
Münster/Wiesbaden. Für den SC Preußen Münster beginnt am Samstag die neue Saison in der 3. Liga. Um 14 Uhr tritt der Zweitliga-Absteiger beim SV Wehen Wiesbaden in der BRITA Arena an. Für Thomas Wörle ist es zugleich das erste Pflichtspiel als Trainer der Adlerträger. Nach sechs Wochen Vorbereitung ist die Vorfreude beim neuen Coach entsprechend groß. „Ich spüre natürlich eine Vorfreude auf den Auftakt, die will ich auch vorleben. Dazu eine Neugier auf das, was kommt. Und ein Kribbeln, eine gute Anspannung“, sagt Wörle.
Der Preußen-Trainer erwartet zum Auftakt einen schwierigen Gegner. Wiesbaden sei eingespielt, in seinen Abläufen weit und könne sowohl mit als auch gegen den Ball Kontrolle entwickeln. Wörle zählt den SVWW deshalb zu den Aufstiegskandidaten der neuen Saison. Die Hessen selbst formulieren ihre Ziele ebenfalls ambitioniert. Nach Platz neun in der vergangenen Spielzeit soll es 2026/27 wieder weiter nach oben gehen. Neu im Kader sind unter anderem Max Brandt, Sinan Karweina und Philipp Hercher. Mit Fatih Kaya und Rekordspieler Sascha Mockenhaupt haben allerdings auch zwei wichtige Akteure den Verein verlassen.
Auch Wiesbadens Trainer Daniel Scherning schätzt Münster hoch ein. Wegen des Trainerwechsels und der zahlreichen Veränderungen sei der SCP zwar schwer einzuschätzen, der Kader gehöre für ihn aber „zu den stärksten der Liga“. Damit gehen beide Mannschaften mit großem gegenseitigem Respekt in den Auftakt. Wiesbaden will vor eigenem Publikum von Beginn an intensiv und offensiv auftreten, während Münster nach dem Abstieg zunächst wieder Stabilität in der 3. Liga finden will.
Thomas Wörle muss zum Saisonstart auf Simon Scherder, Malik Batmaz, Marvin Schulz und Luca Bolay verzichten. Alle anderen Spieler sind einsatzbereit, sodass der Trainer bei Kader und Startelf mehrere Optionen hat. Wiesbaden fehlen dagegen Florian Hübner und Donny Bogicevic. Besonders der Ausfall Hübners wiegt schwer, denn der erfahrene Innenverteidiger wurde unmittelbar vor dem Saisonstart zum neuen Kapitän des SVWW bestimmt.
Bei Preußen wird Niko Koulis die neu formierte Mannschaft erstmals als Kapitän in ein Pflichtspiel führen. Der Innenverteidiger spielt seit 2022 in Münster und gehört zu den wenigen Profis, die den Weg von der Regionalliga über die 2. Bundesliga bis zurück in die 3. Liga komplett miterlebt haben. Eine besondere Begegnung wird die Partie auch für Ryan Johansson. Der 25-Jährige wechselte in diesem Sommer direkt von Wehen Wiesbaden zum SCP und absolvierte zuvor 72 Spiele für den SVWW.
Im Angriff spricht einiges für einen Startelfeinsatz von Felix Higl. Der erst Ende Juli verpflichtete Mittelstürmer kennt Wörle bereits aus gemeinsamen Zeiten beim SSV Ulm. Da Malik Batmaz verletzt fehlt, könnte Higl unmittelbar eine wichtige Rolle übernehmen. Bei seinem Preußen-Debüt gegen Southampton traf der 29-Jährige bereits nach 13 Minuten. Die Generalprobe gegen den englischen Zweitligisten verlor Münster zwar mit 1:2, zeigte dabei aber über weite Strecken eine ordentliche Leistung.
Die Testspiele gegen Hannover 96 und Southampton gaben bereits Hinweise auf Wörles bevorzugtes System. Der Trainer setzte bei den stärkeren Formationen jeweils auf eine Dreierkette mit flexiblen Außenpositionen und drei offensiv ausgerichteten Spielern. Morten Behrens gilt nach der Ausleihe von Johannes Schenk als Favorit auf den Platz im Tor. In der Offensive dürften Joshua Mees und Felix Higl gute Chancen auf die Startelf haben. Um einen weiteren Platz konkurrieren unter anderem Ryan Johansson, Montell Ndikom und Mika Stuhlmacher.
Mit Wehen Wiesbaden wartet zum Auftakt ausgerechnet der Spitzenreiter der ewigen Tabelle der eingleisigen 3. Liga. Der SVWW kommt auf 568 Spiele und 834 Punkte und ist damit statistisch der erfolgreichste Klub der Spielklasse. Auch die direkte Bilanz fällt für Münster eher durchwachsen aus. Von 16 Drittligaduellen gewann Preußen vier, sieben endeten unentschieden und fünf gingen verloren. In Wiesbaden gelang dem SCP in acht Spielen nur ein Sieg. Das bisher letzte Duell gewann der SVWW im März 2019 mit 2:0.
Unterstützung erhält die Mannschaft von Thomas Wörle von 1.319 mitreisenden Preußen-Fans. Sie erleben den ersten Pflichtspielauftritt der neu zusammengestellten Mannschaft nach dem Abstieg. Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt anschließend nicht: Nach dem Ligastart folgen das Westfalenpokalspiel in Vreden und das erste Heimspiel gegen den FC Ingolstadt. Der Auftritt in Wiesbaden wird damit zur ersten echten Standortbestimmung für den neuen SCP.
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