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Der mysteriöse Mord an Helga Mergelsberg: Ein Kapitalverbrechen?

Mord an Helga Mergelsberg: Oestrich-Winkel
Foto: Jonas Tebbe

Eine grausame Entdeckung am Rheinufer

Es war ein schockierender Fund im Februar 1994, der die Ermittler vor ein Rätsel stellte: Zwei Radfahrer entdeckten in der Nähe von Oestrich-Winkel am Rheinufer einen schweren Ledersack, der mit Bleigewichten beschwert war. Als sie den Sack aus dem Wasser zogen, stießen sie auf die Leiche einer Frau – das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Die Polizei ging von einem Verbrechen aus, doch zunächst gaben weder die Leiche noch die Fundsituation Hinweise auf die Identität des Opfers.

 

Das rätselhafte Verschwinden des Ehepaars Mergelsberg
Erst zehn Jahre später, im Jahr 2004, ergaben Gesichtsrekonstruktion und DNA-Abgleich, dass es sich bei der Toten um Helga Mergelsberg handelte. Sie und ihr Ehemann Heinz-Horst Mergelsberg, ein Finanzberater aus Frankfurt, galten seit Anfang 1994 als verschwunden. Das Paar führte ein Leben im Luxus, besaß eine Villa, mehrere Autos und unternahm viele Reisen. Heinz-Horst soll eine Investmentfirma namens „Mein Option Trading“ (MOT) in Frankfurt betrieben haben.

Das betrügerische Schneeballsystem des Finanzberaters

Die Ermittler gehen davon aus, dass Mergelsberg in seiner Firma ein betrügerisches Schneeballsystem aufgezogen hatte. Er soll Anleger mit vorgetäuschten Gewinnen getäuscht und so hohe Summen erschlichen haben. Besonders perfide: Helga Mergelsberg war es, die im Bekannten- und Freundeskreis Investoren anwarb. Viele legten dabei ihr gesamtes Vermögen bei MOT an. Als das System Anfang 1994 aufflog, drohte Mergelsberg die Festnahme wegen Kapitalanlagebetrugs in Millionenhöhe. Der Schaden wird auf rund 30 Millionen D-Mark geschätzt.

Die letzten Spuren des Paares

Die Ermittler gehen davon aus, dass Helga Mergelsberg zwischen dem 27. und 31. Januar 1994 ermordet wurde – nur wenige Tage nachdem das Schneeballsystem aufgeflogen war. Ihr Ehemann Heinz-Horst wurde noch Anfang Februar im französischen Ferienort Colmar unter dem Alias „Heinz Berger“ gesichtet. Offenbar wollte das Paar zunächst gemeinsam die Flucht ergreifen. Doch dann wurde die Ehefrau getötet – ob von Heinz selbst oder von anderen ist bis heute unklar. Ebenso rätselhaft ist, was danach mit dem Finanzbetrüger geschah.

Bis heute keine Aufklärung

Über 25 Jahre nach dem Mord an Helga Mergelsberg sind die Umstände ihres Todes und das Schicksal ihres Mannes Heinz-Horst weiterhin ungeklärt. Die Ermittler halten es für möglich, dass Mergelsberg selbst zum Opfer einer Racheaktion wurde, da er zahlreiche Anleger um ihr Vermögen gebracht hatte. Vielleicht wurde er von früheren Kunden oder Komplizen aus der Finanzwelt gejagt. Ebenso denkbar ist jedoch, dass er seine Frau selbst ermordete, um mit dem erbeuterten Geld abzutauchen. Bis heute gelang es nicht, entscheidende Hinweise auf seinen Verbleib zu finden.

Was damals wirklich geschah und wie die letzten Stunden und Tage von Helga und Heinz-Horst Mergelsberg verliefen, bleibt rätselhaft. Die Ermittler hoffen nach einem Vierteljahrhundert noch immer darauf, dass sich der Gordische Knoten in diesem bis dato ungelösten Kapitalverbrechen eines Tages doch noch lösen lässt.