauten im Bestand. Besonders deutlich ist die Dominanz des Geschosswohnungsbaus: 1.060 der neu gebauten Wohnungen wurden in Mehrfamilienhäusern geschaffen, nur 137 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Auch bei den Genehmigungen zeigt sich dasselbe Bild. Von den 1.831 genehmigten Wohnungen sollen 1.475 als Neubauten entstehen, 356 durch Umnutzungen oder Umbauten.

Das ist eine Entwicklung, die gut zur Lage in vielen Städten passt. Gerade in wachsenden Kommunen wird zusätzlicher Wohnraum heute vor allem dort geschaffen, wo dichter gebaut werden kann. Für Münster ist das keine Nebensache, sondern Ausdruck eines strukturellen Wandels: Wer in einer Stadt mit anhaltendem Flächendruck noch nennenswerte Wohnungszahlen erreichen will, kommt am Mehrfamilienhaus kaum vorbei. Auch landesweit war 2025 bei den Baugenehmigungen in Nordrhein-Westfalen eine leichte Erholung zu sehen. Im ersten Halbjahr wurden 20.489 Wohnungen genehmigt, das waren 3,5 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Regierungsbezirk Münster lag das Plus bei 1,4 Prozent.

Besonders viele neue Wohnungen in Gievenbeck und Gremmendorf

Innerhalb der Stadt zeigt sich, wo 2025 besonders viel Bewegung war. Die meisten fertiggestellten Wohnungen verzeichnete Münster in Gievenbeck mit 291 Einheiten. Dahinter folgen Gremmendorf-West mit 165 und Coerde mit 71 Wohnungen. Nach Stadtbezirken gerechnet lag Münster-Mitte mit 395 fertiggestellten Wohnungen vorn, gefolgt vom Westen mit 382 und dem Südosten mit 263. Diese Zahlen zeigen, dass sich das Wachstum nicht auf einen einzigen Hotspot beschränkt, sondern mehrere Teile der Stadt betrifft. Gleichzeitig wird daran sichtbar, wie stark einzelne Quartiere die Jahresbilanz beeinflussen können. Wenn dort größere Projekte abgeschlossen werden, wirkt sich das sofort auf die Gesamtzahl aus.

Für die politische Debatte in Münster ist das relevant. Denn Wohnungsbau wird nicht nur an der Gesamtmenge gemessen, sondern auch daran, wo er entsteht und welche Folgen das für Infrastruktur, Nahverkehr, Kitas, Schulen und das soziale Gefüge in den Vierteln hat. Gerade in wachsenden Quartieren ist deshalb nicht nur entscheidend, wie viele Wohnungen neu entstehen, sondern ob das Umfeld mitwächst.

Viele Projekte sind geplant, aber noch nicht auf dem Markt

Die jetzt vorgelegten Zahlen lassen sich daher auch als Warnsignal lesen. Zwar meldet die Stadt mehr Fertigstellungen und mehr Genehmigungen, doch der Bauüberhang bleibt hoch. Das ist ein Hinweis darauf, dass zwischen Planung, Genehmigung und tatsächlicher Fertigstellung weiterhin viel Zeit vergeht. Für Menschen, die in Münster bezahlbaren Wohnraum suchen, zählt am Ende nicht die Zahl genehmigter Projekte, sondern die Zahl der Wohnungen, die tatsächlich bezogen werden können. Genau an dieser Stelle bleibt die Lage angespannt.

Der Blick auf Nordrhein-Westfalen macht deutlich, wie schwierig das Umfeld noch immer ist. 2024 war die Zahl der fertiggestellten Wohnungen landesweit um 14,8 Prozent auf 41.025 gesunken. Die Wohnungsbauquote in NRW lag nur noch bei 22,8 fertiggestellten Wohnungen je 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Münster kam 2024 mit 34,4 zwar auf einen höheren Wert als der Landesschnitt, doch auch das ändert nichts daran, dass die Wohnungsknappheit in vielen Städten inzwischen deutlich schneller spürbar ist als statistische Erholungen im Baugeschehen.

Rekord bei gefördertem Wohnraum liefert zusätzlichen Impuls

Ein besonders wichtiger Teil der Entwicklung betrifft den öffentlich geförderten Wohnungsbau. Auch hier meldet Münster für 2025 einen Höchststand. Die Stadt bewilligte Fördermittel des Landes in Höhe von rund 81 Millionen Euro für 650 Wohneinheiten. Im Vorjahr waren es noch rund 60 Millionen Euro für 273 Wohnungen. Einen großen Anteil daran hatten kleinere Apartments und Wohnheimplätze für Auszubildende und Studierende. Allein in diesem Bereich kamen 469 Plätze beziehungsweise Wohnungen in die Förderung.

Das ist für Münster von besonderer Bedeutung, weil der Wohnungsmarkt seit Jahren auch durch die hohe Nachfrage junger Menschen, Studierender und Berufseinsteiger geprägt ist. Wenn in diesem Segment zusätzlicher, geförderter Wohnraum entsteht, kann das den Druck auf andere Teile des Marktes zumindest etwas mindern. Die Rekordförderung ist deshalb mehr als eine Nebennachricht. Sie zeigt, dass der Aufschwung im Wohnungsbau nicht nur im frei finanzierten Bereich gesucht wird, sondern auch dort, wo die Belastung durch hohe Mieten besonders stark spürbar ist.

Die Trendwende ist da, die Entlastung aber noch nicht

Die neuen Zahlen geben Münster Rückenwind, aber keine Entwarnung. Dass 2025 wieder mehr Wohnungen fertiggestellt und mehr neue Einheiten genehmigt wurden, ist für die Stadt ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass der Wohnungsbau nach schwierigen Jahren wieder Tritt fasst. Gleichzeitig bleibt die zentrale Herausforderung bestehen: Zwischen Genehmigung und Schlüsselübergabe liegt oft noch ein langer Weg, und genau diese Verzögerung entscheidet darüber, wann der Wohnungsmarkt tatsächlich entlastet wird.

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