Nur noch 37 Prozent tragen Fahrradhelm: BASt-Zahlen zeigen deutlichen Rückgang

Die BASt-Stichprobe zeigt sinkende Helmquoten im Radverkehr. Auch Münster war Erhebungsregion, junge Erwachsene tragen selten Helm.
Symbolbild: bady abbas aus unsplash

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Berlin/Münster. Die Helmquote im deutschen Radverkehr ist nach aktuellen Beobachtungen der Bundesanstalt für Straßenwesen deutlich gesunken. In der Stichprobe für das Jahr 2025 trugen über alle Altersgruppen hinweg nur noch 37,0 Prozent der beobachteten Radfahrenden einen Fahrradhelm. 2024 waren es noch 42,6 Prozent, 2023 sogar 44,4 Prozent. Damit ist die Quote zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen.

Auch Münster gehört zu den Regionen, in denen die BASt Beobachtungen vorgenommen hat. Neben Münster wurden unter anderem Duisburg, Potsdam, Amberg, Göppingen und Gotha einbezogen. Die Zahlen liefern keine eigene Münster-Quote, zeigen aber einen bundesweiten Trend aus einer Stichprobe, die auch in einer der bekanntesten Fahrradstädte Deutschlands erhoben wurde.

BASt beobachtete mehr als 13.000 Radfahrende

Grundlage der aktuellen Auswertung sind Beobachtungen von 13.116 Radfahrenden. Die BASt erfasste dabei sowohl Menschen auf herkömmlichen Fahrrädern als auch auf Pedelecs. Gezählt wurde an innerörtlichen Standorten in ausgewählten Regionen. Die Erhebung ist damit keine Vollerhebung des gesamten Radverkehrs in Deutschland, aber eine regelmäßig wiederholte Stichprobe, mit der Entwicklungen über mehrere Jahre sichtbar werden.

Der Rückgang ist vor allem deshalb auffällig, weil die Helmquote langfristig betrachtet deutlich höher liegt als noch vor vielen Jahren. Nach dem Höchstwert von 44,4 Prozent im Jahr 2023 fällt die aktuelle Quote jedoch spürbar niedriger aus. Die BASt spricht deshalb davon, dass die Helmtragequoten im Radverkehr hinter dem hohen Niveau der Vorjahre zurückgeblieben sind.

Kinder tragen weiterhin am häufigsten Helm

Am höchsten bleibt die Helmquote bei Kindern. In der Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen trugen 2025 rund 71,8 Prozent der beobachteten Kinder einen Fahrradhelm. Damit fahren weiterhin fast drei von vier Kindern mit Kopfschutz. Gleichzeitig ist auch in dieser Altersgruppe ein Rückgang erkennbar. 2024 hatte die Quote dort noch bei 84,9 Prozent gelegen.

Deutlich niedriger sind die Werte bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Bei den 17- bis 21-Jährigen lag die Helmquote 2025 nur bei 20,1 Prozent. Damit trug in dieser Gruppe nur etwa jede fünfte beobachtete Person einen Helm. Auch bei den 22- bis 30-Jährigen blieb die Quote mit 21,8 Prozent niedrig.

Keine Helmpflicht in Deutschland

Eine allgemeine Helmpflicht für Radfahrende gibt es in Deutschland nicht. Das gilt auch für Kinder. Der ADFC Münsterland weist darauf hin, dass weder Erwachsene noch Kinder beim Fahrradfahren gesetzlich zum Helm verpflichtet sind. Zugleich kann ein Helm nach Einschätzung des Verbandes sinnvoll sein, um den Kopf bei einem Sturz vor Verletzungen zu schützen. Entscheidend ist dabei auch, dass der Helm richtig sitzt und korrekt getragen wird.

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club empfiehlt Fahrradhelme besonders für Kinder, ältere Menschen und sportlich ambitionierte Radfahrende. Gleichzeitig betont der Verband, dass Helme sichere Radwege, Verkehrsberuhigung und eine gute Infrastruktur nicht ersetzen. Ein Helm kann Unfallfolgen abmildern, verhindert aber nicht den Unfall selbst.

Infrastruktur bleibt zentral für die Verkehrssicherheit

Die aktuellen Zahlen berühren deshalb eine grundsätzliche Frage der Verkehrssicherheit. Wer Rad fährt, kann sich mit einem Helm individuell schützen. Für mehr Sicherheit im Alltag braucht es jedoch auch Bedingungen, die gefährliche Situationen vermeiden. Dazu gehören übersichtliche Kreuzungen, ausreichend breite Radwege, sichere Führungen an Einmündungen und weniger Konflikte mit dem Autoverkehr.

Gerade in Städten mit viel Radverkehr ist diese Unterscheidung wichtig. Münster steht beispielhaft für eine Stadt, in der das Fahrrad für viele Menschen zum Alltag gehört. Wenn viele Wege mit dem Rad zurückgelegt werden, betrifft die Frage nach Helm, Infrastruktur und gegenseitiger Rücksichtnahme nicht nur einzelne Freizeitfahrten, sondern den täglichen Verkehr zur Schule, zur Universität, zur Arbeit oder in die Innenstadt.

Rückgang zeigt verändertes Verhalten

Warum weniger Menschen einen Helm tragen, lässt sich aus der BASt-Stichprobe allein nicht ableiten. Die Zahlen zeigen zunächst nur das beobachtete Verhalten. Möglich sind unterschiedliche Gründe: kurze Alltagswege, Gewohnheit, Komfort, Wetter, persönliche Risikoeinschätzung oder die Annahme, auf vertrauten Strecken keinen Helm zu brauchen. Belastbare Aussagen zu den Motiven enthält die vorliegende Stichprobe nicht.

Klar ist aber: Die Nutzung von Fahrradhelmen entwickelt sich nicht automatisch weiter nach oben. Besonders bei jungen Erwachsenen bleibt die Quote niedrig. Während Kinder vergleichsweise häufig mit Helm unterwegs sind, verliert der Kopfschutz in späteren Altersgruppen deutlich an Selbstverständlichkeit. Die BASt-Daten machen damit sichtbar, dass Verkehrssicherheit im Radverkehr weiter ein Thema bleibt, sowohl beim individuellen Schutz als auch bei der Gestaltung sicherer Straßenräume.

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