
Ein jüdisches Sportfest in Israel, Raketenalarm in Tel Aviv und Sicherheitsängste in Deutschland: Die Langzeitdokumentation Deutsch. Jüdisch. Sicher? Maccabiah – Sportfest im Krieg begleitet vier Mitglieder von Makkabi Deutschland über fast drei Jahre. Das Erste zeigt am Samstag, 11. Juli 2026, von 18.25 bis 18.55 Uhr eine 30-minütige Fassung mit dem Untertitel Terror & Tischtennis. Auftraggeber ist der WDR, produziert wurde der Film von Banijay Productions Germany. Verantwortet wird die Dokumentation von Ann-Christin Herbe und Marc Schlömer. Die WDR-Redaktion übernahmen Sophie Schulenburg und Jochen Leufgens.
Der Erzählbogen beginnt nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Von diesem Zeitpunkt an beobachten Herbe und Schlömer, wie sich der Alltag jüdischer Sportler in Deutschland verändert. Trainings, Wettkämpfe und Verbandsarbeit finden unter verschärften Sicherheitsbedingungen statt. Nach Darstellung des WDR können jüdische Sportveranstaltungen häufig nur noch mit bewaffnetem Sicherheitspersonal durchgeführt werden. Sportler berichten zudem, dass sie persönlich für Entscheidungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht würden. Die erste Folge Terror und Tischtennis verbindet diese Erfahrungen mit den Vorbereitungen auf die ursprünglich für 2025 geplante 22. Maccabiah. Sie endet mit der kurzfristigen Absage beziehungsweise Verschiebung der Spiele infolge des Krieges zwischen Israel und dem Iran.
Eine der beiden sportlichen Hauptfiguren ist Lisa Michajlova. Die Tischtennisspielerin zog 2023 für ihr Studium nach Tel Aviv und spielt dort auch für Maccabi Tel Aviv in der ersten israelischen Liga. Bei früheren Maccabiah-Ausgaben gewann sie bereits mehrere Goldmedaillen. Während der Dreharbeiten erlebt sie wiederholt Raketenalarm. Nach ihren Schilderungen habe sie im Verlauf des Krieges ihre Wohnung, ihren Arbeitsplatz und Freunde verloren. Trotzdem fühle sie sich in Tel Aviv teilweise sicherer als in Deutschland, weil antisemitische Konfrontationen dort nicht zu ihrem alltäglichen Erleben gehörten. Ihr Wunsch sei, sich irgendwann wieder über kleinere Dinge ärgern und auf den Sport konzentrieren zu können. Gleichzeitig setzt sie sich kritisch mit der israelischen Kriegsführung und ihrer eigenen jüdischen Identität auseinander.
Die zweite begleitete Sportlerin ist Hannah Stolyar. Die zum Zeitpunkt der aktuellen Spiele 18 Jahre alte Tischtennisspielerin kennt Polizeischutz und Sicherheitskontrollen seit ihrer Kindheit. Bereits in einem jüdischen Kindergarten habe sie lernen müssen, wie sie sich verhalten soll, falls Steine durch Fenster geworfen werden. Die Dokumentation zeigt ihren Konflikt zwischen dem Wunsch, jüdisches Leben sichtbar zu machen, und der Sorge um die eigene Sicherheit. Für die Maccabiah 2025 hatte sie fest mit einer Teilnahme geplant. Nach der Verschiebung entscheidet sie sich jedoch gegen die Reise im Sommer 2026. Neben ihrer Prüfungsphase an der Universität spielt dabei auch die weiterhin angespannte Sicherheitslage in Israel eine Rolle. Stolyar beschreibt ihre Gefühle als Wechselspiel aus Trauer und Wut darüber, die eigene Religion nicht frei ausleben zu können.
Neben den beiden Tischtennisspielerinnen stehen zwei Funktionäre im Zentrum. Ariel Leibovici ist Technischer Leiter von Makkabi Deutschland, seit rund 30 Jahren im Verband aktiv und für wesentliche Teile der Reise- und Sicherheitsplanung verantwortlich. Die Kamera begleitet ihn bei Gesprächen mit Eltern minderjähriger Teilnehmer. Viele wollen wissen, ob ihre Kinder unter den Bedingungen eines regionalen Krieges nach Israel reisen können. Leibovici erklärt zugleich, dass sich jüdische Delegationen bereits in Deutschland möglichst wenig zu erkennen geben müssten. Als öffentlich sichtbarer Jude wisse man mitunter nicht, was in den nächsten fünf Minuten geschehe. Alon Meyer, seit 2013 Präsident von Makkabi Deutschland, tritt als politischer Ansprechpartner und Verbandsvertreter auf. Der frühere Fußballspieler und Trainer reist 2026 zu seiner siebten Maccabiah. Seine Reaktion auf den Druck fasst er mit den Worten zusammen: Man müsse funktionieren. Weitere Trainer werden in den offiziellen Programminformationen nicht als eigenständige Interviewpartner ausgewiesen.
Die 22. Maccabiah sollte ursprünglich im Sommer 2025 stattfinden, wurde wegen des Krieges mit dem Iran jedoch um ein Jahr verschoben. Der zweite Dokumentationsteil Alarm und Applaus setzt beim neuen Anlauf an. Die Spiele finden vom 30. Juni bis 14. Juli 2026 in Israel statt. Die Eröffnungsfeier wurde am 1. Juli im Teddy-Stadion in Jerusalem veranstaltet, die Abschlussveranstaltung ist für den 13. Juli in Tel Aviv vorgesehen. Wettbewerbe werden an zahlreichen Orten ausgetragen. Ra’anana ist unter anderem Schauplatz der Tischtennis-Turniere. Statt der zunächst erwarteten mehr als 10.000 Teilnehmer gingen nach aktuellen Berichten rund 5.000 Sportler an den Start. Makkabi Deutschland reiste mit etwa 166 bis 170 Teilnehmern und damit mit der größten europäischen Delegation nach Israel. Die Dokumentation folgt der Gruppe bei den letzten Vorbereitungen, auf der Reise und schließlich ins Sportfest, das unter dem Motto More Than Ever steht.
Sportlich endet die Reise für Lisa Michajlova erfolgreich. In der Vorrunde des offenen Frauen-Einzels belegte sie in ihrer Gruppe vor Mika Melamed und Liel Shot den ersten Platz. Im Halbfinale setzte sie sich gegen ihre deutsche Teamkollegin Neli Shoifer in drei Sätzen durch. Das Endspiel verlor sie gegen Katharina Michajlova mit 7:11, 3:11 und 5:11 und gewann damit Silber. Im Mixed trat sie gemeinsam mit Yaroslav Shubov an und erreichte den dritten Platz. Zusätzlich gehörte Lisa Michajlova zur deutschen Frauenmannschaft mit Katharina Michajlova, Neli Shoifer und Diana Roif. Das Team besiegte Israels zweite Mannschaft mit 3:0 sowie Israels erste Auswahl mit 3:1 und gewann Mannschaftsgold. Damit erhält der Filmtitel Alarm und Applaus eine konkrete sportliche Bedeutung: Neben Sirenen, Sicherheitsgesprächen und politischen Konflikten stehen am Ende auch Medaillen, Begegnungen und der Wunsch, für einige Stunden einfach Sportlerin sein zu dürfen.
Wer die vollständige Geschichte sehen möchte, findet in der ARD Mediathek zwei längere Folgen. Terror und Tischtennis dauert rund 35 Minuten, Alarm und Applaus etwa 34 Minuten. Die Beiträge bleiben nach derzeitiger Planung bis zum 10. Juli 2031 verfügbar. Die Mediathek-Version erzählt damit ausführlicher als die halbstündige Fernsehfassung und zeigt sowohl die gescheiterte Vorbereitung auf 2025 als auch den neuen Anlauf im Sommer 2026. Im linearen Fernsehen läuft Deutsch. Jüdisch. Sicher? Maccabiah – Sportfest im Krieg am Samstag, 11. Juli 2026, um 18.25 Uhr im Ersten.
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