
Risse am Airbus A380 haben eine dringliche Reaktion der europäischen Luftfahrtaufsicht ausgelöst. Die Europäische Luftfahrtbehörde EASA hat für 16 Flugzeuge des Typs Airbus A380 zusätzliche Inspektionen angeordnet. Betroffen sind Maschinen der Versionen A380-841, A380-842 und A380-861. Die Anweisung gilt seit dem 24. Juni 2026 und bezieht sich auf ein tragendes Bauteil innerhalb der Tragflächenstruktur. Fünf Jets müssen vor dem nächsten Flug geprüft werden, elf weitere innerhalb von 25 Flugzyklen.
Die EASA begründet die Maßnahme mit Ergebnissen früherer Prüfungen an Tragflächenholmen. Dabei wurden an bestimmten Flugzeugen Risse festgestellt, die nach Bewertung der Behörde die strukturelle Integrität der Tragfläche verringern könnten. Airbus muss den Betreibern nun konkrete Prüfanweisungen für eine zusätzliche Detailinspektion der sogenannten Wing Mid Spars geben. Diese Bauteile gehören zur inneren Tragflächenstruktur und sind für die Belastbarkeit des Flügels wichtig. Die EASA bezeichnet die Anordnung als Zwischenmaßnahme. Weitere Lufttüchtigkeitsanweisungen sind möglich, wenn die neuen Prüfergebnisse darauf hindeuten.
Die betroffenen Flugzeuge sind in zwei Gruppen eingeteilt. Für fünf A380 gilt die schärfste Frist: Sie müssen vor dem nächsten Flug nach Inkrafttreten der Anweisung kontrolliert werden. Erlaubt ist lediglich ein Überführungsflug ohne Passagiere, um die Maschine zu einem Ort zu bringen, an dem die Prüfung durchgeführt werden kann. Für die elf weiteren Maschinen gilt eine Frist von 25 Flugzyklen. Ein Flugzyklus umfasst Start, Flug und Landung. Werden bei der Inspektion Abweichungen festgestellt, muss vor dem nächsten Flug Airbus kontaktiert und eine Reparaturanweisung umgesetzt werden.
Nach übereinstimmenden Angaben betrifft die Anweisung 15 Maschinen von Emirates und einen A380 von Qantas. Emirates ist mit 116 Flugzeugen der mit Abstand größte Betreiber des weltgrößten Passagierjets. Die Fluggesellschaft aus Dubai setzt den Doppelstockjet weiterhin auf stark nachgefragten Langstrecken ein. Qantas betreibt eine deutlich kleinere A380-Flotte mit zehn Jets. Bei der australischen Airline befand sich die betroffene Maschine zunächst bereits in geplanter Wartung. Auswirkungen auf den Flugplan wurden deshalb zunächst nicht genannt. Für Emirates stand die schnelle technische Prüfung der betroffenen Flugzeuge im Vordergrund.
Der Airbus A380 ist 73 Meter lang, hat eine Spannweite von fast 80 Metern und ist das größte jemals gebaute Passagierflugzeug. Airbus hat die Produktion des Superjumbos inzwischen beendet, unterstützt die in Betrieb befindlichen Maschinen aber weiter. Tragflächenprüfungen sind beim A380 kein neues Thema. Die EASA verweist in der aktuellen Anweisung auf mehrere frühere Vorgaben zu Tragflächenholmen, zuletzt auf eine Lufttüchtigkeitsanweisung aus dem Jahr 2025. Die jetzige Maßnahme betrifft jedoch einen konkret benannten Bereich der Tragflächenstruktur und eine begrenzte Zahl einzelner Seriennummern.
Eine pauschale Stilllegung aller A380 ist mit der aktuellen EASA-Anweisung nicht verbunden. Erfasst sind ausschließlich die 16 aufgelisteten Flugzeuge. Der Fall ist dennoch überregional bedeutsam, weil der A380 auf internationalen Langstrecken weiterhin eine wichtige Rolle spielt, vor allem bei Emirates. Die Behörde verlangt nicht nur die Inspektion, sondern auch eine Rückmeldung der Ergebnisse an Airbus innerhalb von sieben Tagen. Unklar blieb zunächst, ob aus den Prüfungen weitere technische Maßnahmen für einzelne Maschinen oder zusätzliche Vorgaben für die Flotte folgen.
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