
Neue Einkaufsmanagerindizes geben am Freitag einen frühen Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger Industrieländer. Besonders genau dürften Beobachter auf Deutschland schauen. Dort steht die Frage im Mittelpunkt, ob sich die Industrie stabilisieren kann und ob der erneute Anstieg der Energiepreise bereits die Geschäftslage belastet.
S&P Global veröffentlicht am Freitag, 24. Juli 2026, die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Juli. Die deutsche Veröffentlichung ist für 9.30 Uhr deutscher Sommerzeit vorgesehen. Es folgen die Eurozone um 10.00 Uhr, Großbritannien um 10.30 Uhr und die USA um 15.45 Uhr. Die neuen Juli-Werte liegen bislang noch nicht vor.
Die sogenannten Flash-Indizes werden vor dem Monatsende veröffentlicht. Sie beruhen auf einem großen Teil der Antworten, die normalerweise in die endgültige Berechnung einfließen. Bei der Eurozone sind es nach Angaben von S&P Global ungefähr 85 Prozent der üblichen Rückmeldungen. Die endgültigen Industrie-, Dienstleistungs- und Gesamtindizes folgen Anfang August.
Dass vorläufige und endgültige Werte voneinander abweichen können, zeigte sich im Juni deutlich. Der deutsche Gesamtindex war zunächst mit 48,0 Punkten angegeben worden. Die endgültige Berechnung ergab später 49,5 Punkte. Für die Eurozone wurde der vorläufige Wert von 49,5 Punkten auf genau 50,0 Punkte angehoben. Solche Änderungen können die wirtschaftliche Einordnung verschieben, besonders wenn ein Index nahe an der Wachstumsschwelle liegt.
Ein Einkaufsmanagerindex, kurz PMI, beruht auf monatlichen Befragungen von Unternehmen. Verantwortliche aus Einkauf und Unternehmensleitung geben an, ob sich wichtige Bereiche gegenüber dem Vormonat verbessert, verschlechtert oder nicht verändert haben. Abgefragt werden unter anderem Produktion, Auftragseingang, Beschäftigung, Lagerbestände, Lieferzeiten und Einkaufspreise.
Der Industrie-PMI setzt sich aus fünf unterschiedlich gewichteten Teilbereichen zusammen. Neue Aufträge haben ein Gewicht von 30 Prozent, die Produktion von 25 Prozent und die Beschäftigung von 20 Prozent. Hinzu kommen Lieferzeiten mit 15 Prozent und die Bestände eingekaufter Materialien mit 10 Prozent. Die Lieferzeiten werden in der Berechnung umgekehrt berücksichtigt, weil längere Wartezeiten in einer Hochkonjunktur häufig auf eine starke Nachfrage hindeuten können.
Der Dienstleistungsindex ist anders aufgebaut. Sein zentraler Wert misst unmittelbar, ob die Geschäftstätigkeit gegenüber dem Vormonat gestiegen oder gesunken ist. Dazu gehören beispielsweise Unternehmen aus Verkehr, IT, Finanzdienstleistungen, Beratung, Gastronomie und anderen Dienstleistungsbereichen.
Der Gesamtindex, auch Composite PMI genannt, verbindet die Produktionsentwicklung der Industrie mit der Geschäftstätigkeit der Dienstleister. Dabei werden beide Bereiche entsprechend ihrer Bedeutung für die jeweilige Volkswirtschaft gewichtet. Der Composite PMI vermittelt deshalb ein breiteres Bild als der reine Industrieindex.
Die Grenze von 50 Punkten trennt rechnerisch Wachstum und Rückgang. Ein Wert über 50 bedeutet, dass die Zahl der positiven Unternehmensmeldungen die negativen Antworten überwiegt. Ein Wert unter 50 signalisiert, dass sich die Lage im Vergleich zum Vormonat überwiegend verschlechtert hat. Genau 50 Punkte stehen für eine weitgehend unveränderte Entwicklung.
Die Berechnung folgt dem Prinzip eines Diffusionsindex. Der Anteil der positiven Antworten wird vollständig berücksichtigt, der Anteil der unveränderten Antworten zur Hälfte. Ein PMI von 52 Punkten bedeutet daher nicht, dass die Wirtschaftsleistung um zwei Prozent wächst. Er zeigt lediglich, dass die wirtschaftliche Aktivität in der Breite zugenommen hat.
Auch der Abstand zur 50-Punkte-Marke ist relevant. Ein Wert von 50,2 deutet eher auf Stagnation als auf einen kräftigen Aufschwung hin. Zugleich kann ein Index trotz eines Wertes unter 50 weniger negativ ausfallen als zuvor. Steigt er beispielsweise von 46 auf 49 Punkte, schrumpft die Aktivität der Umfrage zufolge weiterhin, der Rückgang verliert aber an Tempo.
Die endgültigen Juni-Daten zeichneten für Deutschland ein gemischtes Bild. Der von S&P Global veröffentlichte Industrie-PMI stieg von 50,1 Punkten im Mai auf 50,3 Punkte im Juni. Damit lag er knapp über der Wachstumsschwelle. Die Produktion nahm leicht zu, während die Nachfrage nur begrenzte Impulse lieferte.
Bei den Dienstleistern blieb die Lage schwächer. Der entsprechende Index erreichte im Juni 48,6 Punkte nach 48,1 Punkten im Mai. Der Rückgang der Geschäftstätigkeit setzte sich damit fort, verlor jedoch etwas an Geschwindigkeit. Der deutsche Composite PMI stieg von 48,8 auf 49,5 Punkte. Die Privatwirtschaft schrumpfte der Umfrage zufolge somit nur noch geringfügig.
Für die neuen Juli-Daten wird wichtig, ob die Industrie weiterhin oberhalb von 50 Punkten bleibt. Ebenso relevant sind die Teilindizes zu Auftragseingängen und Preisen. Neue Aufträge zeigen, ob Unternehmen in den kommenden Monaten mit ausreichend Arbeit rechnen können. Die Preiskomponenten geben Hinweise darauf, ob höhere Kosten bei Energie, Rohstoffen und Transport die Unternehmen bereits erreichen.
Der Preis für ein Barrel Brent-Öl stieg am Montag zeitweise auf 90,87 US-Dollar. Das war der höchste Stand seit dem 11. Juni. Hintergrund waren erneut verschärfte Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie Sorgen um den Transport von Öl durch die Straße von Hormus. Da die PMI-Befragungen während des laufenden Monats stattfinden, könnten die höheren Energiepreise zumindest teilweise in den Juli-Antworten sichtbar werden. Wie stark dieser Effekt ausfällt, ist offen.
Auch in der Eurozone lagen Industrie und Dienstleistungen im Juni deutlich auseinander. Der Industrie-PMI sank nach Angaben von S&P Global leicht von 51,6 Punkten im Mai auf 51,4 Punkte im Juni. Er blieb damit den fünften Monat in Folge oberhalb der Wachstumsschwelle. Der Dienstleistungsindex verbesserte sich von 47,7 auf 49,4 Punkte, zeigte aber weiterhin einen Rückgang der Geschäftstätigkeit. Der Composite PMI erreichte genau 50,0 Punkte. Die Privatwirtschaft stagnierte somit insgesamt.
In Großbritannien fiel der Gesamtindex im Juni auf 49,3 Punkte nach 49,7 Punkten im Mai. Der Dienstleistungsindex sank von 49,3 auf 48,8 Punkte. Die Industrie entwickelte sich dagegen besser: Der britische Industrie-PMI lag bei 52,5 Punkten, nachdem er im Mai 53,9 Punkte erreicht hatte. Die Produktion der Industrie reichte somit nicht aus, um den Rückgang im größeren Dienstleistungssektor vollständig auszugleichen.
In den USA blieb die Privatwirtschaft im Juni insgesamt auf Wachstumskurs. Der Composite PMI stieg laut S&P Global von 51,5 auf 51,9 Punkte. Der Dienstleistungsindex verbesserte sich von 50,7 auf 51,2 Punkte. Der Industrie-PMI fiel zwar von 55,1 auf 53,9 Punkte, zeigte aber weiterhin eine vergleichsweise deutliche Verbesserung der Geschäftsbedingungen.
Einkaufsmanagerindizes gelten als Frühindikatoren. Damit sind Kennzahlen gemeint, die Hinweise auf die künftige Entwicklung der Wirtschaft geben, bevor umfassende amtliche Daten vorliegen. Die Unternehmen beantworten die Fragen bereits während des laufenden Monats. Statistiken zu Industrieproduktion, Einzelhandel oder Bruttoinlandsprodukt können dagegen erst erstellt werden, wenn Unternehmen und Behörden ihre vollständigen Monats- oder Quartalsdaten gemeldet und geprüft haben.
Für die Finanzmärkte zählt vor allem, ob die veröffentlichten Werte von den vorherigen Erwartungen abweichen. Ein überraschend starker PMI kann die Aussicht auf höheres Wirtschaftswachstum verbessern. Steigen zugleich die Preisindizes, kann dies jedoch die Erwartung verstärken, dass Zentralbanken die Zinsen länger hoch halten oder weniger stark senken.
Das kann besonders die Anleihemärkte bewegen. Erwarten Marktteilnehmer höhere Leitzinsen oder eine hartnäckigere Inflation, steigen häufig die Renditen von Staatsanleihen. Schwächere Konjunkturdaten können dagegen Erwartungen an niedrigere Zinsen fördern. Bei Aktien hängt die Reaktion von der Zusammensetzung der Daten ab. Industrieunternehmen können von besseren Aufträgen profitieren, während stark steigende Kosten die Gewinnmargen belasten können.
Die Juli-Indizes dürften deshalb nicht nur wegen der 50-Punkte-Marke beachtet werden. Entscheidend wird sein, wie sich Auftragseingänge, Beschäftigung, Lieferzeiten und Preise entwickeln. Gerade für Deutschland stellt sich die Frage, ob die zuletzt erkennbare Stabilisierung der Industrie anhält oder ob höhere Energie- und Transportkosten den vorsichtigen Erholungskurs wieder bremsen.
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