
Holger Stanislawski kehrt nach 13 Jahren in den Profifußball zurück — wenn auch in einer ungewohnten Rolle. Wie der SV Drochtersen/Assel am Donnerstag bestätigte, übernimmt der frühere Trainer von Hoffenheim, dem 1. FC Köln und dem FC St. Pauli künftig den Posten des sportlichen Beraters beim Vizemeister der Regionalliga Nord. Stanislawski wird damit eine zentrale Figur im Klub aus Niedersachsen.
Für viele Fans ist die Personalie eine kleine Sensation. Der 56-Jährige hatte sich nach seinem Ausstieg 2013 weitgehend aus dem aktiven Fußballgeschäft zurückgezogen und sich auf Medienarbeit konzentriert. Nun wagt er den Schritt zurück — bei einem Klub, der den Sprung in die 3. Liga anvisiert.
Wichtig ist die Einordnung der Rolle. Stanislawski wird nicht als Cheftrainer agieren, sondern als sportlicher Berater. Cheftrainer bleibt Oliver Ioannou, der die Mannschaft im Mai zur Vize-Meisterschaft geführt hat. Auch in der sportlichen Hierarchie ändert sich offiziell nichts.
Klubpräsident Friedhelm Lüders betont jedoch, dass Stanislawski seine Aufgabe „sehr intensiv“ wahrnehmen werde. Konkret heißt das: Stanislawski soll Trainingseinheiten begleiten, im Scouting unterstützen, kommende Gegner beobachten und seine Erfahrung in Personal- und Spielsystementscheidungen einbringen.
Der SV Drochtersen/Assel hat ein klares Ziel: den Aufstieg in die 3. Liga. Nachdem das Team in der vergangenen Spielzeit als Vizemeister der Regionalliga Nord nur knapp am SV Meppen scheiterte, hat der Verein eine Lizenz für die 3. Liga beantragt. Stanislawskis Verpflichtung wird als deutliches Signal dafür gewertet, dass der Klub das Vorhaben mit voller Konsequenz vorantreibt.
Auch infrastrukturell soll der Klub aufrüsten. Vereinsverantwortliche hatten zuletzt mehrfach betont, dass für den Schritt in den Profibereich nicht nur sportliche, sondern auch organisatorische Fortschritte nötig seien. Mit Stanislawski holt sich der Verein einen Berater, der genau diese Doppelrolle aus eigener Erfahrung kennt.
Stanislawski selbst sprach von einer „Herzensentscheidung“. Er habe die Anfrage aus Niedersachsen lange überlegt, sei dann aber von Konzept und Menschen überzeugt worden. Wichtig sei ihm, dass die Aufgabe genau definiert sei: „Ich bin Berater, nicht Trainer. Olli macht das hervorragend, ich werde ihn nicht stören, sondern ergänzen.“
Stanislawski hatte als Trainer in der Bundesliga unter anderem den FC St. Pauli und die TSG Hoffenheim betreut. Nach mehreren Stationen verließ er den Profifußball 2013 und arbeitete zuletzt als Experte für verschiedene TV-Sender. Sein gesundheitlicher Hintergrund — die Krebserkrankung 2008 — und die Rückkehr in den Fußball machen die Personalie auch persönlich emotional.
Spannend wird, wie schnell Stanislawski erste sportliche Impulse setzt. Für die Vorbereitung ab Mitte Juli ist sein Einsatz fest eingeplant. Zudem dürfte er bei der Kaderplanung für die kommende Spielzeit eine entscheidende Stimme erhalten — auch wenn die offizielle Verantwortung bei Trainer Ioannou liegt.
Mittelfristig steht die Lizenzentscheidung des DFB für die 3. Liga im Fokus. Bekommt der SV Drochtersen/Assel grünes Licht, dürfte der Klub mit Stanislawski an seiner Seite einen weiteren Schritt in Richtung Professionalisierung gehen. Bleibt es bei der Regionalliga Nord, wäre das Ziel klar definiert: Aufstieg über den sportlichen Weg in der kommenden Saison.
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