
Der Stuttgarter Verlag PONS Langenscheidt hat am Dienstag, 28. Juli 2026, die zehn Kandidaten für das Jugendwort 2026 veröffentlicht und zugleich das erste Online-Voting gestartet. Bekannt gegeben wurde weder das Siegerwort noch eine Top-3-Liste, sondern die Top 10. Bis zum 20. August können Teilnehmende online ihre Favoriten für das Finale auswählen.
„67“, gesprochen „six seven“, ist ein aus TikTok, Basketball-Memes und dem Song „Doot Doot (6 7)“ des US-Rappers Skrilla verbreiteter Insider ohne festgelegte Bedeutung. „Crashout“ bezeichnet einen Kontrollverlust, ein Ausrasten oder eine übermäßig emotionale Reaktion. „Digga“ dient als lockere Anrede für Freund, Bruder oder Kumpel, kann aber auch lediglich als Ausruf verwendet werden. „Du bist gut genug“ ist eine viral verbreitete Songzeile, die in Memes, Abwandlungen und Parodien aufgegriffen wird.
„Gute Käse“ ist ein humorvolles Lob und bedeutet je nach Zusammenhang „richtig gut“, „stabil“ oder „das gefällt mir“. „Macker“ bezeichnet einen Freund, Schwarm, Partner oder allgemein einen Typen und wird häufig ironisch oder liebevoll gebraucht. „Peak“ steht für den absoluten Höhepunkt oder besonders hohe Qualität. „Ragebait“ meint absichtlich provozierende Online-Inhalte, die Wut und dadurch Reichweite erzeugen sollen. „Schere“ bedeutet als Begriff aus der Gaming-Szene „mein Fehler“ oder „ich übernehme die Schuld“. „Süper“ ist das türkische Wort für „super“ und wird entsprechend als positive Bewertung genutzt.
Nicht in die Top 10 aufgenommen wurde „Mehrzweckeier“. Der Begriff war nach Angaben des Verlags häufig eingereicht worden und hätte es zahlenmäßig in die Vorauswahl geschafft. Er entstand aus einer im Internet verbreiteten Abwandlung einer gegen Bundeskanzler Friedrich Merz gerichteten Parole und wurde durch eine organisierte Kampagne auf Reddit zusätzlich verbreitet.
Langenscheidt begründet den Ausschluss damit, dass der Ausdruck sowohl auf einer Kampagne als auch auf einer persönlichen Beleidigung beruhe. Beides zählt zu den Ausschlusskriterien. Ebenfalls nicht zugelassen werden offensichtliche Fakes sowie rassistische, sexistische, diskriminierende oder beleidigende Begriffe. Die Entscheidung zeigt zugleich, dass die Zahl der Einreichungen allein nicht über die Aufnahme in die Vorauswahl entscheidet.
Vorschläge konnten vom 29. Mai bis 16. Juli eingereicht werden. Vom 17. bis 27. Juli wurden sie ausgewertet. Das Voting über die Top 10 läuft vom 28. Juli bis 20. August, anschließend folgt bis 27. August die Auswertung. Am 28. August sollen die drei Finalisten bekannt gegeben werden. Über diese Top 3 kann dann bis zum 28. September abgestimmt werden.
Vom 29. September bis 9. Oktober wertet der Verlag die Schlussrunde aus. Das Jugendwort des Jahres 2026 wird am 10. Oktober verkündet. Der NDR nennt dafür die Frankfurter Buchmesse als Ort. Auf der aktuell abrufbaren offiziellen Übersichtsseite bestätigt Langenscheidt das Datum, nennt dort jedoch keinen Veranstaltungsort. Gesichert sind damit der Bekanntgabetag und der Ablauf; die Ortsangabe ist in den offiziellen Informationen derzeit nicht durchgehend ausgewiesen.
Grundsätzlich können Menschen jedes Alters Wörter einreichen und abstimmen. Für das offizielle Ergebnis berücksichtigt Langenscheidt jedoch nur Angaben von Teilnehmenden, die sich selbst der Altersgruppe von 11 bis 20 Jahren zuordnen. Eine technische Altersprüfung gibt es nach Angaben des Verlags aus Datenschutzgründen nicht. Veranstalter ist PONS Langenscheidt, das die Aktion seit 2008 ausrichtet.
Zunächst werden häufig eingereichte Begriffe gesammelt. Ein Verlagsgremium prüft danach ihre tatsächliche Verwendung in der Jugendsprache und sucht unter anderem nach Belegen in sozialen Medien. Kampagnenbegriffe sowie problematische Inhalte können aussortiert werden. Anschließend entscheidet das Online-Voting über die Top 3 und in einer zweiten Runde über das Siegerwort. Aktuelle Zwischenstände oder Prozentwerte der laufenden Wahl hat der Verlag bislang nicht veröffentlicht.
2025 gewann „das crazy“, eine ausweichende oder höfliche Reaktion, wenn jemand nichts Passendes sagen möchte. 2024 siegte „Aura“ für Ausstrahlung, Charisma oder sozialen Status. „Goofy“ bezeichnet eine tollpatschige oder alberne Person beziehungsweise Verhaltensweise und gewann 2023. Das Jugendwort 2022, „smash“, bedeutet, mit jemandem etwas anzufangen. 2021 stand „cringe“ für peinlich oder zum Fremdschämen, 2020 gewann „lost“ im Sinn von ahnungslos oder verwirrt.
Kritiker bezweifeln regelmäßig, dass eine offene Online-Abstimmung die Sprache aller Jugendlichen repräsentativ abbilden kann. Die Gesellschaft für deutsche Sprache verweist zudem auf die Frage, ob die Kandidaten tatsächlich verbreitet sind und ob ein öffentlich bekannt gemachter Ausdruck überhaupt noch ausschließlich als Jugendwort funktioniert. Hinzu kommt der Vorwurf, die Wahl sei vor allem eine Marketingaktion. Langenscheidt versucht dem mit Altersfilterung, Nutzungsprüfung und dem Ausschluss organisierter Kampagnen zu begegnen.
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