NRW startet Sanierungsoffensive für Straßen, Brücken und Radwege

Schifffahrter Damm Münster
Foto: Andreas Lischka

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NRW will den Sanierungsstau bei Straßen, Brücken, Tunneln und Radwegen deutlich schneller abbauen. Für das Jahr 2026 plant das Land Investitionen von rund 500 Millionen Euro in den Erhalt der Straßeninfrastruktur. Grundlage sind Landesmittel, reguläre Bundesmittel und zusätzliches Geld aus dem Sondervermögen des Bundes. Verkehrsminister Oliver Krischer verweist darauf, dass über Jahrzehnte zu wenig in die Infrastruktur investiert worden sei. Die Folgen seien inzwischen an vielen Stellen sichtbar.

3,5 Milliarden Euro für die Infrastruktur bis 2036

Mit dem sogenannten Nordrhein-Westfalen-Plan sollen in den kommenden Jahren insgesamt 3,5 Milliarden Euro zusätzlich in Landes- und Kommunalstraßen fließen. Das Geld ist für Fahrbahnen, Brücken, Tunnel sowie Rad- und Gehwege vorgesehen. Zwei Milliarden Euro sollen direkt den Kommunen zugutekommen. Städte, Kreise und Gemeinden sollen damit eigene Sanierungsprojekte schneller umsetzen können.

Für 2026 liegt nun erstmals eine konkrete Maßnahmenliste vor. Aus dem Sondervermögen fließen 60 Millionen Euro in Landesstraßen. Finanziert werden damit unter anderem 23 Brücken, 15 Fahrbahnsanierungen und mehrere Tunnelsanierungen. Viele Fahrbahnprojekte sollen zugleich mit Verbesserungen für den Radverkehr verbunden werden.

Landesstraßen, Bundesstraßen und kommunale Projekte im Fokus

Neben den 60 Millionen Euro aus dem Sondervermögen stellt NRW im Landeshaushalt weitere 235 Millionen Euro für den Erhalt von Landesstraßen bereit. Das sind vier Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Für Brücken und Tunnel an Bundesstraßen in NRW sind 2026 rund 82 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommen 89 Millionen Euro aus dem regulären Bundeshaushalt für Fahrbahnsanierungen an Bundesstraßen.

Auch die kommunale Straßeninfrastruktur soll langfristig gestärkt werden. Ab 2026 wird die Förderung über elf Jahre mit 700 Millionen Euro Landesmitteln abgesichert. Zusätzlich stehen bis 2036 zwei Milliarden Euro Bundesmittel bereit. Förderfähig sind unter anderem Straßen, Brücken, Radwege, Gehwege, Kreuzungen, Tunnelsicherheit und Verkehrsleitsysteme.

Viele Brücken sind rund 50 Jahre alt

Der Handlungsdruck ist groß. In der Zuständigkeit von Straßen.NRW befinden sich 2.583 Brücken an Bundesstraßen und 3.839 Brücken an Landesstraßen. Viele Bauwerke stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Sie wurden für deutlich geringere Verkehrsbelastungen geplant als heute. Das durchschnittliche Alter der Brücken liegt bei etwa 50 Jahren.

Bereits 2023 hatte Verkehrsminister Krischer einen 11-Punkte-Plan vorgestellt. Ein zentrales Ziel lautet, innerhalb von zehn Jahren 400 Brücken durch Ersatzneubauten zu sanieren. Für 2026 nimmt NRW 42 Brückenersatzneubauten an Bundes- und Landesstraßen neu ins Programm auf. Das Gesamtvolumen liegt bei 216,5 Millionen Euro.

Schnellere Verfahren sollen Bauzeiten verkürzen

Die Landesregierung will nicht nur mehr Geld investieren, sondern auch schneller bauen. Ein veränderter Ausschreibungsmodus soll dafür sorgen, dass Projekte zügiger umgesetzt werden können. Straßen.NRW gibt dabei die Rahmenbedingungen und Anforderungen vor. Die konkrete Planung und technische Ausführung kann in größeren Teilen vom Bauunternehmen entwickelt werden.

Ein Beispiel ist der Ersatzneubau einer rund 85 Meter langen Brücke über eine Bahnstrecke an der L193 in Königswinter. Das Projekt soll mithilfe einer funktionalen Ausschreibung in nur zehn Monaten vom ersten Spatenstich bis zur Verkehrsfreigabe umgesetzt werden.

Radwege sind Teil der Sanierungsoffensive

Auch der Radverkehr spielt in den Planungen eine größere Rolle. Für Radwege an Landesstraßen stehen 2026 rund 38,55 Millionen Euro bereit. Das Geld soll in 74 Projekte fließen. Dazu gehören die Erhaltung bestehender Radwege, neue Radwege an Landesstraßen, Bürgerradwege und die Umnutzung stillgelegter Bahntrassen.

Damit verbindet das Land klassische Straßensanierung mit dem Ausbau nachhaltiger Mobilität. Gerade bei Fahrbahnsanierungen sollen Radwege häufiger mitgedacht werden, damit Baustellen nicht nur Schäden beseitigen, sondern die Infrastruktur insgesamt verbessern.

SPD spricht von Etikettenschwindel

Kritik kommt von der SPD. Sie wirft der Landesregierung vor, die Pläne als eigenen Erfolg darzustellen, obwohl viele Maßnahmen mit Bundesmitteln finanziert würden. Außerdem bemängelt die Opposition, dass der kommunale Straßenbau aus ihrer Sicht zurückgefahren worden sei.

Die Landesregierung stellt sich dennoch auf mehr Baustellen ein. Diese sollen nach ihrer Darstellung aber schneller zu sichtbaren Fortschritten führen. Für Bürgerinnen und Bürger dürfte das zunächst mehr Einschränkungen im Verkehr bedeuten. Langfristig soll die Infrastruktur jedoch verlässlicher, sicherer und moderner werden.

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