Zalando-Aktie bleibt nach dem großen August-Rückschlag unter Druck

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Zalando-Aktie am 12. August 2026 hat den Handel in Frankfurt erneut schwächer beendet, allerdings wesentlich unspektakulärer, als es manche Kursübersichten zeitweise vermuten ließen. Auf Xetra schloss das Papier des Berliner Online-Modehändlers am Mittwoch bei 24,02 Euro. Gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag bei 24,07 Euro entsprach das einem Minus von 0,21 Prozent. Damit war Zalando weder der größte Verlierer im DAX noch annähernd 2,6 Prozent im Minus. Dennoch bleibt die Aktie auffällig schwach. Seit dem Jahreshoch Ende Juli hat sie rund ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt, vor allem wegen der heftigen Reaktion auf die jüngsten Quartalszahlen.

Zalando schwankt zwischen 23,92 und 24,72 Euro

Der Handelstag begann für Zalando deutlich oberhalb des späteren Schlusskurses. Die Aktie eröffnete bei rund 24,65 Euro und erreichte im Tagesverlauf bis zu 24,72 Euro. Anschließend setzte jedoch Verkaufsdruck ein. Das Tagestief wurde bei 23,92 Euro markiert. Bis zur Xetra-Schlussauktion erholte sich das Papier leicht auf 24,02 Euro. Gemessen am Vortag bedeutete das lediglich einen Rückgang um 0,21 Prozent. Das Tagesbild war damit vor allem von einer deutlichen Bewegung innerhalb der Handelsspanne geprägt, nicht von einem außergewöhnlich hohen Schlussverlust.

Auch im DAX war Zalando keineswegs das Schlusslicht. Henkel verlor am Mittwoch 1,41 Prozent und Symrise 1,36 Prozent. Damit gehörten andere Konsumwerte zu den schwächeren Titeln im deutschen Leitindex. Für Zalando ist das dennoch kein Entwarnungssignal. Die Aktie hat sich seit dem massiven Rückschlag Anfang August bislang nicht nachhaltig erholt und bewegt sich nur knapp oberhalb der Kurse, die unmittelbar nach Veröffentlichung des zweiten Quartals erreicht wurden.

Vom Jahreshoch ist die Aktie mehr als 20 Prozent entfernt

Die längerfristige Entwicklung zeigt, wie schnell sich das Bild bei Zalando zuletzt verändert hat. Am 30. Juli hatte die Aktie mit 30,43 Euro ihren bisherigen Jahreshöchststand erreicht. Am 12. August lag der Schlusskurs mit 24,02 Euro bereits gut 21 Prozent darunter. Das bisherige Jahrestief wurde am 12. Mai im Bereich von 18,62 Euro markiert. Vom Tief hat die Aktie damit trotz der jüngsten Verluste noch rund 29 Prozent Abstand nach oben.

Auch gegenüber dem Jahresende 2025 fällt die Bilanz inzwischen negativ aus. Am letzten Handelstag des vergangenen Jahres lag Zalando bei rund 25,34 Euro. Auf Basis des Schlusskurses vom Mittwoch ergibt sich damit seit Jahresbeginn ein Minus von etwas mehr als fünf Prozent. Das allein beschreibt die Entwicklung allerdings nur unvollständig. Von Mitte Mai bis Ende Juli war die Aktie kräftig gestiegen und hatte sich vom Jahrestief bis auf mehr als 30 Euro erholt. Ein erheblicher Teil dieser Rally wurde innerhalb weniger Handelstage nach den Quartalszahlen wieder abgegeben.

Der eigentliche Kursrutsch begann mit den Quartalszahlen

Der entscheidende Belastungsfaktor für die aktuelle Kursentwicklung stammt vom 4. August. Zalando hatte an diesem Tag seine Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Zwar stiegen sowohl das Handelsvolumen auf den Plattformen als auch der Umsatz und der operative Gewinn deutlich. Gleichzeitig blieb das zugrunde liegende Wachstum im Kerngeschäft hinter den hohen Erwartungen zurück. Die Aktie verlor daraufhin zeitweise bis zu 18 Prozent und verzeichnete einen der stärksten Tagesrückgänge ihrer Börsengeschichte.

Nach Angaben des Unternehmens wuchs das Bruttowarenvolumen, das sogenannte GMV, im zweiten Quartal auf berichteter Basis um 20,7 Prozent auf 4,915 Milliarden Euro. Der Konzernumsatz erhöhte sich ebenfalls um 20,8 Prozent auf 3,424 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT stieg von 185,5 Millionen auf 204,8 Millionen Euro. Die bereinigte EBIT-Marge verringerte sich wegen der Einbeziehung von About You allerdings von 6,5 auf 6,0 Prozent. Zalando selbst kam ohne diesen Konsolidierungseffekt auf eine Marge von 6,6 Prozent.

Unter der Oberfläche wächst das Kerngeschäft langsamer

Für die Börse war weniger das ausgewiesene zweistellige Wachstum entscheidend als die Entwicklung auf vergleichbarer Basis. Durch die Übernahme und Konsolidierung von About You sind die gemeldeten Wachstumsraten deutlich höher als das organische Tempo des bestehenden Geschäfts. Auf Pro-forma-Basis verlangsamte sich das GMV-Wachstum nach Berechnungen von Jefferies im zweiten Quartal auf 4,4 Prozent, nachdem im ersten Quartal noch etwa sechs Prozent erreicht worden waren.

Besonders die Nachfrage im klassischen Endkundengeschäft wurde kritisch betrachtet. Zalando-Finanzvorständin Anna Dimitrova beschrieb die Verbraucher Anfang August als weiterhin vorsichtig und preissensibel. Zudem entwickelte sich die Nachfrage nach Sneakers schwächer. Gerade nach der starken Kursrally bis Ende Juli hatten Anleger offenbar auf einen überzeugenderen Geschäftsverlauf gehofft. Die Kombination aus gestiegenem Aktienkurs und etwas schwächeren operativen Trends erhöhte damit das Enttäuschungspotenzial bei Vorlage der Zahlen.

Zalando präzisiert die Prognose für 2026

Zalando hält grundsätzlich an Wachstum und steigenden Gewinnen im Gesamtjahr fest, hat den erwarteten Bereich aber präzisiert. Beim GMV und beim Umsatz rechnet der Konzern inzwischen mit einem Wachstum in der unteren Hälfte der zuvor genannten Spanne von zwölf bis 17 Prozent. Eine konkrete neue Prozentzahl nennt das Unternehmen innerhalb dieser Hälfte nicht.

Beim bereinigten EBIT wurde die bisherige Spanne von 660 bis 740 Millionen Euro auf 680 bis 720 Millionen Euro eingeengt. Zalando betont, dass diese Präzisierung vor allem die bereits erreichte Entwicklung im ersten Halbjahr widerspiegele. Die Annahmen für das zweite Halbjahr seien nicht grundsätzlich verschlechtert worden. Für die Profitabilität setzt der Konzern unter anderem auf Synergien mit About You, Veränderungen im Logistiknetz, höhere Effizienz sowie den Ausbau margenstärkerer Bereiche wie Partnergeschäft, Software und Retail Media.

About You wird zu einem immer wichtigeren Teil des Konzerns

Die Übernahme von About You verändert die Struktur von Zalando erheblich. Der Zusammenschluss wurde 2025 abgeschlossen. Zalando betreibt damit mehrere voneinander getrennte Angebote für unterschiedliche Kundengruppen. Dazu gehören die klassische Zalando-Plattform, About You und Lounge by Zalando. Zugleich wird die B2B-Infrastruktur zusammengeführt. SCAYLE von About You ergänzt dabei Zalando-Angebote wie ZEOS und Tradebyte.

Erste Synergien sind bereits in den Geschäftszahlen sichtbar. Im zweiten Quartal steuerte die Integration nach Unternehmensangaben mehr als zehn Millionen Euro zum bereinigten EBIT bei. Besonders stark entwickelte sich außerdem das B2B-Geschäft. Dort stieg der Umsatz um 27,6 Prozent auf knapp 335 Millionen Euro. Das bereinigte EBIT des Segments erhöhte sich von 11,4 Millionen auf 40,7 Millionen Euro. Die Marge erreichte 12,2 Prozent. Damit gewinnt ein Bereich an Bedeutung, der weniger unmittelbar von einzelnen Modekollektionen und der aktuellen Konsumstimmung abhängt.

Shein, Temu und Amazon erhöhen den Wettbewerbsdruck

Der europäische Online-Handel bleibt zugleich stark umkämpft. Im Modegeschäft zählt vor allem Shein zu den direkten Wettbewerbern von Zalando. Die Plattform hat in Europa mit sehr niedrigen Preisen, schnellen Sortimentswechseln und starkem Online-Marketing Marktanteile gewonnen. Allerdings steht auch Shein inzwischen unter stärkerem regulatorischem und wirtschaftlichem Druck. Im Vorfeld des geplanten Börsengangs in Hongkong wurden im August ein deutlich langsameres Wachstum und steigende Kosten bekannt.

Temu konkurriert mit einem noch breiteren Sortiment und aggressiver Preisgestaltung um dieselben Online-Kunden. Amazon wiederum besitzt einen anderen Vorteil: enorme Reichweite, eine etablierte Logistikinfrastruktur und eine große Zahl von Händlern auf dem eigenen Marktplatz. Ende 2025 hatte Amazon die Gebühren für Verkäufer in mehreren europäischen Produktkategorien reduziert, ausdrücklich vor dem Hintergrund des verschärften Wettbewerbs mit Niedrigpreisplattformen wie Shein und Temu. Zalando versucht sich von diesem Preiskampf stärker über Marken, Personalisierung, Logistikleistungen, Partnerangebote und Technologie abzugrenzen.

Analysten sehen den Kursrutsch unterschiedlich

Die Reaktionen der Analysehäuser nach den Quartalszahlen zeigen, dass zwischen operativer Enttäuschung und langfristiger Bewertung unterschieden wird. Adam Cochrane von Deutsche Bank Research bestätigte nach Vorlage der Zahlen seine Einstufung „Buy“ und ein Kursziel von 35 Euro. Er verwies allerdings darauf, dass das zweite Quartal die Erwartungen leicht verfehlt habe und insbesondere die schwächere GMV-Entwicklung nach der vorausgegangenen Rally den Aktienkurs belasten könne. Das Kursziel ist eine Einschätzung der Deutschen Bank und keine Prognose mit Eintrittsgarantie.

UBS bestätigte ebenfalls ihre positive Einstufung und führte zuletzt ein Kursziel von 36,50 Euro. Die DZ Bank ging noch einen Schritt weiter. Analyst Thomas Maul stufte Zalando nach dem Kursrutsch von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch und erhöhte den von seinem Haus ermittelten fairen Wert von 27 auf 38 Euro. Maul bewertete den Rückgang nach den Quartalszahlen als überzogen und verwies unter anderem auf die Technologiekompetenz des Konzerns. Auch hierbei handelt es sich ausdrücklich um die Einschätzung des jeweiligen Analysehauses, nicht um eine Anlageempfehlung dieses Artikels.

Zalando steht zwischen Konsumwert und Technologieplattform

Im Vergleich zu klassischen Handels- und Konsumwerten ist Zalando besonders stark von Wachstumserwartungen abhängig. Ein Konzern wie Henkel erzielt einen großen Teil seines Geschäfts mit etablierten Konsumgütermarken und weist andere Margen- und Nachfrageprofile auf. Zalando wird dagegen zugleich als Händler, Plattformbetreiber, Logistikanbieter und Technologiekonzern bewertet. Das sorgt in beide Richtungen für größere Kursreaktionen, wenn sich Erwartungen an Wachstum und Profitabilität verändern.

Der Mittwoch selbst lieferte dabei keinen Beleg für eine besondere Zalando-Krise. Henkel und Symrise lagen im DAX mit Verlusten von 1,41 beziehungsweise 1,36 Prozent deutlich hinter Zalando. Auch Adidas hatte im Tagesverlauf zeitweise nachgegeben. Der entscheidende Unterschied liegt im Blick auf die vergangenen zwei Wochen: Während der Gesamtmarkt zuletzt neue Höchststände erreichte, musste Zalando einen großen Teil der vorherigen Sommerrally wieder abgeben.

Der nächste große Termin ist der 3. November

Nach den Zahlen für das zweite Quartal steht zunächst eine längere Phase ohne reguläre Ergebnisveröffentlichung bevor. Zalando will die Zahlen für das dritte Quartal am 3. November 2026 vorlegen. Dieser Termin dürfte zeigen, ob sich das Wachstum des B2C-Geschäfts stabilisiert, wie schnell die Integration von About You vorankommt und ob die angekündigten Synergien weiter zunehmen.

Besonders aufmerksam dürften Anleger auf die Entwicklung des Bruttowarenvolumens, die Konsumstimmung, die B2C-Marge und das schnell wachsende B2B-Geschäft schauen. Hinzu kommt die Frage, ob Zalando seine auf 680 bis 720 Millionen Euro eingeengte EBIT-Prognose bestätigt. Nach dem Kursrutsch Anfang August reicht inzwischen schon eine Stabilisierung der operativen Entwicklung aus, um die Erwartungen neu zu justieren. Umgekehrt bleibt die Aktie anfällig, wenn das organische Wachstum weiter nachlässt. Eine Aussage über die künftige Kursentwicklung lässt sich daraus nicht ableiten.

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