Warum Adipositas auch ohne Diabetes ein Gesundheitsrisiko bleibt

Adipositas in Deutschland: Eine wachsende Epidemie und ihre Bekämpfung Die zunehmende Herausforderung von Übergewicht
Ehimetalor Akhere

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Adipositas Risiko Deutschland: Eine aktuelle Auswertung der UK Biobank rückt eine verbreitete Annahme in ein neues Licht. Starkes Übergewicht gilt nicht erst dann als problematisch, wenn bereits Diabetes, Bluthochdruck oder schlechte Blutfettwerte hinzukommen. Auch Menschen mit Adipositas und unauffälligen Stoffwechselwerten hatten in der Studie ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzschwäche, Fettlebererkrankungen und eine erhöhte Sterblichkeit.

Mehr als der BMI entscheidet über das Risiko

Die Studie wurde im März 2026 im Fachjournal „American Journal of Preventive Cardiology“ veröffentlicht. Ausgewertet wurden Daten von 157.159 Menschen aus der UK Biobank. Zu Beginn waren die Teilnehmenden frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und nicht untergewichtig. Die Forschenden verglichen Normalgewicht, Übergewicht und Adipositas mit der Frage, ob zusätzlich mindestens eine metabolische Auffälligkeit vorlag. Dazu zählten Bluthochdruck, Diabetes oder auffällige Blutfettwerte.

Das Ergebnis ist medizinisch relevant, weil es die Vorstellung einer „gesunden Adipositas“ begrenzt. Bei Männern mit Adipositas, aber ohne metabolische Auffälligkeit, lag das Risiko für atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 46 Prozent höher als bei normalgewichtigen Männern ohne solche Auffälligkeiten. Bei Frauen lag der Wert um 34 Prozent höher. Auch das Risiko für Herzschwäche, Fettlebererkrankungen und die Gesamtsterblichkeit war erhöht.

Warum „metabolisch gesund“ nicht dauerhaft sicher bedeutet

Der Begriff „metabolisch gesund“ kann missverständlich sein. Er bedeutet nicht, dass starkes Übergewicht folgenlos bleibt. Gemeint ist zunächst nur, dass bestimmte Messwerte wie Blutdruck, Blutzucker oder Blutfette noch nicht auffällig sind. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft beschreibt diesen Zustand als Übergangsphänomen: Mit zunehmendem Alter werde die Gruppe adipöser Menschen ohne Stoffwechselstörungen deutlich kleiner. Bei 60-jährigen Frauen mit Adipositas seien nur noch etwa zehn Prozent metabolisch gesund, bei Männern etwa fünf Prozent.

Für Deutschland ist das Thema besonders relevant. Nach Daten des Robert Koch-Instituts waren 2019/2020 rund 53,5 Prozent der Erwachsenen übergewichtig, die Adipositasprävalenz lag bei 19 Prozent. Männer waren häufiger übergewichtig als Frauen, Adipositas betraf beide Geschlechter ähnlich häufig.

Behandlung beginnt nicht erst bei Folgeerkrankungen

Die neue Studie spricht nicht dafür, Menschen allein über ihr Gewicht zu bewerten. Der BMI bleibt nur ein grober Orientierungswert. Die Deutsche Adipositas Gesellschaft weist selbst darauf hin, dass sportliche Menschen einen erhöhten BMI haben können, ohne tatsächlich zu viel Körperfett zu haben. Außerdem sagt ein erhöhter BMI allein nichts über Ursache oder passende Therapie aus.

Wichtig ist deshalb die medizinische Gesamtbetrachtung: Gewicht, Fettverteilung, Blutdruck, Blutzucker, Blutfette, Leberwerte, körperliche Leistungsfähigkeit und individuelle Vorgeschichte gehören zusammen. Die Studie macht aber klar, dass unauffällige Blutwerte kein Freibrief sind. Adipositas kann auch vor sichtbaren Stoffwechselproblemen bereits ein eigenständiges Gesundheitsrisiko sein.

Der Befund verändert die Prävention

Die wichtigste Konsequenz liegt in der Prävention. Wer starkes Übergewicht erst dann behandelt, wenn Diabetes, Bluthochdruck oder Herzprobleme auftreten, setzt zu spät an. Die Forschenden sehen ihre Ergebnisse als Hinweis darauf, Adipositas möglichst früh zu verhindern oder zu behandeln, bevor zusätzliche Stoffwechselstörungen entstehen.

Damit verschiebt sich der Blick: Es geht nicht um Alarmismus und auch nicht um Stigmatisierung. Es geht um eine nüchterne gesundheitliche Einordnung. Adipositas ist kein harmloser Zustand, nur weil einzelne Laborwerte noch normal sind. Gerade dieser scheinbar unauffällige Zwischenzustand kann der Moment sein, in dem Prävention noch besonders viel bewirken kann.

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