
Münster. Ein Münsteraner Startup will leerstehende Schweineställe für den regionalen Anbau von Kräutern und Gemüse einsetzen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert Stallgrün dafür mit 125.000 Euro, wie die DBU mitteilt.
Damit verbindet das Unternehmen zwei Entwicklungen, die für Landwirtschaft und Ernährung zunehmend wichtig werden. Einerseits stehen viele Betriebe nach dem Rückgang der Schweinehaltung vor der Frage, wie sie vorhandene Gebäude weiter nutzen können. Andererseits wächst der Bedarf an regional erzeugten Lebensmitteln, die nicht über lange Strecken transportiert werden müssen.
Das Startup Stallgrün aus Münster hat ein Konzept entwickelt, mit dem ehemalige Tierställe zu Produktionsorten für Kräuter und Gemüse werden können. Dafür erhält das Unternehmen eine Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Höhe von 125.000 Euro. Nach Angaben der DBU soll die Idee dazu beitragen, vorhandene landwirtschaftliche Infrastruktur weiter zu nutzen und zugleich regionale Lebensmittelproduktion zu stärken.
Der Ansatz setzt bei einem Strukturwandel an, der viele landwirtschaftliche Betriebe betrifft. Die Zahl der Betriebe mit Schweinehaltung ist in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Deshalb stehen vielerorts Gebäude leer, die solide gebaut und gut isoliert sind. Stallgrün sieht darin eine Chance, weil solche Räume für kontrollierten Anbau genutzt werden können.
Das Startup will dort Pflanzen unabhängig von Wetter und Jahreszeit anbauen lassen. Dadurch könnten Kräuter und Gemüse auch dann regional verfügbar sein, wenn ein Anbau im Freiland nicht möglich ist. Zugleich sollen Gewächshausflächen, Transportwege und damit verbundene Emissionen reduziert werden. Für landwirtschaftliche Betriebe kann daraus ein zusätzliches Geschäftsfeld entstehen. Die DBU bewertet die Weiternutzung bestehender Gebäude deshalb auch als Beitrag gegen zusätzliche Flächenversiegelung.
Stallgrün setzt beim Indoor Farming auf automatisierte Technik. Nach Angaben der Gründer wurde während der Förderung zunächst eine Anlage entwickelt, die Bewässerung, Düngung, Licht und Klima steuert. Das System wurde demnach auf einer Pilotfarm erprobt. Aus den Ergebnissen leitet das Startup ab, dass der Anbau in früheren Schweineställen wirtschaftlich interessant sein kann.
Ein weiterer Bestandteil des Konzepts sind sogenannte Anbauprotokolle. Darin werden für geeignete Kräuter und Gemüsearten wichtige Parameter festgelegt. Dazu gehören Saatgut, Erde, Dünger, Licht, Bewässerung und weitere Bedingungen. Landwirte sollen dadurch leichter einschätzen können, wie sie den Einstieg in die neue Nutzung schaffen.
Außerdem will Stallgrün Betriebe nicht nur bei der Technik unterstützen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben auch Angebote für Anbaumaterial, Vermarktung und Verwaltung entwickelt. Damit richtet sich das Startup an landwirtschaftliche Betriebe in ganz Deutschland. Für Münster ist die Förderung zugleich ein Beispiel dafür, wie regionale Gründungen auf Veränderungen in Landwirtschaft und Ernährung reagieren.
Stallgrün betont, dass Indoor Farming den klassischen Ackerbau oder den Gewächshausanbau nicht ersetzen soll. Vielmehr gehe es um eine Ergänzung. Wo vorhandene Gebäude, Technik und möglicherweise Photovoltaik genutzt werden können, entsteht ein zusätzlicher Baustein für regionale Lebensmittel. Gerade bei saisonabhängigen Produkten kann das Verfahren deshalb neue Spielräume eröffnen.
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